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14.01.2015

12:09 Uhr

Dieselpreis

Tanken für 95 Cent pro Liter

Tanken wird wohl noch billiger: Bald könnte der Dieselpreis an deutschen Tankstellen die Marke von einem Euro pro Liter knacken. Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg hält sogar einen Preis von 95 Cent je Liter für möglich.

Die seit Monaten fallenden Ölpreise lassen auch die Spritpreise sinken. dpa

Die seit Monaten fallenden Ölpreise lassen auch die Spritpreise sinken.

BerlinDer fallende Ölpreis macht das Tanken demnächst vermutlich noch billiger. Der Preis für einen Liter Diesel könnte an den deutschen Tankstellen kurzfristig unter die Marke von einem Euro fallen, sagte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg der „Bild“-Zeitung vom Mittwoch.

Ölpreis-Verfall kommt beim Verbraucher an

Warum werden Benzin und Diesel billiger?

Das liegt im am Preisrutsch für Rohöl. Der Ölpreis hat sich jahrelang weitgehend in einem Preisband zwischen 100 und 115 Dollar für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent bewegt. Diesen Korridor hat der Preis im Herbst 2014 verlassen und seinen Preisverfall beschleunigt. Die subjektive Wahrnehmung vieler Autofahrer, dass Benzin und Diesel immer teurer würden, wird von den Daten seit 2012 nicht mehr gedeckt.

Wie kommt es zum Rohöl-Preisverfall?

Auf der Angebotsseite ist reichlich Öl vorhanden. „Die Reaktion der Produzenten lässt auf sich warten“, sagt der Hamburger Energieexperte Steffen Bukold. Saudi-Arabien, das innerhalb des Opec-Kartells sonst die Feinsteuerung des Marktes übernommen hat, will nicht allein seine Produktion kürzen. Dahinter steht ein Kampf um Marktanteile in Asien, wo für die Opec-Staaten die einzig wachsenden Absatzmärkte für ihr Öl liegen. Die Nachfrage nach Öl verläuft wegen der verhaltenen Weltkonjunktur zudem flau und kann den Preis nicht stützen.

Werden nun Förderanlagen abgestellt?

Das ist mittelfristig denkbar, geht aber nicht so schnell. Manche Förderanlagen könnten unrentabel werden, wenn der Ölpreis noch weiter fällt und dauerhaft niedrig bleibt. Ob es dazu kommt, ist noch nicht absehbar. Zudem bekommen viele Förderländer - auch Russland - bei einem Ölpreis deutlich unter 100 Dollar ein Problem mit der Finanzierung ihres Staatshaushalts. Bislang allerdings liegt der durchschnittliche Ölpreis für 2014 immer noch bei 106 Dollar, nach 109 im Vorjahr. Das ist für die Ölländer noch kein schlechtes Jahr.

Kommt der Preisverfall voll beim Verbraucher an?

Nach dem Energiepreis-Monitor der European Climate Foundation sind die Preise für Energierohstoffe währungsbereinigt im September 2014 um 1,2 Prozent gefallen und gleichzeitig die Verbraucherpreise für Kraft- und Schmierstoffe um 0,4 Prozent gestiegen. Anders als in Frankreich und Italien. „Ein Teil des Anstiegs ist nur so zu erklären, dass fallende Rohstoffpreise nicht eins zu eins auf Verbraucherebene weitergegeben wurden“, heißt es in der Mitteilung der Stiftung. Die Branche bestreitet das: „Der harte Wettbewerb der Tankstellen in Deutschland sorgt dafür, dass der gesunkene Ölpreis über niedrigere Benzin- und Dieselpreise auch bei den Verbrauchern ankommt“, sagte ein Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Berlin.

Gehen die Preise weiter nach unten?

Das kann niemand sagen. Schon bislang ist der Preisrückgang gebremst worden, weil der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verloren hat, d.h. der Ölimporteur muss mehr Euro aufbringen, für die gleiche Menge Dollar beim Ölkauf. Fällt der Euro noch weiter, ist das schlecht für den Autofahrer. Der Ölpreis selbst hat nach unten vielleicht weniger Luft als nach oben. Gibt die Opec bei ihrer nächsten Sitzung ein klares Signal, dann kann der Preis auch schnell wieder in den alten Preiskorridor oberhalb von 100 Dollar zurückkehren.

„Ein Dieselpreis von 95 Cent je Liter ist möglich.“ Derzeit kostet ein Liter Diesel laut dem ADAC-Vergleichsportal in vielen Großstädten etwas mehr als einen Euro pro Liter.

Die seit Monaten fallenden Ölpreise lassen auch die Spritpreise sinken. Weinberg rechnete aber damit, dass die Ölpreise ab der Jahresmitte wieder steigen. Zum Ende des Jahres könnten sie nach seiner Einschätzung bei 70 Dollar liegen. „Einen Stand von 100 US-Dollar werden wir aber so schnell nicht mehr sehen.“

Wie sich der Benzinpreis zusammensetzt

Steuern und Einkaufspreis

Der Benzinpreis an der Tankstelle setzt sich überwiegend aus Steuern und dem Einkaufspreis am europäischen Großmarkt für Ölprodukte in Rotterdam zusammen.

Mineralölsteuer und Mehrwertsteuer

Je Liter Benzin werden festgeschriebene 65,5 Cent Mineralölsteuer fällig, außerdem werden 19 Prozent Mehrwertsteuer erhoben.

Deckungsbeitrag

Zieht man noch den Einkaufspreis ab, der im Januar - dies sind die neuesten Daten - durchschnittlich bei 56,1 Cent lag, bleibt in der Rechnung des Branchenverbandes der sogenannte Deckungsbeitrag (Januar: 10,8 Cent). Daraus müssen auch die Kosten für die Tankstelle, Transport, Lagerung, Werbung, Verwaltung und die Beimischung von Biokomponenten gedeckt werden.

Gewinnerwartung der Konzerne

Als Gewinn streben die Ölgesellschaften einen Cent je Liter an.

Erhöhung der Bruttomarge

In der aktuellen Studie des Energieexperten Steffen Bukold wird geschrieben, dass sich die Bruttomarge der Mineralölwirtschaft (Tankstellenpreis minus Rohölpreis) von 11,5 Cent Ende November 2011 auf 16,3 Cent je Liter Superbenzin Anfang März erhöht habe. Darin ist nicht nur der Gewinn der Tankstellen enthalten, sondern ebenso die Marge der Raffinerien. Bei der abweichenden Darstellung der Mineralölwirtschaft ist der Gewinn der Raffinerien in der Position der Einkaufskosten enthalten.

Von

afp

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