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06.08.2013

10:28 Uhr

Diskussion um Klimaanlagen-Kältemittel

EU-Kommission prüft Tests des KBA

Derzeit herrscht bei Autokäufern und Herstellern Unsicherheit über das Klimaanlagen-Kältemittel R1234yf. Daimler verbannt es, das Kraftfahrtbundesamt testet es, und die EU-Kommission traut dem KBA nicht.

Daimler-Klimaanlage: Mercedes-Benz will das von der EU-Kommission befürwortete Kältemittel R1234yf nicht einsetzen. dpa

Daimler-Klimaanlage: Mercedes-Benz will das von der EU-Kommission befürwortete Kältemittel R1234yf nicht einsetzen.

Brüssel/StuttgartDie EU-Kommission will die Crashtests des deutschen Kraftfahrtbundesamts (KBA) zur Sicherheitsüberprüfung der umstrittenen Klimaanlagen-Kältemittels R1234yf genauer unter die Lupe nehmen. Die Kommission habe entschieden, dass es nützlich wäre, dass Gutachter des Joint Research Center die laufenden Tests untersuchten, sagte der Sprecher von EU-Industriekommissar Antonio Tajani, Michael Jennings, in Brüssel. Das Expertengremium solle auch die Untersuchungen des Ingenieursverbands SAE und die Crashtests mehrerer Autohersteller begutachten, um mehr Klarheit über das ab 2017 zwingend in allen Automobilen vorgeschriebene Kältemittel zu bekommen.

Wissenswertes rund um Autokältemittel

Der komplizierte Name

R1234yf ist ein organsicher, fluorierter Stoff (Summenformel C3H2F4). Die international genormte Bezeichnung des neuen Kältemittels ist R1234yf. Das R steht für den englischen Begriff für Kältemittel (Refrigerant).

Warum neue Kältemittel für Autoklimaanlagen?

Um die Erdatmosphäre zu schonen. Bisher wurde in Fahrzeugklimaanlagen als Kältemittel das fluorierte Treibhausgas Tetrafluorethan (R134a) eingesetzt. Die Richtlinie 2006/40/EG über Emissionen aus Klimaanlagen in Kraftfahrzeugen verbietet den Einsatz dieses Stoffes in neuen Typen von Pkw und Pkw-ähnlichen Nutzfahrzeugen.

Als mögliche alternative Kältemittel  wurden Kohlendioxid (CO2) und ein fluorierter Stoff, 2,3,3,3‑Tetrafluorpropen (R1234yf), von der Automobilindustrie betrachtet. Aus Klimaschutzgründen favorisiert das Umweltbundesamt CO2 als Kältemittel für Automobilklimaanlagen.

Welche Fristen gelten?

Die EU-Kommission gibt vor: Ab 1. Januar 2011 müssen alle neuen Typen bei Pkw- und Pkw- ähnlichen Nutzfahrzeugen mit einem Kältemittel ausgestattet werden, das einen GWP von 150 oder geringer hat.

Ab dem 1. Januar 2017 müssen alle neuzugelassenen Pkw mit einem Kältemittel ausgestattet werden, das einen GWP von 150 oder geringer hat.

Was bedeutet GWP?

GWP steht für global warming potential (deutsch: Treibhauspotential). Ein GWP-Wert von 1430 (wie beim Kältemittel R134a) bedeutet, dass ein Kilogramm R134a eine 1430 mal stärkere Wirkung auf die Erhöhung des Treibhauseffektes hat als ein Kilogramm Kohlendioxid (CO2). Für die Treibhauswirkung von CO2 wurde ein GWP von 1 festgelegt.

1234yf - Eigenschaften

R1234yf ist als Kältemittel ein relativ neuer Stoff. R1234yf ist brennbar bzw. leicht entzündlich und bildet an heißen Oberflächen und beim Verbrennen Fluorwasserstoff. Im Fall eines Fahrzeugbrandes, der in Deutschland etwa 20.000 bis 30.000 mal pro Jahr vorkommt, entsteht aus dem Kältemittel auch Flusssäure, die bei Menschen schwere Verätzungen hervorrufen kann. Die Bildung von anderen sehr giftigen Gasen wie Carbonyldifluorid (COF2) wird vermutet.

R1234yf hat ein für die Erfüllung der EU-Richtlinie ausreichend niedriges Treibhauspotential, das früher mit 4 und mittlerweile mit 1 angegeben wird. Nachteilig ist aber, neben der Brennbarkeit, die technische Möglichkeit, in Fahrzeugklimaanlagen mit 1234yf das klimaschädliche R134a nachzufüllen, warnt das Umweltbundesamt. Außerdem zerfällt R1234yf in der Atmosphäre in die algengiftige und kaum abbaubare Trifluoressigsäure (kurz TFA), die sich in Gewässern anreichert. .

