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10.09.2013

07:17 Uhr

Elektrooffensiven zur IAA

Alle wollen ein bisschen grün sein

VonLukas Bay, Sebastian Schaal

Mit einer ambitionierten Elektrooffensive und einem gelassenen Ferdinand Piëch startet VW in die diesjährige IAA. Daimler setzt auch auf seine neuen Stromer - aber in einer anderen Größenordnung als die Wolfsburger.

IAA Frankfurt

„Elektromobilität ist keine Vision mehr“

IAA Frankfurt: „Elektromobilität ist keine Vision mehr“

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FrankfurtEuropas größter Autokonzern setzt sich selbst unter Strom. Bis 2018 will Volkswagen zum führenden Hersteller für Elektrofahrzeuge aufsteigen. Auf dem traditionellen Markenabend einen Tag vor der Eröffnung der diesjährigen Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt hatte VW-Chef Winterkorn gleich zwei reine Elektroautos im Gepäck - den E-Up und den batteriebetriebenen Golf. Zwei Modelle, die das Schattendasein der Elektromobilität beenden sollen.

„Wir treten hier nicht mit zwei oder drei Nischenmodellen an“, betonte Winterkorn. Konkrete Absatzziele nannte er aber nicht. Allein der hohe Preis dürfte allerdings einige Kunden abschrecken. Sowohl E-Up als auch E-Golf bewegen sich preislich deutlich oberhalb der Standardmodelle mit Verbrennungsmotor. Mit einem Neupreis von 26.900 Euro ist der E-Up mehr als doppelt so teuer wie die normale Basis-Benzinervariante.

190 Kilometer ohne Benzin: Was VWs erste Elektro-Autos leisten

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Doppelpremiere auf der IAA: Volkswagen startet im Vergleich zur Konkurrenz zwar spät ins Elektro-Zeitalter, zeigt aber gleich zwei Modelle, die das Zeug zu echten Verkaufsstars haben sollen. Die ersten Details.

Trotzdem betonte Winterkorn, dass die Elektromobiltät nun „im Zentrum des Konzerns“ angekommen sei, es gehe um „mehr als Effekthascherei“, sondern um einen „fundamentalen Wertewandel“. Bis 2014 wolle der Konzern 14 Modelle mit Elektro- oder Plug-In-Hybridmodelle auf den Markt bringen. Bei Erfolg könne die Produktpalette auf 40 Modelle ausgebaut werden. „Das Elektroauto darf keine rollende Verzichtserklärung sein“, sagte Winterkorn.

Wie das aussehen könnte, zeigte Konzerntochter Porsche, die mit 918 Spyder und dem Panamera S E-Hybrid gleich zwei vollwertige Sportwagen mit Hybridantrieb mit nach Frankfurt gebracht hatten. Der A3 e-tron von Audi, der seine Premiere bereits in Genf gefeiert hatte, komplettierte die Runde.

Bei guter Laune: Ferdinand Piech, Aufsichtsratsvorsitzender von VW mit seiner Ehefrau Ursula und Wolfgang Porsche, Aufsichtsratsvorsitzender von Porsche. dpa

Bei guter Laune: Ferdinand Piech, Aufsichtsratsvorsitzender von VW mit seiner Ehefrau Ursula und Wolfgang Porsche, Aufsichtsratsvorsitzender von Porsche.

Trotz fulminanter Präsentationen waren die großem Überraschungen an diesem Abend Mangelware. Skoda und Seat stellten Kombivarianten ihrer Erfolgsmodelle Rapid und Leon vor. Allein Audi hatte eine kleine Überraschung im Gepäck und enthüllte neben dem A3 Cabrio ein 570-PS-starkes Konzeptauto, natürlich mit Allrad-Antrieb, das gemeinsam mit der italienischen Autodesignschmiede Giugiaro entworfen wurde. Der „Nanuk“ war so etwas wie der ersehnte Überraschungsgast des Abends, auch wenn er von der Serie noch weit entfernt ist.

Das E-Auto kommt ins Rollen

Bald zu kaufen

Die Autohersteller in Deutschland bringen das Elektroauto allmählich ins Rollen. Bei der Internationalen Automobil-Ausstellung wird eine ganze Reihe von Modellen zu sehen seien, die schon erhältlich sind oder die es bald zu kaufen gibt.

Volkswagen

Deutschlands größter Autokonzern präsentiert zwei Elektro-Modelle, die schon in Kürze auf den Massenmarkt kommen. Ab Oktober wollen die Wolfsburger eine Elektro-Variante des Kleinwagens up! verkaufen, den E-Up. Der Grundpreis liegt mit 26.900 Euro rund zweieinhalb Mal so hoch wie bei der Basis-Version mit Verbrennungsmotor. Das Auto soll 130 Kilometer Reichweite haben.

Auch der Verkaufsschlager des Konzerns, der Golf, rollt demnächst unter Strom über die Straßen mit einer Reichweite von bis zu 190 Kilometern. Zu den Händlern könnte der e-Golf Anfang 2014 kommen. Der Verkaufspreis ist noch unbekannt.

BMW

Ab November verkauft BMW sein erstes Elektroauto, das in großer Stückzahl gefertigt wird. Beim i3 handelt es sich um einen Kompaktwagen in Golf-Größe mit bis zu 160 Kilometern Reichweite und einem Kaufpreis ab 34.950 Euro. Ab 39.450 Euro will BMW eine Version des Autos mit zusätzlichem Benzinmotor verkaufen, der - falls nötig - Strom für den Akku erzeugt und dadurch die Reichweite auf um 300 Kilometer verlängert. Die Fahrgastzelle besteht aus Carbon, wodurch das Auto besonders leicht ist. Auf der IAA will BMW den Elektro-Sportwagen i8 vorstellen.

