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26.04.2016

10:14 Uhr

E-Auto-Gipfel

Merkel empfängt Auto-Bosse – warum das denn?

Die Autoindustrie hat schon bessere Zeiten gesehen. Die Abgasskandale schädigen das Image, und beim Prestigethema Elektromobilität kommt man kaum vom Fleck. Nun soll wohl wieder der Staat helfen.

Das mit zusätzlichem Elektromotor ausgestattete Fahrzeug kann an einer Haushaltssteckdose aufgeladen werden. Private Käufer finden solche Autos aber bislang nur vereinzelt. dpa

Porsche Panamera e-Hybrid

Das mit zusätzlichem Elektromotor ausgestattete Fahrzeug kann an einer Haushaltssteckdose aufgeladen werden. Private Käufer finden solche Autos aber bislang nur vereinzelt.

BerlinVon der Kanzlerin weiß man, dass sie früher einmal Golf fuhr. Mit Verbrennungsmotor. Doch die Zeiten ändern sich. Angela Merkel hat ihren Golf längst verkauft, und die deutsche Autobranche muss aufpassen, dass sie bei den Antrieben der Zukunft wie der Elektromobilität nicht hinterherfährt.

Private Autokäufer sind nach wie vor bislang kaum mit E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs: 25.502 reine E-Fahrzeuge und 130.365 Autos mit Hybrid-Motoren, die sowohl mit Strom als auch mit Benzin betankt werden, zählte das Kraftfahrtbundesamt 2015 auf deutschen Straßen. Und die weit überwiegende Zahl von ihnen ist auf Hersteller und Händler und Firmenfuhrparks zugelassen.

Zum Vergleich: Insgesamt rollten 2015 etwa 45,1 Millionen Pkw auf deutschen Straßen. Der Elektroanteil lag also bei nicht einmal einem halben Prozent. Die Bundesregierung ist aber nach wie vor nicht von ihrem utopisch erscheinenden Ziel abgerückt, dass 2020 eine Million Elektrofahrzeuge (sowohl reine Stromer als auch Hybride) auf deutschen Straßen unterwegs sein sollen.

Kaufen Sie ein E-Auto, wenn die Förderprämie kommt?

Und weil es auch um 800.000 Jobs in der Industrie geht, hat Bundeskanzlerin Merkel für Dienstagabend Vorstandschefs und das halbe Kabinett zum „Autogipfel“ geladen. Allerdings wird über Zuschüsse zum Kauf der „Stromer“ schon seit Jahren debattiert. Während Befürworter wie Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) dies als hilfreich einschätzen, warnen Skeptiker vor einem künstlichen Konjunkturprogramm für die gut verdienende deutsche Autobranche. „Die (Elektroautos) müssen sich ohne Subventionen durchsetzen, im Wettbewerb“, sagt etwa Autoexperte Stefan Bratzel.

Wird es Kaufprämien für E-Autos geben?
Es sieht ganz danach aus. Im Gespräch waren zuletzt 4000 bis 5000 Euro für reine E-Autos und 3000 Euro für Hybride mit ergänzendem Verbrennungsmotor. Allerdings pocht Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) darauf, dass sich Steuerzahler und Autoindustrie die möglichen Förderkosten von rund 1,2 Milliarden Euro 50:50 teilen. Dazu sollen die Konzerne zuletzt noch nicht bereit gewesen sein.

Alternative Antriebe: Noch keine 5.000 „echten“ Käufer

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Seit Jahren sind sie im Gespräch, doch noch führen E-Autos ein Nischendasein. Auch die Zahl neu zugelassener Hybride bleibt niedrig. Hersteller wie VW und Audi motzen die magere Statistik mit Eigenzulassungen auf.

Wann könnten Prämien ausgezahlt werden?
Noch in diesem Jahr, sobald es einen Kabinettsbeschluss und grünes Licht vom Haushaltsausschuss des Bundestages gibt. Dann hieße es: Interessenten müssten sich sputen. Die Prämien könnten 2018 auf 3000 Euro für reine „Stromer“ und 2000 Euro für Hybride gesenkt werden.

Zudem könnte das sogenannte Windhundverfahren gelten. Prämien gibt es also nur so lange, wie das Geld im Fördertopf reicht. Das war bei der Abwrackprämie nach der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 zuerst auch so.

Generell sollen Prämien nur für Modelle mit einem Listenpreis von maximal 60.000 Euro fürs Basismodell möglich sein - und bisherigen Plänen zufolge direkt über die Autohändler ausgezahlt werden.

