Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.02.2016

12:41 Uhr

Fahrradtrends 2016

Mut zum E-Bike

VonThorsten Firlus-Emmrich
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Ein schnöder Drahtesel ist nicht mehr genug: Das Fahrrad wird zum Statussymbol und Ausdruck der Persönlichkeit. Hersteller bieten jeder Weltanschauung die passende Technik – das entsprechende Kleingeld vorausgesetzt.

Lässig, jung, urban – das E-Bike, so wünscht es sich der Schweinfurter Hersteller Winora, soll sein Image verjüngen. PR

E-Bike

Lässig, jung, urban – das E-Bike, so wünscht es sich der Schweinfurter Hersteller Winora, soll sein Image verjüngen.

Zeigen, was man hat. Zeigen, wer man ist. Das ist die Maxime, mit der im Frühjahr auf den Radwegen, den Mountain-Bike-Trails oder gar den Straßen zu rechnen ist. Das Fahrrad, groß geworden als mehr oder minder beliebtes Transportfahrzeug oder Gelegenheits-Freizeitgerät, mutiert zur Wohnzimmer-Dekoration, zum Prahl-Objekt oder Lebenstraum-Verwirklicher. Der Trend zum Fahrrad als Accessoire und Teil des Lebensstils wird immer perfekter von den Herstellern bedient, immer kleinere Nischen werden mit passender Technik versorgt.

Ausgerechnet die E-Bikes erleben dabei mit die spannendste Neu-Interpretation. Nach einer anfänglichen Phase der Skepsis und Ablehnung, die dazu führte, dass Akkus und Motoren immer weiter versteckt wurden, steht man heute dazu. Im Kollegenkreis werden heutzutage mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie früher Hubraum und PS von Autos die Reichweite und Wattzahl der Elektrobikes diskutiert.

Selbstverständlich werden von Unternehmen wie den Berliner Unternehmen Electrolyte oder Freygeist Modelle angeboten, den man erst auf den zweiten Blick oder im Falle von Freygeist eigentlich gar nicht mehr ansieht, dass sie per Strom den Fahrer unterstützen. Dem gegenüber stehen technisch interessante Lösungen, die zwar die größeren Akkus integrieren, jedoch nicht verhehlen. Der Schweizer Hersteller Flyer will im Sommer ein Modell serienreif machen, dessen Motor bereits mit einem Getriebe ausgestattet ist. Zwei Gänge sollen die Bandbreite des Antriebs erweitern, am Hinterrad befindet sich eine klassische Kettenschaltung.

Kleine E-Bike-Typologie

Pedelecs

Pedelecs leiten ihren Namen aus den englischen Begriffen "Pedal, Electric Cycle" ab. Ein elektrischer Hilfsmotor unterstützt den Radler nur solange dieser in die Pedale tritt. Das Fahrrad darf nicht mehr als 250 Watt Leistung bereitstellen und nicht schneller als 25 km/h sein.

In vielen Bundesländern ist für Pedelecs mindestens die Mofa-Prüfbescheinigung erforderlich. Sie steht Fahrern ab 15 Jahren offen und umfasst eine theoretische und praktische Ausbildung sowie eine Theorie-Prüfung. Personen, die vor dem 01. April 1965 geboren wurden, benötigen aber lediglich einen Personalausweis. Die Mofa-Prüfbescheinigung ist in den Motorradführerscheinen A, A1 und A2 sowie im Pkw-Führerschein der Klasse B (früher Klasse 3) enthalten.

Für Pedelecs ist nur dann keine eigene Haftpflichtversicherung notwendig, wenn sie in der Privathaftpflicht enthalten ist. Oft sind in alten Verträgen Elektroräder aber nicht enthalten. Dann ist eine schriftliche Bestätigung vom Versicherer anzufordern, dass Pedelecs im Vertrag eingeschlossen sind.

Es besteht keine Helmpflicht.

S-Pedelecs

Schnelle Pedelecs sind sogenannte "S-Pedelecs", auch Schweizer Klasse genannt. Sie unterstützen den Fahrer durch den bis zu 500 Watt starken Elektromotor bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Auch hier arbeitet der Motor nur, wenn der Fahrer in die Pedale tritt.

Für den Betrieb ist bei S-Pedelecs ein Versicherungskennzeichen erforderlich. Im Straßenverkehr benötigt der Fahrer die Fahrerlaubnis für Kleinkrafträder der Klasse M. Seit 19. Januar 2013 heißt diese Klasse AM und ist in den Motorradführerscheinen sowie im Pkw-Führerschein der Klasse B (früher Klasse 3) enthalten. Die Klasse AM steht Personen ab 16 Jahren offen und schließt sowohl eine theoretische als auch praktische Prüfung ein.

S-Pedelecs werden wie Kleinkrafträder eingestuft und dürfen nicht auf dem innerstädtischen Radwegnetz fahren. Außerhalb geschlossener Ortschaften dürfen S-Pedelecs nur Radwege benutzen, wenn diese durch das Zusatzschild "Mofas frei" für den Kraftverkehr freigegeben sind.

Es besteht Helmpflicht.

E-Bikes

Im Gegensatz zu Pedelecs und S-Pedelecs besitzen E-Bikes einen maximal 500 Watt starken Antrieb, der unabhängig vom Tritt in die Pedale funktioniert. Über einen Drehgriff oder Schalter am Lenker steuert der Fahrer die Motorleistung des bis zu 20 km/h schnellen E-Bikes. Höhere Geschwindigkeiten sind vom Tritt in die Pedale abhängig.

E-Bikes gelten wie S-Pedelecs als Kleinkraftrad und benötigen ein Versicherungskennzeichen sowie eine Betriebserlaubnis. Das Führen des E-Bikes setzt mindestens eine Mofa-Prüfbescheinigung voraus.

Es besteht Helmpflicht.

Mit mattschwarzen Kompakträdern versucht Winora aus Schweinfurt eine Zielgruppe anzusprechen, die auf den ersten Blick am wenigsten mit E-Bikes zu tun zu haben scheint: Junge Städter. Das Modell Radius ist gerade noch klein und mit 19,7 Kilogramm tragbar genug, um es mit ins Büro oder die Wohnung hoch zu nehmen, selbst wenn kein Fahrstuhl da ist.

Der Trend, das neue Hightech-Rad nahtlos in den Alltag zu integrieren, macht auch nicht vor der Kleidung halt. Radfahrer sein, doch nicht nach Radtour aussehen – das ist der Wunsch vieler Menschen, die täglich auf zwei Rädern zur Arbeit fahren. Regenjacken wie Cyclist Jacket von Vaude Sport sollen eine Brücke schlagen zwischen Regendichtigkeit und ansprechendem Äußerem. Das Equipment soll Teil der üblichen Lebenswelt sein.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×