Daimler

Unter der Kernmarke Mercedes-Benz verkauft Daimler bislang noch keinen Elektro-Pkw in großer Serie. 2014 soll die stromgetriebene B-Klasse auf den Markt kommen. Die Reichweite soll bei 200 Kilometern liegen, die Höchstgeschwindigkeit bei 160 Stundenkilometern.

Mit seiner Kleinwagenmarke Smart verkauft Daimler seit vergangenem Jahr Elektroautos. Die Flitzer kosten ab 23.680 Euro, wenn die Batterie mitgekauft und nicht über ein Mietmodell finanziert wird. Die Maximalgeschwindigkeit liegt bei 125 Stundenkilometern, die Reichweite bei 145 Kilometern.

Audi

Schon 2009 präsentierte die Volkswagen-Tochter unter dem Namen e-tron einen stromgetriebenen Sportwagen. In den Verkauf ging das Modell jedoch nie. Derzeit gibt es bei Audi keine Pläne für reine Elektroautos.

Stattdessen arbeitet Audi an einer Hybrid-Variante des A3, die mit einem kombinierten Verbrennungs- und Elektroantrieb ausgestattet ist. Mit dem Fahrzeug sollen auch 50 Kilometer nur mit Strom zurückgelegt werden können. Zu kaufen gibt es das Auto noch nicht.

Porsche

Der Sportwagenhersteller hat zwei Hybrid-Modelle im Angebot - Hybrid-Versionen des Geländewagens Cayenne und der viersitzigen Limousine Panamera. Der Panamera S E-Hybrid kommt ohne Verbrennungsmotor 36 Kilometer weit bei Maximaltempo 135. Das Fahrzeug gibt es ab 110.400 Euro. Den Cayenne Hybrid gibt es ab 83.000 Euro. Auch er kann kurze Strecken bis zu Tempo 60 rein elektrisch fahren.

Opel

Der Rüsselsheimer Hersteller bezeichnet seinen bis zu 161 km/h schnellen Ampera als Elektroauto. Das seit 2011 produzierte Auto kommt mit seinem Elektromotor 40 bis 80 Kilometer weit, je nach Fahrweise. Danach schaltet sich - wie bei den Hybrid-Modellen anderer Hersteller - ein Verbrennungsmotor dazu, was Reichweiten von bis zu 500 Kilometern ermöglicht. Opel senkte am Montag den Einstiegspreis von bislang 45.900 Euro auf 38.300 Euro.

Ford

Der Hersteller will in diesen Tagen mit seinem Modell Focus Electric durchstarten. Das Fahrzeug hat ein Maximaltempo von 137 Stundenkilometern und kommt bis zu 162 Kilometer weit. Der in Saarlouis produzierte Wagen ist ab knapp 40.000 Euro erhältlich.

Auch die Ducati-Chef Claudio Panenicale hatte für seinen ersten Auftritt auf dem VW-Markenabend eine Weltpremiere mitgebracht. Das neue, kleinere Superbike 899 Panigale fuhr er persönlich vor. Die Motorradschmiede, die der Konzern dem Aufsichtsratschef Piëch im vergangenen Jahr zum Geburtstag geschenkt hatte, zeigte so das erste neue Produkt unter dem Dach von Audi.

Besondere Aufmerksamkeit wurde an diesem Abend auch dem VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Berichten über seinen vorzeitigen Abschied begegnete er zumindest äußerlich gelassen. Gemeinsam mit Gattin Ursula ließ er Blitzlichtgewitter über sich ergehen und diktierte den Journalisten, dass er ihnen noch erhalten bleiben werde.

„Mir geht es gut“, betonte Piëch auf Nachfrage eines Radiosenders. Seinen Vertrag der noch bis 2017 läuft wolle er mindestens noch erfüllen. Er „könne keine Wünsche erfüllen, die nicht von mir stammen“, sprach der 76-Jährige etwas kryptisch und verließ - wie schon in Genf - als einer der ersten die Veranstaltung.

Eine echte Überraschung: Audi-CEO, Rupert Stadler präsentierte am Vorabend der IAA den neuen Audi Nanuk. Reuters

Eine echte Überraschung: Audi-CEO, Rupert Stadler präsentierte am Vorabend der IAA den neuen Audi Nanuk.

Kommentare (1)

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Kaurikampf

10.09.2013, 09:42 Uhr

Bei der " artigen" Vorstellung des Nanuk oder wie immer das Audi-Konzept-Car heißt, fiel mir ein, dass Herr Stadler gar nicht Herr im eigenen Haus ist. Die Entwicklungsleitung hat der ehemalige Technik-Vorstand von VW übernommen. Herr Stadler ist kein Ingenieur, er ist Kaufmann und war Bürochef von Piëch, als der noch in Wolfsburg war. Für sein damaliges Wohlverhalten in schwieriger Zeit ( Situation) wurde er von Gottes Gnaden Chef bei Audi und durfte auch mal mit zum Weltwirtschftsgipfel nach Davos! Seit Stadler schmilzt der Vorsprung durch Technik! An die Spitze von Audi muss ein Car-Gay! Auf dem vor 30 Jahren begründeten China-Geschäft sollte man sich nicht ausruhen! Übrigens: Ich bin nach 31 Jahren BMW zu Audi gekommen und bin heute noch dabei. Aber seit dem der A1-Etron mit dem Wankel als Range-Extender auf Befehl von Wolfsburg gestoppt wurde, habe ich Zweifel an der Eigenstäandigkeit von Audi, die doch mal zum Quattro und zur Dieseldirekteinspritzung geführt hat. Da muss ein starker, charismatischer Ingenieur an die Spitze und nicht ein artiger Kaufmann, der eine Vorstellung zelebriert, als ob man ein Gedicht aufsagt!

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