Warum will der Staat den Autokonzernen überhaupt helfen?
Die Autoindustrie ist eine deutsche Schlüsselbranche mit 800.000 Arbeitsplätzen und 370 Milliarden Euro Jahresumsatz. Geraten die Autobauer unter Druck, weil sie den Anschluss an Zukunftstechnologien wie E-Mobilität oder autonomes Fahren (wo Bordcomputer das Steuer übernehmen) verpassen, kann das der Kanzlerin nicht egal sein. 

Dazu kommt, dass die Regierung von ihrem eigenen Ziel, bis 2020 eine Million E-Autos auf die Straßen zu bringen, weit entfernt ist. Im Vorjahr waren es nur 25.500, dazu kamen 130.000 Hybride - bei 45 Millionen Pkw insgesamt.

Kommentare (37)

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Herr Franz Paul

26.04.2016, 10:34 Uhr

"Die Autoindustrie hat schon bessere Zeiten gesehen. Die Abgasskandale schädigen das Image, und beim Prestigethema Elektromobilität kommt man kaum vom Fleck. Nun soll wohl wieder der Staat helfen. "
Ist das lächerlich. Der (deutschen) Autoindustrie geht es hervorragend. Sie hat grade erst wieder Rekordzahlen geliefert. Das Elektrofahrzeug ist kein "Prestigethema", sondern eine politische Zwangsmaßnahme, ausgelöst von Amerika, welches immer noch keine effizienten Verbrennungsmotoren bauen kann, und erzwungen von unserer fremdhörigen "Politik". Und auch der "VW-Abgasskandal" hat die selben Ursachen. Und ausgerechnet unsere unfähige bis böswillige Politik, die soll "helfen"???? Wem? Den Amis? Klar, das schaffen die. Und Deutschland wird zum dritte Welt Land.
Womit? Mit neuen Zwangsmaßnahmen?

Herr Markus Gerle

26.04.2016, 10:39 Uhr

Wieder einmal ein Beispiel, dass unser Staat nicht verantwortungsvoll mit dem Geld der Steuerzahler umgeht. Durch Subventionen wird der technische Fortschritt in eine von unbedarften Politikern fuer richtig befundene Richtung gelenkt. Wer sagt eigentlich, dass Elektromobilitaet mit Batterien als Energiespeicher und externer Energiegwinnung bei Stromerzeugern der richtig Weg ist? Ich persoenlich bin weiterhin der Meinung, dass der Einsatz von Brennstoffzellen (z. B. auf Basis von Methanol) der erfolgversprechendere Weg fuer die Zukunft waere. Anstatt die technische Entwicklung ueber Subventionen zu steuern, waere es besser, dies dem Markt zu ueberlassen. Eine Kaufpraemie fuer Elektroautos ist voellig hirnrissig. Den Anteil, den die Automobilkonzerne uebernehmen sollen, schlaegt man einfach auf den Listenpreis auf. Und mit welcher Begruendung haengt die Subventionierung vom Endpreis des Fahrzeugs ab. Ein zukunftsfaehiges Elektromobil haette eine besonders hohe Reichweite, waere dann aber vermutlich zu teuer, um gefoerdert zu werden. Voellig irre.
Naechster Punkt: Immerhin 300 Mio.sollen in den Aufbau der bisher fehlenden Infrastruktur fliessen. Gut, dies ist die einzig sinnvolle Massnahme, wenn man Elektromobilitaet foerdern moechte. Ich waere z. B. durchaus an einen Tesla S interessiert, da ich meinen Dienstwagen bald abstossen muss. Zu meinem aktuellen Projektort in Belgien kaeme ich mit dem Fahrzeug durchaus hin. Aber nicht mehr zurueck, da es noch nicht einmal in der sehr neuen Tiefgarage meines Hotels eine Lademoeglichkeit gibt. Dies ist der Grund, warum mein naechstes Dienstfahrzeug wieder ein Diesel wird. Ein Kaufanreiz von laecherlichen 5 TEUR spielt bei der Kaufentscheidung keine Rolle. Ach ja, der Tesla S waere ja auch zu teuer, um gefoerdert zu werden. Noch einmal: Voellig irre.

Herr Marc Otto

26.04.2016, 10:43 Uhr

Eine Kaufpraemie fuer Elektroautos ist voellig hirnrissig.
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In China, wo das Volk wirklich eine Zukunft hat und wo noch kollektive Gerechtigkeit vorherrscht, werden in belasteten Gegenden die Autos mit Verbrennungsmotore verlost. Wer Pech hat, der muss dann die verhassten E-Autos benutzen.

Ich glaube, das sagt mehr, als 1000 Umwelt-Lügner es behaupten können.

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