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01.04.2014

10:10 Uhr

eRockit

Ein Fahrrad auf der Überholspur

Quelle:Spotpress

Fahrräder mit Hilfsmotor haben nicht mehr nur den Ruf lahmer Seniorenmobile, sie sind mittlerweile echte Alternativen im Straßenverkehr. Eine besonders schnelle und schöne ist das eRockit.

eRockit -  Ein Fahrrad auf der Überholspur eRockit

Das eRockit des Berliner Entwicklers Stefan Gulas.

Es sieht aus wie ein modernes Motorrad und wiegt mit seinen 120 Kilogramm auch deutlich mehr als ein E-Bike, fällt aber in die Kategorie des motorisierten Fahrrads: Wer sich mit dem Berliner eRockit fortbewegen will, muss wie beim gewöhnlichen Drahtesel zunächst einmal treten.

Allerdings wird die Kraft nicht direkt auf die Straße übertragen, sondern über spezielle Elektronik an den 9 kW/12 PS starken E-Motor geleitet. Und der multipliziert die menschliche Muskelkraft so, dass der Spurt von der Ampel weg fast wie bei einem Motorrad ausfällt.

Wo S-Pedelecs maximal 45 km/h schaffen, wird das eRockit in der Spitze bis zu 80 km/h schnell und darf somit sogar auf Autobahnen fahren. Mit seiner Leistung von 8.000 Watt ist es seiner Konkurrenz mit maximal 500 Watt deutlich überlegen.

Kleine E-Bike-Typologie

Pedelecs

Pedelecs leiten ihren Namen aus den englischen Begriffen "Pedal, Electric Cycle" ab. Ein elektrischer Hilfsmotor unterstützt den Radler nur solange dieser in die Pedale tritt. Das Fahrrad darf nicht mehr als 250 Watt Leistung bereitstellen und nicht schneller als 25 km/h sein.

In vielen Bundesländern ist für Pedelecs mindestens die Mofa-Prüfbescheinigung erforderlich. Sie steht Fahrern ab 15 Jahren offen und umfasst eine theoretische und praktische Ausbildung sowie eine Theorie-Prüfung. Personen, die vor dem 01. April 1965 geboren wurden, benötigen aber lediglich einen Personalausweis. Die Mofa-Prüfbescheinigung ist in den Motorradführerscheinen A, A1 und A2 sowie im Pkw-Führerschein der Klasse B (früher Klasse 3) enthalten.

Für Pedelecs ist nur dann keine eigene Haftpflichtversicherung notwendig, wenn sie in der Privathaftpflicht enthalten ist. Oft sind in alten Verträgen Elektroräder aber nicht enthalten. Dann ist eine schriftliche Bestätigung vom Versicherer anzufordern, dass Pedelecs im Vertrag eingeschlossen sind.

Es besteht keine Helmpflicht.

S-Pedelecs

Schnelle Pedelecs sind sogenannte "S-Pedelecs", auch Schweizer Klasse genannt. Sie unterstützen den Fahrer durch den bis zu 500 Watt starken Elektromotor bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Auch hier arbeitet der Motor nur, wenn der Fahrer in die Pedale tritt.

Für den Betrieb ist bei S-Pedelecs ein Versicherungskennzeichen erforderlich. Im Straßenverkehr benötigt der Fahrer die Fahrerlaubnis für Kleinkrafträder der Klasse M. Seit 19. Januar 2013 heißt diese Klasse AM und ist in den Motorradführerscheinen sowie im Pkw-Führerschein der Klasse B (früher Klasse 3) enthalten. Die Klasse AM steht Personen ab 16 Jahren offen und schließt sowohl eine theoretische als auch praktische Prüfung ein.

S-Pedelecs werden wie Kleinkrafträder eingestuft und dürfen nicht auf dem innerstädtischen Radwegnetz fahren. Außerhalb geschlossener Ortschaften dürfen S-Pedelecs nur Radwege benutzen, wenn diese durch das Zusatzschild "Mofas frei" für den Kraftverkehr freigegeben sind.

Es besteht Helmpflicht.

