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22.07.2015

10:34 Uhr

Elektromotorrad LiveWire

So erfindet Harley-Davidson sich neu

VonRalf Schütze
Quelle:Spotpress

Ein strombetriebenes Naked Bike spaltet die traditionsbewusste Fangemeinde von Harley-Davidson. Doch es soll noch vor 2020 in Serie gehen. Wir sind schon mal aufgestiegen, zur Testfahrt mit dem „Project LiveWire“.

Der dreiphasige, längs eingebaute Wechselstrommotor der LiveWire sitzt in Harley-Davidsons erstem Voll-Alurahmen Harley-Davidson

An dieser Harley ist so gut wie nichts mehr traditionell.

Der dreiphasige, längs eingebaute Wechselstrommotor der LiveWire sitzt im ersten Voll-Alurahmen des Herstellers.

„Ich konnte mir selbst nicht vorstellen, dass mich ein Bike ohne Verbrennungsmotor derart begeistert. Aber LiveWire ist Emotion pur und voller Energie – nur eben jetzt mit Volt und Ampere statt Sprit.“ So wie Frank Klumpp, Marketing-Chef von Harley-Davidson Deutschland, geht es praktisch jedem, der die 55 kW/74 PS starke Harley-Davidson LiveWire erstmals fährt: Skepsis wird bei einer ersten Testfahrt im Nu hinweggestromert und schwappt schnell über in Euphorie.

Denn das elektrisch angetriebene Motorrad flitzt in unter vier Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Und typisch Elektromotor: Schon beim leichtesten Zucken am Potentiometer, der früher mal Gasgriff hieß, schiebt das volle Drehmoment von 70 Newtonmeter an. LiveWire zieht ihrem Piloten die Arme lang und untermalt ihre Dynamik mit einem Sound, der an einen startenden Düsenjet erinnert. Auf die Serienversion der Elektro-Harley, die noch vor 2020 kommen soll, darf man deshalb gespannt sein.

Bis zum Spitzentempo von 148 kmh fühlt sich die LiveWire erstaunlich spurstabil an für einen agilen Streetfighter Markus Jahn/Harley-Davidson

Agil und ein bisschen Streetfighter

Bis zum Spitzentempo von 148 kmh fühlt sich die LiveWire erstaunlich spurstabil an.

Die stattliche Schubkraft muss mit nur 210 Kilo Fahrzeuggewicht fertig werden. Zusammen mit der agilen Fahrwerksauslegung eines Streetfighters ergibt dies ein dynamisches Katapult, das vom Start weg Fahrspaß bringt. Fahrspaß der neuen Art allerdings, denn die sich vom Drehzahlkeller heraus aufbäumende Gewalt eines sonor brüllenden V2-Motors fühlt sich natürlich komplett anders an.

Die LiveWire kommt explosionsartig und mit lautem, sirenenhaftem Geräusch. Harley-Davidson will mit ihr die Wahrnehmung der Traditionsmarke verändern. Frank Klumpp: „Wir können auch was ganz Neues, was keiner von uns erwartet. LiveWire soll die Freiheit für kommende Generationen erhalten.“

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Die verrückte Liebe zur brüllend lauten Mixtur aus Sofa und Rakete verbindet Harley-Davidson-Fans schon seit 110 Jahren. Wer wissen will, was es mit dem Mythos auf sich hat, findet in einem Buch ungewöhnliche Antworten.

Wichtiger Eindruck von der Testfahrt über die Service-Strecken rund um den Hockenheimring: Der eigentümliche Sound. Er ist nicht künstlich erzeugt, sondern resultiert aus mechanischer Reibung im Motor, die durch das Motorgehäuse als Resonanzkörper verstärkt wird.

Dabei hat es Harley-Davidson allerdings etwas zu gut gemeint, denn für unser Empfinden könnte das kampfjet-artige Zischen bei höheren Drehzahlen etwas leiser ausfallen. Aber LiveWire ist schließlich ein Konzept-Bike und so wird sich bis zur Serienreife noch vieles ändern, vielleicht auch der Lärmpegel. Wichtiger: Man ist schnell vertraut mit der neuartigen Technik. Selbst das Fahren ohne Kupplungs- oder Schalthebel geht schnell in Fleisch und Blut über.

Steckbrief Harley-Davidson LiveWire
Motor: Dreiphasiger Wechselstrommotor,
Leistung 55 kW/74 PS bei 8.000/min
Drehmoment: 70 Nm,
Lithium-Ionen-Akkus, Riemenantrieb
Fahrwerk: Voll-Aluminium-Rahmen
Leergewicht: fahrfertig 210 kg
Messwerte:0 - 60 mph (96,5 km/h) unter 4 Sek.,
Höchstgeschwindigkeit 148 km/h (abgeregelt),
Reichweite 85 km, Ladezeit 3,5 h

Auch bei hohem Tempo nahe der 148 km/h Spitze wirkt die LiveWire spurstabil und vermittelt Sicherheit, trotz des auf Agilität ausgelegten Fahrwerks mit relativ steilem Lenkkopfwinkel. Und immer wieder die enorme Beschleunigung: Sie vollzieht sich linear und fühlt sich ohne Schaltvorgänge noch brachialer an.

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