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26.02.2014

15:04 Uhr

E-Call

EU-Parlament stimmt für Auto-Notrufsystem

Ab 2015 soll das automatische Notrufsystem E-Call in Neuwagen verpflichtend zur Serienausstattung gehören, entschied jetzt das EU-Parlament. Doch zunächst müssen die Parlamentarier sich mit den Mitgliedsstaaten einigen.

SOS im Bordcomputer: Das System eCall soll kostenlos sein und auf der Notrufnummer 112 basieren. dpa

SOS im Bordcomputer: Das System eCall soll kostenlos sein und auf der Notrufnummer 112 basieren.

StraßburgNeue Autos sollen nach dem Willen des EU-Parlaments ab 2015 das automatische Notrufsystem E-Call bekommen. Bei einem Unfall soll E-Call den Standort des Fahrzeugs automatisch an einen Rettungsdienst übermitteln – was etwa helfen soll, wenn der Fahrer bewusstlos ist. Das Parlament stimmte am Mittwoch in Straßburg mit großer Mehrheit für eine Verordnung. Jetzt muss darüber mit den Regierungen der EU-Staaten verhandelt werden.

E-Call soll künftig verpflichtend zur Serienausstattung von Autos gehören und ab 2015 in Neuwagen installiert werden. Ob es dazu kommt, ist aber noch unklar. Die Verhandlungen zwischen Europaparlament und EU-Staaten beginnen möglicherweise erst im Herbst.

E-Call: Fragen und Antworten

Was ist E-Call?

Ein automatisches Notrufsystem für Autos. Wenn ein schwerer Unfall geschieht, wählt es automatisch die 112 und übermittelt den Standort des Fahrzeugs sowie die auf Autobahnen wichtige Fahrtrichtung. Außerdem baut es eine Gesprächsverbindung mit der Leitstelle auf. Auch manuell per Knopfdruck lässt sich der Notruf auslösen.

Warum braucht man das?

Die Technologie soll Leben retten. Denn sie könnte einen automatischen Notruf auch dann absetzen, wenn schwer verletzte Unfallopfer nicht mehr telefonieren können. Die EU-Kommission schätzt, dass das System die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes erheblich verkürzen kann. 2.500 Leben pro Jahr könnten so gerettet werden.

Was kostet es?

Wenn E-Call erst großflächig eingeführt ist, soll es laut EU-Kommission „deutlich weniger“ als 100 Euro je Neuwagen kosten. Bei Mercedes in der E-Klasse schlägt es derzeit (inklusive Mehrwertsteuer) mit rund 3.000 Euro zu Buche - dann ist es wie bei vielen Herstellern allerdings auch Teil eines umfassenden Audio- und Navigationssystems.

Wenn solch ein System an Bord ist, mache E-Call nur „ein paar Euros“ aus, erklärt ein Experte der EU-Kommission. Auch die Rettungsleitstellen müssten in einigen EU-Staaten noch für den Datenempfang ausgerüstet werden.

Wird der Autofahrer dadurch überwacht?

Darüber wird gestritten. So warnt der Deutsche Anwalt Verein vor dem „gläsernen Autofahrer“ und der Automobilclub von Deutschland (AvD) sieht in E-Call „die technische Grundlage für eine flächendeckende Überwachungsstruktur“. Die Mahner fürchten, dass Daten zu Fahrweise, Tempo und Bremsverhalten nach einem Unfall gegen den Nutzer verwendet werden könnten.

EU-Abgeordnete wollen dem vorbeugen: Sie möchten E-Call als „schlafendes System“ einführen, dass nur bei einem Unfall Daten sendet. Diese Informationen sollen etwa Angaben zur Fahrtrichtung, genutzten Sicherheitsgurten, dem Fahrzeugtyp und dem Unfallzeitpunkt enthalten.

Gibt es das nicht schon?