E-Bikes

Im Gegensatz zu Pedelecs und S-Pedelecs besitzen E-Bikes einen maximal 500 Watt starken Antrieb, der unabhängig vom Tritt in die Pedale funktioniert. Über einen Drehgriff oder Schalter am Lenker steuert der Fahrer die Motorleistung des bis zu 20 km/h schnellen E-Bikes. Höhere Geschwindigkeiten sind vom Tritt in die Pedale abhängig.

E-Bikes gelten wie S-Pedelecs als Kleinkraftrad und benötigen ein Versicherungskennzeichen sowie eine Betriebserlaubnis. Das Führen des E-Bikes setzt mindestens eine Mofa-Prüfbescheinigung voraus.

Es besteht Helmpflicht.

Der 12-PS-E-Motor entwickelt ein Drehmoment von 75 Nm, das übertrifft sogar das einer Harley Davidson Sportster 833 Iron. Als Akku kommt eine Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie zum Einsatz, die eine Kapazität von 3,1 kW/h besitzt. Das reicht nach einer maximalen Ladezeit von 3,5 Stunden für eine Reichweite zwischen 50 und 70 Kilometern. Die stärkere Ausführung hat eine Kapazität von 6,4 kW/h und kommt damit über 100 Kilometer weit, danach muss für sieben Stunden aufgeladen werden.

Und wie sieht es mit der behördlichen Einstufung des eRockit aus? Sie ist technisch betrachtet ein Pedelec, gefühlt jedoch ein Motorrad, zumindest wenn man die Beschleunigungswerte betrachtet. Der Gesetzgeber hat es als Leichtkraftrad eingestuft.

Damit ist ein Helm verpflichtend, außerdem benötigt der Besitzer eine entsprechende Straßenzulassung mit Kennzeichen- und Versicherungs-Pflicht. Um es fahren zu dürfen, ist ein Motorradführerschein oder ein Klasse-3-Führerschein erforderlich, der vor dem 1.4.1980 ausgestellt wurde.

Erhältlich ist das eRocket in verschiedenen Rahmenfarben und Sattelhöhen. Mindestens 12.460 Euro müssen investiert werden. Die Ausführung mit dem leistungsstärkeren Akku kostet sogar stolze 15.360 Euro.

Pedelecs versichern, Kopf schützen

Elektro-Kasko

Pedelecs und E-Bikes mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h oder 45 km/h müssen sich im Straßenverkehr pflichtversichern, in dem sie sich ein Versicherungskennzeichen kaufen. Damit ist der Schaden an fremdem Eigentum abgedeckt.

Wer jedoch einen erweiterten Versicherungsschutz für sein Pedelec sucht, wird bei einer Elektro-Kasko fündig. Sie deckt Schäden ab wie bei einer Teilkasko beim Auto, auf die Fahrer keinen Einfluss hat. Eingeschlossen sind Brand, Explosion, Hagel oder Sturm. Darüber hinaus ist das Fahrrad bei Diebstahl und Unfällen mit Tieren versichert. Die Versicherung gilt sowohl für das E-Bike als auch für den Akku. Die Selbstbeteiligung liegt je nach Versicherungs-Anbieter zwischen 150 Euro und 500 Euro.

Mit einer speziellen Kasko-Erweiterung kann sich der Radler zusätzlich gegen eine Fehlbedienung des Akkus versichern. Das ist bei einer Tiefentladung der Fall. Sie kann bei niedrigen Temperaturen vorkommen, wenn die Batterie nicht regelmäßig eine volle Ladung erhält. Sie greift auch bei einer Überladung der Batterie sowie bei Beschädigungen oder Zerstörung. Ein Ersatzakku kann zwischen 500 Euro und 1.000 Euro kosten.

In jedem Fall dürfen Fahrräder mit Elektromotor ab 25 km/h Höchstgeschwindigkeit nur mit einem gültigen Versicherungskennzeichen unterwegs sein. Seit 1. März 2013 ist dieses Kennzeichen grün.

S-Pedelecs

Die so genannten großen S-Pedelecs, mit einer Motorleistung von bis zu 500 Watt, sind bis zu 45 km/h schnell. Sie gelten als Kleinkraftrad.

