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01.08.2015

15:47 Uhr

Elektroautos in den USA

BMW-Fahrer erhalten Prämie für verspätetes Aufladen

Damit kann das Aufladen sogar Spaß machen: Ein US-Versorger zahlt ausgewählten Besitzern von BMW-Elektroautos eine satte Prämie, wenn sie bei Überlastung des Stromnetzes auf das Aufladen ihres Stromers verzichten.

100 Besitzer eines BMW i3 nehmen an dem Projekt teil. Sie sollen zu Stoßzeiten möglichst nicht ihr Auto aufladen. dpa

BMW i3

100 Besitzer eines BMW i3 nehmen an dem Projekt teil. Sie sollen zu Stoßzeiten möglichst nicht ihr Auto aufladen.

In einem neuen Pilotprogramm zahlt ein kalifornisches Versorgungsunternehmen den Fahrern von BMW-Elektroautos eine Prämie, wenn sie bei einer Überlastung des Stromnetzes ihre Wagen später aufladen. 100 Besitzer des BMW i3 bekommen vorab eine Prämie von 1000 Dollar (916 Euro), wenn sie an dem 18 Monate andauernden Test des Stromversorgers Pacific Gas & Electric (PG&E) teilnehmen. Das Programm, das diese Woche begann, läuft im Großraum von San Francisco.

Aus über 400 Bewerbern wurden die 100 Fahrer ausgewählt – einer von ihnen ist der 70-jährige Peter Berman aus Los Altos. „Mein Verständnis ist, dass wir eine SMS bekommen, in der so etwas steht wie 'Hey, Sie laden Ihren Wagen gerade auf. Können Sie das um eine Stunde verschieben?'“, sagt Berman. Seit Oktober vergangenen Jahres fährt er einen i3 im Wert von über 40.000 Dollar.

Zahlen und Fakten zum E-Antrieb

Gewicht

Eine E-Maschine, also der Motor-Generator inklusive der Elektronik drum herum, wiegt nur etwa 50 bis 70 Kilogramm. Ein Verbrenner ist deutlich schwerer: Ein 4-Zylinder-Benziner wiegt ungefähr um die 220 Kilo, eine kleinere Dieselmaschine sogar knapp 300 Kilogramm. Der reine Vergleich der Antriebsformen ist jedoch nur die halbe Wahrheit: Entscheidend ist das Gesamtgewicht - dazu zählen auch die benötigte Batterie oder - beim Verbrenner - der mit Sprit gefüllte Tank.

Reichweite

Reichweite ist noch eines der größten Probleme bei E-Autos. Als Faustformel gilt, dass für eine ähnliche Streckenleistung wie mit einem spritfressenden Fahrzeug das 10- bis 20-Fache der Batterie benötigt wird. Bei 60 Litern Tankvolumen wären das rund 600 bis 1.200 Liter Batterievolumen - eine enorme Größe. Die Leistungssteigerung der Batterien ist daher eines der wichtigsten Themen beim E-Auto.

Wartung

Eine E-Maschine ist auf Lebensdauer wartungsfrei. Verbrenner nicht. Diesel mit großem Hubraum gelten als langlebig - Laufleistungen von mehreren Hunderttausend Kilometern sind nicht selten. Die für die E-Autos benötigten Batterien haben allerdings auch eine begrenzte Lebenserwartung. Sie werden mit der Zeit und dem Laden schwächer.

Ölwechsel

Ein E-Motor braucht keinen Ölwechsel, so wie es bei Verbrennern früher oder später der Fall ist. Die Lagerfette in den E-Antrieben sind auf eine lebenslange Funktionstüchtigkeit ausgelegt.

Getriebe

E-Autos kommen ohne Schaltgetriebe aus. Zulieferer wie ZF Friedrichshafen oder Getrag, die einen großen Teil ihrer Umsätze mit Getrieben erzielen, oder Hersteller wie Daimler, die ihre Getriebe selbst entwickeln und fertigen, werden sich umstellen müssen.

Das PG&E-BMW-Programm ist eines von zahlreichen Experimenten, die derzeit weltweit laufen. Versorgungsunternehmen versuchen herauszufinden, was passiert, wenn eines Tages wohl Millionen von Elektroautos unterwegs sind.

Die Versorger sehen in den Elektroautos Fluch und Segen. Zwar belasten die Fahrzeuge bei zeitgleichem Aufladen das Stromnetz. Auf der anderen Seite könnten die Versorger die Batterien der Fahrzeuge bei einer Überlastung des Netzes oder gar bei einem Stromausfall anzapfen – und die Fahrer für die abgezweigte Energie aus ihren Autos bezahlen.

PG&E geht davon aus, dass derzeit 65.000 Elektroautos im eigenen Versorgungsgebiet in Kalifornien unterwegs sind. Mit so vielen Fahrzeugen hat es kein anderes Energieunternehmen in den Vereinigten Staaten zu tun.

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Neuzulassungen von Elektroautos in Deutschland

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„Uns ist sehr an der Verbreitung von Elektroautos in Kalifornien gelegen. Das BMW-Pilotprogramm ist ein Vorhaben, das demonstrieren soll, dass wir die Masse dieser Wagen in einer verlässlichen Art und Weise handhaben können“, erklärt Jana Corey, Direktor bei PG&E. Das Unternehmen testet auch Technologien, die die Elektroautos von Kunden in kleine Kraftwerke verwandeln, wenn die Stromnachfrage hoch ist.

36 Fahrzeuge werden derzeit auf der Los Angeles Air Force Base im Rahmen der weltweit größten Demonstration zur Energieübertragung von Fahrzeugen auf das Stromnetz getestet – darunter 13 Nissan Leaf.

Sobald die Autos über spezielle Stationen an das Stromnetz angeschlossen werden, können sie rund 140 Haushalte mit Energie versorgen. Die Armee hat das Programm inzwischen auch auf anderen Basen übertragen – etwa auf die Fort Hood in Texas und Joint Base Andrews in Maryland.

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PJM, der Netzbetreiber in 13 US-Bundesstaaten, nutzt 20 Elektroautos zum Ausgleich kurzfristiger Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage. Das Unternehmen will zudem 20 Elektro-Schulbusse anzapfen. Diese werden besonders in den heißen Sommermonaten weniger genutzt – also zu der Zeit, in der auf Grund laufender Klimaanlagen die Nachfrage nach Energie vielerorts hoch ist.

„In diesen Fahrzeugflotten steckt ein großes Volumen an elektrischer Energie. Und das stellt eine erstaunliche Ressource dar“, erklärt Tim Lipman, Co-Direktor des Transportation Sustainability Research Center an der University of California in Berkeley.

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