Kohlendioxid

Kohlendioxid ist deutlich weniger klimaschädlich als der zuvor benutzte Stoff R134a, es unterbietet ihn sogar um mehr als das Tausendfache. Außerdem ist Kohlendioxid  weder brennbar noch giftig, wenn auch nicht komplett ungefährlich. Und im Gegensatz zu R1234yf, das einzig von den Chemiekonzernen Honeywell und Dupont vertrieben werden darf, ist es preiswert und als industrielles Nebenprodukt leicht verfügbar.

Bei stationären Klimaanlagen wird CO2 bereits seit längerer Zeit eingesetzt. Im Auto jedoch sind entsprechende Klimaanlagen noch nicht serienreif. Hersteller und Zulieferer arbeiten seit Jahren daran, hatten die Entwicklung nach der Branchenentscheidung für R1234yf jedoch nicht mehr forciert.

Größtes Problem der CO2-Technik ist, dass sie mit höheren Drücken arbeitet als die bisher gängigen Systeme und deshalb neue, daran angepasste Klimaanlagen benötigt. Die Entwicklung und Serieneinführung der Anlage ist für den Hersteller mit höheren Investitionskosten verbunden.

Linkliste

Derzeit herrsche bei Autokäufern und Herstellern Unsicherheit über unterschiedliche Testergebnisse mit dem Kältemittel, das Daimler - entgegen EU-Vorschriften - wegen Sicherheitsbedenken aus einigen Neuwagen verbannt hat und damit ein Vertragsverletzungsverfahren Deutschlands durch die EU-Kommission provoziert. Die EU-Experten könnten technische und wissenschaftliche Hilfe leisten, sofern über die Ergebnisse der laufenden Untersuchungen und die Crash-Versuche Uneinigkeit herrsche. "Die Tests des KBA werden dadurch aber nicht ersetzt", sagte der Sprecher.
Das Kraftfahrtbundesamt hatte Anfang Juni damit begonnen, die von Daimler aufgeworfene Brandgefahr des Kältemittels R1234yf selbst zu untersuchen. Die für Fahrzeugzulassungen und deren Sicherheit zuständige Flensburger Behörde hat dazu Pkw der Marken Mercedes-Benz, Opel, Hyundai und Subaru Crashtests unterzogen und Leckagen der Klimaanlage simuliert. Die Ergebnisse dieser Tests und Untersuchungen sind bisher nicht veröffentlicht worden. Daimler behauptet, es könne sich im heißen Motorraum entzünden. Opel hat hingegen erklärt, das Mittel sei bei Unfällen ungefährlich für Insassen und Rettungskräfte.

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Der Streit um das neue EU-Kältemittel geht in die nächst Runde. Der deutsche Autokonzern Daimler will sich nun juristisch gegen den Zulassungsstopp einiger Mercedes-Modelle in Frankreich wehren.

Das von den US-Chemiekonzernen Dupont und Honeywell entwickelte Kältemittel R1234yf erfüllt derzeit als einzige Chemikalie die seit Jahresbeginn verschärften Klimaschutzvorschriften für Autoklimaanlagen der EU, die für einige Neuwagen gelten. Das bisher übliche Gas R134a gilt als Klimakiller und soll spätestens 2017 aus allen Autos verbannt werden. Bis dahin gelten Übergangsvorschriften. Das neue Kältemittel ist zwar klimaschonender, steht aber im Verdacht, sich bei Unfällen zu entzünden und dabei ätzende Säure freizusetzen.

Der Weltverband der Automobilingenieure (SAE) schätzt die Brandgefahr des neuen Kältemittels R1234yf dagegen als gering ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass Autoinsassen durch eine Entzündung des Kältemittels gefährdet würden, sei nahezu sechs mal geringer als ein Fahrzeugbrand überhaupt, kalkuliert der Verband anhand eigener Berechnungen. In dem Ingenieurverband sind die meisten Autobauer - von GM über Renault bis Toyota - organisiert. Die deutschen Hersteller Daimler, BMW und Audi lassen ihre Mitgliedschaft in dem Arbeitskreis wegen des Streits um das Kältemittel seit Monaten ruhen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Ulrich_Engelke

07.08.2013, 12:33 Uhr

Wenn eine Gefährdung von Insassen sechmal weniger vorkommen soll als Brände, dann reden wir über 5.000 Fälle, bei denen Insassen gefährdet werden. Das ist ungeheuer viel! Wie viele Tote oder Schwerverletzte mit für immer ruinierter Gesundheit wollen wir pro Jahr zulassen? Einhundert oder mehr? R1234yf gehört verboten!
Gruß Dipl.-Ing, Ulrich Engelke (Mitarbeiter Ralph Lenkert MdB)

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