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01.08.2016

09:23 Uhr

E-Bikes

Pedelec-Tuner riskieren den Führerschein

25 km/h, das ist nicht viel im öffentlichen Straßenverkehr. Manche E-Biker möchten mehr. Doch wer sein versicherungs- und zulassungsfreies Pedelec aufmotzt, handelt illegal.

Laut Zweirad-Industrie-Verband konnten im Jahr 2015 etwa 535.000 Pedelecs und E-Bikes abgesetzt werden. Damit summt mittlerweile schon in jedem achten verkauften Fahrrad ein Elektromotor. Den Großteil des Marktes nehmen dabei die versicherungs- und zulassungsfreien Pedelecs ein. Mit einem 250 Watt starken Motor unterstützen sie den Fahrer bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h. Danach setzt der Motor aus.

Nun bieten aber immer mehr Fahrrad- und Teile-Händler auch für Pedelecs Tuning-Kits an. Mit deren Hilfe wird mit wenigen Handgriffen das Geschwindigkeits-Limit geknackt. Doch der Eingriff ist illegal, wer mit einem getunten Pedelec fährt, riskiert seinen Führerschein, warnt der Auto Club Europa (ACE).

Wer schneller fahren möchte, muss entweder kräftig strampeln oder auf ein S-Pedelec (auch "Pedelec 45" genannt) mit einer Motorleistung von bis zu 500 Watt zurückgreifen. Für die werden allerdings eine Versicherung sowie ein Kennzeichen fällig. Der Fahrer braucht außerdem den Führerschein der Klasse M (auch in B enthalten).

Worauf man beim E-Bike-Kauf achten sollte

Kauf beim Fachhändler

E-Bikes sollte man nur beim guten Fachhändler mit eigener Werkstatt kaufen. Nicht nur wegen der Beratung, sondern auch, weil der Fachhändler das Rad repariert. Pedelecs sind Hightech-Produkte, die man nur noch schwer selbst reparieren kann.

Defekte Akkus

Defekte Akkus darf man nicht per Post zurückschicken. Umso mehr ist man auf einen Fachhändler angewiesen.

Kettenschaltung

Ein Tipp der für Bikes und E-Bikes gleichermaßen gilt: Eine Kettenschaltung benötigt mehr Wartungsaufwand als Nabenschaltungen.

Ein Blick auf den Akku

Beim Kauf sollten Sie einen Blick auf Antriebseinheit und Akku werfen. Wenn Sie längere Wochenendtouren planen, sollte der Akku eine entsprechende Reichweite haben.

Motorposition bedenken

Auch die Position von Motor und Akku ist zu bedenken. Nichts falsch machen kann man beim Mittelmotor, da er die Gewichtsverteilung beim Fahrrad nicht verändert.

Einkaufen mit dem Rad

Wer sein Rad zum Einkaufen nutzt, achtet darauf, dass der Akku nicht auf dem Gepäckträger sitzt. Wird nämlich darauf noch der Einkaufskorb gesetzt, dann liegt der Schwerpunkt relativ hoch, was wiederum der Fahrstabilität nicht zugute kommt.

Problemlose Teilladung

Die weit verbreiteten Lithiumionen-Akkus vertragen auch problemlos Teilladungen. Sie können den Akku beispielsweise also auch dann aufladen, wenn er noch zu 30 Prozent geladen ist.

Längere Nichtnutzung

Ein Tipp des ADFC: Wenn Sie das E-Bike über längere Zeit nicht nutzen, dann sollten Sie den Akku kühl lagern (zwischen zehn und 15 Grad Celsius) und den Ladestatus etwa bei 60 Prozent halten.

Fahren im Winter

Wie alle Batterieprodukte mögen auch die Lithiumionen-Akkus weder extreme Kälte noch starke Hitze. Wenn Sie das Bike auch im Winter bei Temperaturen unter null nutzen, sollten Sie den Akku nach beendeter Fahrt mit ins Haus nehmen.

Fahren im Sommer

Auch die Radtour an einem heißen Sommertag kann für den Akku zur Belastung werden. Parken Sie das Fahrrad deshalb nicht in der prallen Sonne, stellen Sie es in den Schatten.

Schwere Pedelecs

Pedelecs oder E-Bikes wiegen wesentlich mehr als Fahrräder. Die meisten bringen zwischen 22 und 25 Kilo auf die Waage. Wer sein Bike also täglich in den Fahrradkeller oder in die Wohnung schleppen muss, sollte das Gewicht bedenken.

Sicherheit geht vor

Pedelecs sind meist schneller als Fahrräder. Deshalb bitte einen Helm tragen - und Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer sollte selbstverständlich sein.

