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14.11.2013

14:52 Uhr

Doppelkupplungsgetriebe

DQ200 - Das große Problem des VW-Konzerns

VonSebastian Schaal, Frank G. Heide

Schlechte Nachrichten für Europas Autoriesen Nummer eins: VW ruft 2,6 Millionen Fahrzeuge von fünf Konzernmarken in die Werkstätten. Eine Ursache ist das als problematisch bekannte Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe.

Das ist aktuell das größte Problem des VW-Konzerns: Das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) mit der internen Bezeichnung DQ200.

Das ist aktuell das größte Problem des VW-Konzerns: Das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) mit der internen Bezeichnung DQ200.

Wolfsburg/DüsseldorfMit einem der größten Rückrufe in seiner Konzerngeschichte sieht sich Europas größter Autobauer konfrontiert: Volkswagen meldet heute weltweit Qualitätsprobleme bei gut 2,6 Millionen Fahrzeugen. Es geht zum einen um 800.000 Tiguan-Modelle, die wegen Reparaturen am Licht zurück in die Werkstätten müssten, teilt VW am Donnerstag mit.

Darüber hinaus meldet VW, freiwillig einen Ölwechsel für weltweit alle Fahrzeuge mit 7-Gang Doppelkupplungsgetrieben (DSG) anzubieten, die mit synthetischem Öl befüllt sind. Ein Sprecher sagt, es gehe um 1,6 Millionen Autos über fünf Konzernmarken hinweg. Zudem berichtet die VW-Nutzfahrzeugtochter, 239.000 Amaroks wegen Undichtigkeiten an Kraftstoffleitungen zurückzurufen.

Die Börse zeigte sich heute zunächst unbeeindruckt von den aktuellen Problemen bei VW. Mittags notierten Volkswagen-Vorzugsaktien im Xetra-Handel rund 0,9 Prozent im Plus bei 192,45 Euro, und damit leicht besser als der Dax (+0,7%).

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Die Problematik geistert in Schlagzeilen und Berichten seit dem Frühjahr 2013 immer wieder durch die verschiedensten Medien: Das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, auch Direktschaltgetriebe (DSG) genannt, bereitet vor allem im feucht-heißen, also für viele asiatische Absatzmärkte typischen Klima arge Probleme. China ist einer der wichtigsten Märkte für VW. In diesem Jahr haben die Wolfsburger dort 2,02 Millionen Autos abgesetzt, ein Plus von 17,9 Prozent gegenüber 2012.

Experten sehen die tieferen Ursachen für die zunehmenden Rückrufe beim Kostendruck auf Zulieferer, die bei der Qualitätssicherung sparen und bei der Gleichteile- sowie Plattform-Strategie der international operierenden Massenhersteller.

DSG-Rückruf bei VW: Das Problem ist der Schwefel

DSG-Rückruf bei VW

Das Problem ist der Schwefel

Vor der Markteinführung werden neue Autos auf „Herz und Nieren“ geprüft, nicht immer werden alle Problemstellen identifiziert und ausgebessert. Im Fall von VW waren das die Klimabedingungen in asiatischen Metropolen.

Die Technik, die für besonders schnelle und nahezu ruckelfreie Automatik-Schaltwechsel sorgt, vertrage sich offenbar nicht mit der Mischung aus dem feucht-heißen Klima und dem Verkehrschaos in den Metropolen Asiens, hieß es schon damals bei VW, und so lautet der Tenor einer entsprechenden Konzernverlautbarung auch am 14. November: Ohne Kühlung durch Fahrtwind kommt es gerade bei Stop-and-go-Verkehr regelmäßig zu Problemen.

Befindet sich synthetisches Öl im Getriebe mit der internen Bezeichnung DQ200, so kann es zu elektrischen Fehlfunktionen in dessen Stromversorgung kommen. Grund hierfür sind die schwefelhaltigen Additive des künstlichen Öls, die unter der Belastung für Kurzschlüsse im Steuergerät sorgen können. Als Folge schaltet das Getriebe aus Sicherheitsgründen in den Leerlauf.

