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28.09.2015

13:04 Uhr

Drifttraining bei BMW

Gummimordende Gasfußgaudi

VonBenjamin Bessinger
Quelle:Spotpress

Kontrolliertes Übersteuern – was nach dröger Fahrphysik klingt, kann auch zur Riesengaudi werden. Denn der Terminus Technicus beschreibt nichts anderes als den perfekten Drift. Und den kann man bei BMW trainieren.

Panorama: Drifttraining bei BMW - Am liebsten quer BMW

Drifttraining bei BMW

Am liebsten quer.

Es liegt was in der Luft über München in diesen Tagen. Nein, gemeint ist nicht der Duft von gebratenen Ochsen und gegrillten Hendln. Und auch nicht der von Bier oder dem Stoffwechsel-Endprodukt, das daraus im Laufe eines Abends literweise entsteht. Jetzt riecht es vielmehr erst mal nach Benzin, nach heißem Motoröl und vor allem nach verbranntem Gummi.

Denn während sich in den Zelten auf der Wies’n die Touristen einschunkeln, bittet die BMW M GmbH vor den Toren der Stadt zu einem Fahrertraining der besonderen Art: „Kontrolliertes Übersteuern“ nennen die Scharfmacher aus Garching den Kurs, der nichts anders ist als eine gummimordende Gaudi für feinfühlige Gasfüße in hochmotorisierten Sportwagen.

Schließlich geht es dabei einzig und allein um die Überwindung der Haftgrenze und den perfekten Drift. „Am liebsten quer“, umschreiben die Instruktoren die bevorzugte Gangart bei dieser Trainingseinheit und M-Chef Franziskus van Meel rühmt die Fahrt auf der letzten Rille als Verdichtung all dessen, was einen M-BMW ausmacht: „Da spürt man die DNA unserer Marke am besten“, singt der passionierte Schnellfahrer das Hohelied von Heckantrieb und Leistungsüberschuss und bittet zum Einstieg gleich mal auf die Nasshandling-Fläche.

Beißender grauer Qualm steigt aus den Radkästen und die Pirellis des M4 reiben sich mit Freude daran auf. BMW

Aufreibendes Vergnügen

Beißender grauer Qualm steigt aus den Radkästen und die Pirellis des M4 reiben sich mit Freude daran auf.

Dort quietscht es zwar nicht und es gibt auch keinen Gummirauch. Doch dafür lässt sich der 432 PS starke M4 dort am leichtesten querstellen: Aber immer schön langsam, mahnen die Trainer. Man muss weder in den versprochenen 4,1 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigen, noch die 280 Sachen ausfahren, die der Sechszylinder mit seinen Turbos so lässig abspult. Und auch die 550 Newtonmeter Drehmoment sind für diese Übung viel zu viel.

Viel mehr als Tempo 30 braucht man nicht. Dann reicht ein kurzer Gasstoß, damit das Heck nach außen drängt. Dann schnell gegenlenken, das Lenkrad eingeschlagen lassen und so fein mit dem rechten Fuß spielen, dass der Kraftmeier Karussell fährt.

Wenn Instruktoren wie BMW-Werksfahrer Martin Tomczyk das erzählen, dann klingt das wie ein Kinderspiel. Und wenn jeder dahergelaufene US-Schauspieler seine Reifen auf Youtube in Rauch aufgehen lässt, dann kann das doch nicht so schwer sein. Denkt man sich – und scheitert Runde für Runde aufs Neue. Immer und immer wieder stellt man den Wagen an, nur um ihn dann doch wieder ein Stück zu weit zu drehen. Soweit, dass man sich nicht mehr in einem BMW wähnt, sondern in einem Brummkreisel und plötzlich im Uhrzeigersinn fährt, wo man eben doch noch in der Gegenrichtung unterwegs war.

Nie hatte ich mehr Respekt vor all den Rallyefahrern und vor Showstars wie Gymkhana-Profi Ken Block als bei diesem verkorksten Vergnügen. Doch irgendwann klappt es. Erst eine viertel Kreisbahn, dann eine halbe und dann plötzlich hat man den Bogen raus, lenkt den Wagen tatsächlich mit dem rechten Fuß und schaut dabei nicht mehr aus der Front- sondern aus der Seitenscheibe.

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