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25.09.2014

15:18 Uhr

Erdgas statt Diesel

Unterwegs mit neuer Kraft

Verflüssigtes Erdgas gilt als Alternative zum Diesel. Erste Fahrzeuge kommen auf den Markt. Doch noch fehlt die Infrastruktur: Tankstellen, die den neuen Treibstoff anbieten, sind in Deutschland Mangelware.

Tankstelle für Erdgasautos: Spediteure wollen ihre Abhängigkeit vom Dieselmarkt verringern. dpa

Tankstelle für Erdgasautos: Spediteure wollen ihre Abhängigkeit vom Dieselmarkt verringern.

BerlinDer Pilotversuch im Herbst 2012 verlief vielversprechend: Vier Wochen lang ersetzte der Osnabrücker Logistiker Hellmann zwei herkömmliche Schwerlast-Lkws durch Fahrzeuge, die verflüssigtes Erdgas (LNG) tanken. „Die Technik ist umweltfreundlich und wirtschaftlich“, sagt Klaus Schütte, Chefeinkäufer bei Hellmann. LNG habe das Zeug, Diesel Konkurrenz zu machen. Doch trotz positiver Bilanz hat Schütte noch nicht geordert: „Die Hersteller konnten bisher keine Fahrzeuge für den deutschen Markt liefern.“

Zwei Jahre später wollen erste Hersteller auf der IAA nun zeigen, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht haben. So demonstriert Iveco seinen Schwerlast-Lkw Stralis LNG, der kürzlich eine europäische Gesamtbetriebserlaubnis erhielt. Und Konkurrent Scania schickt eine LNG-Variante seines Modells CG 19 Highline zur Messe. Die Fahrzeuge dürften auf großes Interesse stoßen: Wie Hellmann suchen viele Spediteure händeringend nach einer Möglichkeit, ihre Abhängigkeit vom Dieselmarkt zu verringern. Erdgas gilt als attraktive Alternative, zumal es als Kraftstoff bis Ende 2018 steuerlich begünstigt wird.

Noch keine passenden Tankstellen

Bereits erprobt sind Nutzfahrzeuge, die mit komprimiertem Erdgas (CNG) fahren: Über 16.600 Lkws waren zum 1. Januar beim Kraftfahrt-Bundesamt angemeldet. Ihr Anteil in höheren Gewichtsklassen aber ist verschwindend gering. Um schwere Gespanne über weite Strecken zu bewegen, wären riesige Tanks nötig. LNG ist dagegen wegen der hohen Energiedichte auch für den Schwerlastverkehr interessant. „Die Laufleistung ist hochattraktiv und kann momentan bis zu 750 Kilometer erreichen“, sagt Schütte. Mit einem zusätzlichen Reservetank für CNG ließen sich weitere 150 Kilometer bewältigen.

Neue Fahrzeuge allein jedoch reichen nicht: Für Flüssigerdgas, das bei minus 162 Grad Celsius gelagert wird, fehlen in Deutschland passende Tankstellen. „Weil LNG im Moment noch nicht frei am Weltmarkt gehandelt wird, kann im Moment auch niemand genau sagen, wie sich der Kraftstoffpreis entwickeln wird“, sagt Ulrich Noah, bei Scania Deutschland für die Großkundenbetreuung im Lkw-Bereich verantwortlich. Kunden sei schwer zu vermitteln, warum sie den Aufschlag von rund 30 Prozent gegenüber Dieselfahrzeugen zahlen sollen.

Hohe Investitionskosten

Einen Schritt weiter sind die Niederlande, die LNG-Laster früh zugelassen haben. Dort gibt es knapp zehn Tankstellen. Über 100 sind es in den USA, wo die Technik infolge der Schiefergasförderung boomt.

In Deutschland hat LNG auch deshalb einen schweren Stand, weil es ein gut ausgebautes unterirdisches Erdgasnetz gibt – in die Verlegenheit, Gas gekühlt zu lagern, kam man bisher nicht. „Die Infrastruktur für LNG als Kraftstoff wird unabhängig vom Gasnetz aufgebaut werden“, sagt Timm Kehler, Geschäftsführer bei Erdgas Mobil. Das Unternehmen plant und errichtet Erdgasstellen und gehört zu einer gleichnamigen Interessenvertretung mehrerer Gasversorger. „Rein technisch könnte zwar Pipelinegas an der Tankstelle verflüssigt werden, das wäre aber mit immensen Investitionskosten verbunden“, sagt Kehler. LNG wird an künftige Tankstellen wohl per Lkw geliefert.

Einen ersten Auftrag für den Bau einer Tankstelle hat Erdgas Mobil bereits – im Rahmen eines EU-Projekts. Weitere Zapfsäulen werden erst attraktiv, wenn Logistiker entsprechende Fahrzeuge einsetzen. Um das Henne-Ei-Problem zu lösen, plane Erdgas Mobil Zuschüsse zu LNG-Fahrzeugen, sagt Kehler.

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