Für sie muss, wie bei Mofas und Mopeds, eine Kfz-Haftpflichtversicherung abschlossen werden. Das ist gesetzlich vorgeschrieben, um Schäden, die anderen Personen im Straßenverkehr zugefügt werden, abzusichern.

Kleine Pedelecs

Die kleineren Pedelecs, mit 250 Watt Motorleistung, gelten als Fahrräder. Wegen der Begrenzung der Anfahrhilfe auf 6 km/h bleiben solche Pedelecs zulassungsfrei und benötigen kein Versicherungskennzeichen und keine Fahrerlaubnis. Allerdings ist ein Mindestalter von 15 Jahren und eine Mofa-Prüfbescheinigung oder ein Führerschein (z. B. Klasse B).

Wer sich ein kleines Pedelec kauft, sollte bei seiner privaten Haftpflichtversicherung nachfragen, welche Schäden diese abdeckt und gegebenenfalls den Versicherungsschutz erweitern, rät der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). 

Helm auf!

Eine Helmpflicht besteht bei den kleineren Pedelecs zwar nicht, zur eigenen Sicherheit ist es trotzdem ratsam, einen Helm zu tragen.

Der ADAC rät auch sdeshalb zu einem qualitativ hochwertigen Helm, weil 2012 insgesamt 406 Radfahrer in Deutschland tödlich verunglückten.

Und mit 54 Prozent werden die Schädel von Radfahrern bei Unfällen überproportional häufig in Mitleidenschaft gezogen. Bei Motorradfahrern (26 %), Pkw-/Lkw-Insassen (32 %) und Fußgängern (42 %) ist dies teilweise deutlich seltener der Fall.

Fahrradhelm auf dem S-Pedelec?

Bei den (großen) S-Pedelcs gilt Helmpflicht, weil sie in den Augen des Gesetzgebers Kleinkrafträde entsprechen. Problem: Mit einem schwereren Mofa- oder Motorradhelm kann/will man nicht Fahrrad fahren – die klassischen Fahrradhelme schützten aber nur bei Geschwindigkeiten von bis zu 20 km/h. Noch gibt es für die schnelleren E-Räder kaum geeignete Schutzhelme.

Teil des Hausrats

Auch gegen Diebstahl lassen sich Pedelecs versichern. Für die S-Pedelecs muss dazu eine Kaskoversicherung abgeschlossen werden. Schäden, die beispielsweise durch Brand, Explosion oder Hagel am Pedelec entstehen, lassen sich ebenfalls versichern. Die kleinen Pedelecs können genau wie Fahrräder über die Hausratversicherung gegen Diebstahl versichert werden. 

Zuschlag für Nachtaktive

Mit den steigenden Temperaturen steigt auch die Lust auf Fahrradausflüge und damit unvermeidlich auch die Zahl der Fahrraddiebstähle. Damit stellt sich für die Opfer auch die Frage nach dem Versicherungsschutz. Die Versicherungen fragen wiederum, wo der Diebstahl stattfand: Wird das Fahrrad aus einem verschlossenen Schuppen oder Keller entwendet, zahlt die Hausratversicherung.

Soll das Diebstahlsrisiko auch in einem Gemeinschaftskeller oder generell außerhalb geschlossener Räume versichert sein, verlangen die Versicherer einen Aufschlag. Damit ist dann die Erstattung für ein Raddiebstahl zwischen sechs und 22 Uhr gesichert, allerdings begrenzt auf maximal zwei Prozent der Hausrat-Versicherungssumme.

Manche Versicherungen bieten gegen einen weiteren Zuschlag einen 24-Stunden-Schutz für häufig nachtaktive Radler an. Für besonders wertvolle Räder, deren Wert die Zwei-Prozent-Regelung der Hausratversicherung übersteigt, haben die Versicherer spezielle Fahrradversicherungen im Programm, die auch Reparaturkosten abdecken.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

01.04.2014, 10:41 Uhr

Eine Elektro-Vespa kostet in China ein Zehntel. Durch Zoll und Steuern importiert nach D verdoppelt sich zwar der Preis aber 3000€ für einen zweisitzigen Elektroroller mit 45 km/h und 50 km Reichweite hört sich stadttauglicher an als diese Neuentwicklung.

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