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17.01.2007

10:44 Uhr

Diskussion um so genannte Gigaliner

Schwergewicht mit Tücken

VonKlaus Stratmann

Nur selten rückt die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Anfang Februar allerdings wird der BASt garantiert eine breitere Aufmerksamkeit zuteil. Dann nämlich wird das Bundesverkehrsministerium die Studie vorstellen, in der die BASt ihr Urteil über den regulären Einsatz von Mega-Trucks mit bis zu 60 Tonnen Gesamtgewicht auf deutschen Straßen fällt.

In einem Pilotprojekt darf der "Gigaliner" bis zum Sommer dieses Jahres in Niedersachsen getesttet werden. Mit einem Gewicht von bis zu 60 Tonnen setzt der LKW neue Maßstäbe auf deutschen Straßen. dpa

In einem Pilotprojekt darf der "Gigaliner" bis zum Sommer dieses Jahres in Niedersachsen getesttet werden. Mit einem Gewicht von bis zu 60 Tonnen setzt der LKW neue Maßstäbe auf deutschen Straßen.

BERLIN. Die Speditions- und Logistikbranche wartet gespannt auf die Veröffentlichung der Studie. Viele Unternehmer würden die größeren LKW lieber heute als morgen einsetzen. Allerdings dürfen sie sich keine großen Hoffnungen machen.

Denn die BASt wird sich nach aller Voraussicht sehr zurückhaltend zu den Jumbo-LKW äußern – ganz im Sinne ihres Dienstherrn Wolfgang Tiefensee (SPD): Der Bundesverkehrsminister kann sich mit den 60-Tonnern nicht anfreunden.

Ein Vorgeschmack auf die Bewertung der BASt ergibt sich aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion, die sich nach den zu erwartenden Ergebnissen der BASt-Studie erkundigt hat. Große Vorbehalte der BASt gegen den Einsatz der bis zu 25,25 Meter langen LKW werden deutlich: Brücken würden erheblich höher belastet und müssten erneuert oder mit hohem finanziellem Aufwand umgebaut werden.

Risiken berge auch die wesentlich höhere kinetische Energie, die bei Auffahrunfällen frei werde. Unfälle könnten „deutlich gravierendere Folgen auslösen“ als mit heute zugelassenen LKW. Außerdem seien die heute verwendeten Leitplanken nicht in der Lage, die größeren LKW abzufangen. Die flächendeckende Ausstattung des Fernstreckennetzes mit stabileren Rückhalte-Einrichtungen stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen. Innenstädte sowie zahlreiche Kreisverkehre an Bundesstraßen könnten mit den Lastern nicht befahren werden. Erhebliche Probleme seien auch auf Rastplätzen zu erwarten.

Die Befürworter der großen Trucks sehen das anders: Erfahrungen aus Schweden und Finnland, wo die 60-Tonner bereits seit 40 Jahren im Einsatz sind, belegten, dass es „keinerlei nachteilige Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit“ gebe, heißt es etwa beim Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA). Auch die Befürchtung, die großen LKW würden zu einer stärkeren Abnutzung der Straßen führen, will der BGA nicht gelten lassen. Bei den größeren Fahrzeugen verteile sich die Last auf eine größere Zahl von Achsen, so dass der Straßenverschleiß sogar reduziert werde.

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