Doch auch die 250-Watt-Motoren könnten grundsätzlich schneller fahren – sie werden jedoch bei 25 km/h gedrosselt. Das zieht zunehmend Anbieter an, die mit einfachen Tuning-Kits diese Drosselung umgehen. Dafür wird beispielsweise der angezeigte Tachowert halbiert, schon hilft das Fahrrad theoretisch bis Tempo 50 nach.

Damit wird aus einem Pedelec, das verkehrsrechtlich als Fahrrad gilt, ein S-Pedelec, laut Straßenverkehrsordnung (StVO) also ein Mofa und das braucht eine Betriebserlaubnis. Außerdem sind dann Versicherungskennzeichen sowie ein Helm Pflicht und der Fahrer muss einen Führerschein vorweisen können.

Wer dies nicht kann, muss mit einer Anzeige wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis rechnen. Wer noch gar keinen Führerschein hat, dem droht außerdem eine Sperrfrist von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. Im Einzelfall kann sie sogar für immer angeordnet werden.

In vielen Haftpflichtversicherungen sind Pedelecs bis 250 Watt mit abgedeckt. Wer sein Pedelec jedoch unrechtmäßig tunt und damit einen Unfall baut, kann auf den Kosten sitzen.

Kleine E-Bike-Typologie

Pedelecs

Pedelecs leiten ihren Namen aus den englischen Begriffen "Pedal, Electric Cycle" ab. Ein elektrischer Hilfsmotor unterstützt den Radler nur solange dieser in die Pedale tritt. Das Fahrrad darf nicht mehr als 250 Watt Leistung bereitstellen und nicht schneller als 25 km/h sein.

In vielen Bundesländern ist für Pedelecs mindestens die Mofa-Prüfbescheinigung erforderlich. Sie steht Fahrern ab 15 Jahren offen und umfasst eine theoretische und praktische Ausbildung sowie eine Theorie-Prüfung. Personen, die vor dem 01. April 1965 geboren wurden, benötigen aber lediglich einen Personalausweis. Die Mofa-Prüfbescheinigung ist in den Motorradführerscheinen A, A1 und A2 sowie im Pkw-Führerschein der Klasse B (früher Klasse 3) enthalten.

Für Pedelecs ist nur dann keine eigene Haftpflichtversicherung notwendig, wenn sie in der Privathaftpflicht enthalten ist. Oft sind in alten Verträgen Elektroräder aber nicht enthalten. Dann ist eine schriftliche Bestätigung vom Versicherer anzufordern, dass Pedelecs im Vertrag eingeschlossen sind.

Es besteht keine Helmpflicht.

S-Pedelecs

Schnelle Pedelecs sind sogenannte "S-Pedelecs", auch Schweizer Klasse genannt. Sie unterstützen den Fahrer durch den bis zu 500 Watt starken Elektromotor bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Auch hier arbeitet der Motor nur, wenn der Fahrer in die Pedale tritt.

Für den Betrieb ist bei S-Pedelecs ein Versicherungskennzeichen erforderlich. Im Straßenverkehr benötigt der Fahrer die Fahrerlaubnis für Kleinkrafträder der Klasse M. Seit 19. Januar 2013 heißt diese Klasse AM und ist in den Motorradführerscheinen sowie im Pkw-Führerschein der Klasse B (früher Klasse 3) enthalten. Die Klasse AM steht Personen ab 16 Jahren offen und schließt sowohl eine theoretische als auch praktische Prüfung ein.

S-Pedelecs werden wie Kleinkrafträder eingestuft und dürfen nicht auf dem innerstädtischen Radwegnetz fahren. Außerhalb geschlossener Ortschaften dürfen S-Pedelecs nur Radwege benutzen, wenn diese durch das Zusatzschild "Mofas frei" für den Kraftverkehr freigegeben sind.

Es besteht Helmpflicht.

E-Bikes

Im Gegensatz zu Pedelecs und S-Pedelecs besitzen E-Bikes einen maximal 500 Watt starken Antrieb, der unabhängig vom Tritt in die Pedale funktioniert. Über einen Drehgriff oder Schalter am Lenker steuert der Fahrer die Motorleistung des bis zu 20 km/h schnellen E-Bikes. Höhere Geschwindigkeiten sind vom Tritt in die Pedale abhängig.

E-Bikes gelten wie S-Pedelecs als Kleinkraftrad und benötigen ein Versicherungskennzeichen sowie eine Betriebserlaubnis. Das Führen des E-Bikes setzt mindestens eine Mofa-Prüfbescheinigung voraus.

Es besteht Helmpflicht.

Da auch Pedelecs mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde schneller beschleunigen und deutlich höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten als herkömmliche Fahrräder erzielen, kann sich im Falle eines Unfalls die Wucht des Aufpralls deutlich erhöhen.

Der ACE empfiehlt daher dringend, bei der Fahrt mit dem Pedelec einen Fahrradhelm zu tragen und sich bei der Auswahl an der bewährten Norm EN 1078 für Fahrradhelme zu orientieren.

Von

amp

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