In Versuchen habe sich gezeigt, dass die Probleme mit einem mineralischen Getriebeöl nicht auftreten. „Um die Zufriedenheit der DSG-Kunden weiter zu gewährleisten, hat sich Volkswagen dazu entschlossen, weltweit freiwillig alle Kunden mit 7-Gang Doppelkupplungsgetrieben (DQ200) mit Synthetiköl-Befüllung zum Öltausch in die Werkstätten zu bitten“, schreibt VW in der Mitteilung. Der Fahrzeughalter würden entsprechend informiert.

„Die Belastung aus feuchtheißer Luft und extremen Stadtverkehr lässt sich für einen langen Zeitraum nur schwer simulieren“, sagt der für Technologiethemen zuständige VW-Sprecher Michael Franke. „Wir haben einen Fehler gemacht und dazu gelernt – leider ist das nicht angenehm für den Kunden.“

Für Experten nicht überraschend

Bereits im Frühsommer musste VW rund 480.000 Fahrzeuge in China und Japan in die Werkstätten beordern, in Australien waren es im Juni weitere 26.000. Und in China sah sich das Unternehmen gar einem regelrechten Shitstorm ausgesetzt. Es kam in chinesischen Medien zu teils unsachlicher Kritik, der zufolge VW angeblich in China besonders billige bzw. möglicherweise gesundheitsschädliche Teile einsetzt, die unter anderem für muffige Gerüche in Autos sorgen.

Im März hatte sich Europas größter Autohersteller, der in China mittlerweile mehr Autos verkauft, als in Europa, daher bereits zu einem Rückruf aufgerafft, um auf Kulanz die Getriebemechatronik auszuwechseln.

Für Experten kommt der erneute Rückruf nicht überraschend. „Die Probleme sind seit 2012 bekannt, als noch der heutige Opel-Chef Karl-Thomas Neumann das China-Geschäft von VW leitete“, sagt Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Intitut der Universität Duisburg-Essen Handelsblatt Online. „VW ist schlecht beraten, hier weiter eine Vertuschungs-Strategie zu betreiben. Ein solches Vorgehen hat bereits Toyota in arge Bedrängnis gebracht. Ich dachte, VW hätte daraus gelernt.“

Kommentare (25)

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Mauserspeck

14.11.2013, 11:39 Uhr

So wird man doch noch zum Weltmarktführer.
Weiter so. Die Zukunft wird blendend.

Otto

14.11.2013, 11:43 Uhr

Qualität Made in Germany!
Hier zeigen sich nicht nur die Schwächen des Plattformkonzeptes, sondern auch das unsinnige Diktat des Konzerns, das Zulieferer zu stetigen Kostensenkungen verpflichtet. Irgendwann sind leider mal technologische Grenzen erreicht. Dann bleibt als Stellschraube im Wesentlichen die Qualität der Bauteile, die dann "optimal" auf den Lebenszyklus des Produktes abgestimmt werden..
Man ist geneigt zu fragen, warum die Automobilkonzerne in Deutschland trotz propagierter Verbesserungs- und Innovationsorientierung turnusmäßig Qualitätsprobleme vermelden müssen. Innerbetriebliche Anreizsysteme scheinen hier durch ihre Kostenorientierung der langfristigen Steigerung des Markenwertes zuwider zu laufen.
Nur gut für VW und Co, dass die Konkurrenz nach den gleichen Spielregeln zockt.
Also, alles richtig gemacht und weiter so!

yoski

14.11.2013, 11:51 Uhr

Ich staune immer wieviel Leute diesen Edelschrott kaufen. In Sachen Zuverlaessigkeit liegt VW hier in den USA ganz weit hinten.
Hier lassen sich Besitzer ueber ihre Fahrzeuge aus:
http://www.truedelta.com/car-reliability
Bei VW schaut das gar nicht gut aus.

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