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03.02.2012

09:53 Uhr

EU vs. Feinstaub-Irrsinn

Weg mit den Umweltzonen!

Quelle:mid

Den rund 60 Umweltzonen in Deutschland steht Ärger ins Haus. Die EU droht mit saftigen Geldstrafen bei Überschreitungen der Grenzwerte. 100.000 Euro sind pro Tag und Zone im Gespräch. Dabei wäre die Lösung so einfach.

Mitarbeiter eines Amtes für Straßen- und Verkehrstechnik mit einem Verkehrsschild, das auf eine Umweltzone in der Innenstadt hinweist. dpa

Mitarbeiter eines Amtes für Straßen- und Verkehrstechnik mit einem Verkehrsschild, das auf eine Umweltzone in der Innenstadt hinweist.

Die rund 60 deutschen Umweltzonen sollen Anwohner vor dem Feinstaub des Straßenverkehrs schützen. Ungeachtet der nachgewiesenen Sinnlosigkeit sind zum Jahresbeginn weitere Verschärfungen in Kraft getreten. Nun droht die Europäische Union mit Bußgeldbescheiden für Überschreitungen der Grenzwerte. Setzt das dem Feinstaub-Irrsinn ein Ende?
Damit gleich zu Beginn keine Zweifel aufkommen: Feinstaub, mikroskopisch kleine Partikel in der Luft, die der Körper nicht aus der Atemluft filtern kann, bilden nachgewiesener Maßen eine ernste gesundheitliche Gefahr. Jeder Politiker, der wirksame Maßnahmen zum Schutz der Bürger vor dieser Gefahr initiiert, verdient sich Lob und Anerkennung.

Doch diese Art von Volksvertretern sind in der politischen Landschaft unserer Republik so real wie Einhörner im deutschen Wald. Wie anders konnten die Schutzmaßnahmen gegen den Feinstaub bislang nichts weiteres als rund 60 monströse Verwaltungsgebilde zu gebähren, die unter dem Euphemismus "Umweltzone" dem Feinstaub aus dem Straßenverkehr in einer entsprechenden Zahl von Städten und Gemeinden rote, gelbe und grüne Plaketten zeigen?

In Berlin wurden durch die Umweltzone etwa zehn Prozent des Feinstaubanteils in der Luft reduziert. Fast 80 Prozent des in der Luft vorhandenen Feinstaubs kommt aus Quellen, die nicht von der Umweltzone beeinflusst werden. Das zeigt eine Veröffentlichung des Umweltbundesamtes. dpa-infografik GmbH

In Berlin wurden durch die Umweltzone etwa zehn Prozent des Feinstaubanteils in der Luft reduziert. Fast 80 Prozent des in der Luft vorhandenen Feinstaubs kommt aus Quellen, die nicht von der Umweltzone beeinflusst werden. Das zeigt eine Veröffentlichung des Umweltbundesamtes.

Obwohl unzählige Untersuchungen belegt hatten, dass zur gesamten Belastung durch Feinstaub, der uns ständig umgibt, der Verkehr nur rund zehn Prozent beiträgt. Das ist natürlich immer noch zu viel, aber da die unsichtbaren Teilchen bei ihren Reisen durch die Lüfte auf die Gemarkungsgrenzen der einzelnen Zonen nachweislich pfeifen, sind zonentechnisch die Feinde der Gesundheit politisch sicher nicht zu bannen.

Nun glimmt ausgerechnet aus Richtung des politischen Bereichs, der uns seit Monaten mit Schuldenkrisen und Staatspleiten das staatsbürgerliche Gemüt beschwert, ein Hoffnungsschimmer im Kampf gegen den Feinstaub-Irrsinn auf. Die Europäische Union, so hat es der ADAC herausgefunden, sagt nämlich: Wenn schon Umweltzonen, dann auch richtige.

Sollte die jeweilige Gemeinde sich nicht in der Lage zeigen, auch für die strikte Einhaltung der Grenzwerte zu sorgen, könnte es zu einem Urteil des europäischen Gerichtshofes kommen, das ein saftiges Bußgeld für jede Überschreitung vorsieht. Von 100.000 Euro pro Tag und Zone ist die Rede.

Damit wäre der Feinstaub-Irrsinn dann zumindest fiskalisch auf die Spitze getrieben. Einmal durch das Verpulvern ungezählter Steuergroschen für die Einrichtung der Zonen und dann durch Strafbescheide, die wieder aus dem Steuersäckel beglichen werden müssen.

Politische Vernunft würde diese Gelder in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, in die Forschung umweltfreundlicher Antriebe oder funktionierender Verkehrsleitsysteme in den Städten lenken. Ja, ein schöner Traum. Vorher werden aber noch ungezählte Einhörner durch den deutschen Wald streifen. Dabei wäre doch die einfachste Lösung: Weg mit den Umweltzonen!

Von

Thomas Lang

Kommentare (15)

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EXUWEG_Euskirchen

03.02.2012, 10:14 Uhr

Noch einfacher wäre, die Fassaden mit einer Titan-Dioxid Beschichtung zu versehen. Diese reinigt dann die Luft vom Feinstaub; entsprechende Versuche werden derzeit auch schon an Lärmschutzwänden entlang der Autobahn durchgeführt. In Asien wird dies schon seit vielen Jahren erfolgreich praktiziert.

MikeM

03.02.2012, 10:20 Uhr

Mein Tipp: Den ganzen Unsinn einfach ignorieren! Ich fahre seit der Einführung der Umweltzone in München (3 bis 4 Jahre?) ohne diesm Aufkleber rum. Mein Auto würde das grüne Pickerl erhalten, aber - wie man in München sagt - man muss nicht jeden Schmarrn mitmachen! Ach ja, das hat weder die Polizei noch die Politessen interessiert.

KFR

03.02.2012, 11:32 Uhr

darum geht es nicht, sondern um die Sicherung der Pfründe, Deputate, Pöstchen aus/in der Automobil-Industrie ! Leider bemerken sie nicht, dass sie sich selbst den Ast absägen und nur der glorreichen Vergangenheit des 19.Jahrhundert ( Benz Diesel & Co ) träumen, den Staat und Industrie völlig ins Abseits schicken.

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