Ja. Etwa 0,7 Prozent aller Fahrzeuge in der EU haben laut EU-Kommission schon vergleichbare Technik an Bord. Die Opel-Mutter General Motors nimmt für sich in Anspruch, 1996 unter dem Namen Onstar das erste solche System ab Werk eingebaut zu haben. Onstar bot neben Verkehrsinformationen von Anfang an auch die Möglichkeit, einen Notruf abzusetzen. Dank eines eingebauten GPS-Senders ließ sich das Fahrzeug bereits damals orten. Während der Erfolg in Deutschland eher verhalten war, zählt Onstar in den USA, Kanada und inzwischen auch in China mehr als sechs Millionen Kunden. Ford bietet - auch in Deutschland - ein ähnliches System namens Sync an. Mercedes Benz hat im Juni 2012 ebenfalls einen automatischen Notruf eingeführt.

Was kommt noch?

Noch fehlen die verbdinlichen EU-Vorgaben. Das Europaparlament hat am 26. Februar 2014 in Straßburg lediglich seine Position für die anstehenden Verhandlungen mit den EU-Staaten beschlossen. Die Gespräche könnten im Herbst beginnen. Ob die serienmäßige Einführung von eCall bei Autos und leichten Nutzfahrzeugen auf dem europäischen Markt wie geplant im Oktober 2015 klappt, bleibt abzuwarten.

Warum muss es europäische Vorgaben geben?

Die automatischen Notrufsysteme der einzelnen Hersteller decken nicht unbedingt alle EU-Länder ab. Außerdem geht der Anruf derzeit erst an eine Leitstelle, die im Auftrag der Hersteller und dann bei Bedarf an die 112 weiter verbindet, wie die EU-Kommission erläutert. Das ist ein Umweg. Deshalb basteln die EU-Gesetzgeber an Regeln für ein einheitliches System.

Das System soll kostenlos sein und auf der Notrufnummer 112 basieren. Um den Schutz persönlicher Daten zu garantieren, „haben wir sichergestellt, dass übermittelte Daten nur zur Rettung verwendet werden“, betonte die SPD-Abgeordnete Evelyne Gebhardt. Die Liberalen fürchten den „gläsernen Autofahrer“, dessen Bewegungen über das E-Call-System verfolgt werden können. Ihr Vorschlag, E-Call manuell ausschalten zu können, wurde abgewiesen.

Die EU-Kommission schätzt, dass E-Call die Zeit bis zum Eintreffen von Rettungsdiensten deutlich verkürzen könnte - so sollen zahlreiche Menschenleben gerettet werden.

Von

dpa

Kommentare (6)

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AriadneMedea

26.02.2014, 15:40 Uhr

Das verstößt gegen das Datenschutzgesetz. Ich stlle mir gerade vor, das System macht ständig Fehlalarm. Die EU sollte lieber klarstellen, das alle LKW- Fahrer und PKW - Fahrer die in Deutschland die Autobahn nutzen hier künftig Maut bezahlen. Weniger Autos auf unseren Straßen, weniger Unfälle. Sie nerven! Benutzen wollen sie alles, bezahlen nicht!

Account gelöscht!

26.02.2014, 15:42 Uhr

Damit uns die EUdSSR noch besser überwachen kann...

Account gelöscht!

26.02.2014, 17:41 Uhr

Ein Grund mehr, sich gegen den EU-Lobbyismus zu entscheiden. Wer die komplexe Funktion des eCalls annähernd versteht, dem wird schnell klar, dass Neufahrzeuge nicht nur beim Kauf, sondern insbesondere auch beim Unterhalt deutlich teurer werden müssen. Allein schon aus Gründen der GPS-Funktion und dem notwendigen Einbau und Betrieb eines GSM-Moduls sowie Steuerelektronik mit Sensoren zur automatischen Unfallerkennung. Ein gigantisches Zukunftsgeschäft. Spätestens dann wird es wohl Zeit, sich vom privaten Neuwagenkauf zu verabschieden.

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