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10.09.2011

15:15 Uhr

Finanzierung

Was Oldtimer kosten

Oldtimer mit H-Kennzeichen können günstig sein. Das gilt für Versicherung und Steuer - und bei speziellen Finanzierungskonstruktionen auch für die Anschaffung.

Oldtimer im Meilenwerk: Die Liebhaberei gibt es nicht zum Nulltarif, aber teils doch günstiger als bei Neuwagen. Quelle: Judith Wagner für Handelsblatt

Oldtimer im Meilenwerk: Die Liebhaberei gibt es nicht zum Nulltarif, aber teils doch günstiger als bei Neuwagen.

DüsseldorfFür Fahrzeuge, die zum Zulassungszeitpunkt mindestens 30 Jahre alt sind und deren Besitzer über ein aktuelles Gutachten zur Erlangung des H-Kennzeichens verfügen, bieten zahlreiche Versicherer Sondertarife an, die zwar eine Begrenzung bei der Kilometerzahl vorschreiben (meist 8.000 km/Jahr), ansonsten aber deutlich unter den Tarifen liegen, zu denen sie jüngere Autos versichern. So kostet etwa ein Land Rover 88 Serie IIa des Baujahrs 1965 bei der Allianz 104 Euro Jahresbeitrag. Voraussetzung ist aber auch ein fester Stellplatz und ein weiteres zugelassenes (Alltags-)Fahrzeug.

Weil der Gesetzgeber alte Automobile als erhaltenswertes Kulturgut einstuft, hat er sich außerdem erweichen lassen, Oldtimer günstiger zu besteuern. Ein Fahrzeug, das älter ist als 30 Jahre, im Jahr 2011 also auch eine Erstzulassung von 1981, und sich in einem geprüft unveränderten, annehmbaren Zustand befindet (siehe Kasten am Textende) erhält ein historisches bzw. H-Kennzeichen. Damit muss der Besitzer nur noch 192 Steuer im Jahr entrichten, ganz gleich ob unter der Motorhaube ein Drei-Liter-Sechszylinder oder ein rund 300 PS starker V8 seinen Dienst verrichtet - und unabhängig davon, wie viel Abgas aus dem Auspuff strömt.

Eine Abgasuntersuchung bei der zweijährlichen TÜV-Prüfung entfällt, für besonders alte Fahrzeuge gilt noch nicht mal die Gurt- bzw. Anschnallpflicht. Eine rote, gelbe oder grüne Plakette für die Einfahrt in die Umweltzonen wird nicht benötigt bzw. erteilt, sie ist quasi im H-Kennzeichen enthalten.

Leasing als Variante für Selbstständige

Darüber hinaus lässt sich noch eine finanziell interessante Variante des Oldtimer-Fahrens durchrechnen. das Leasen. Wer sich zum Beispiel in einen Austin Healey Mk II verliebt hat, könne mit dem "Auto unterm Arm" zu ihm kommen, sagt marcus Keller von Leasconcept.

Austin Healey, Baujahr 1959: Große Nachfrage, als an den Finanzmärkten die Hölle los war. Quelle: Imago

Austin Healey, Baujahr 1959: Große Nachfrage, als an den Finanzmärkten die Hölle los war.

Die Firma schätzt den Kaufpreis des Fahrzeugs, in dem Fall des unverfälschten britischen Sportwagenklassikers wären das etwa 50.000 Euro. Für knapp 1.000 Euro im Monat lässt sich der Wagen inklusive Umsatzsteuer leasen, ohne dass er bei einem Selbstständigen zum Betriebsvermögen zählen würde und mitversteuert werden muss.

Nach vier Jahren kann der Wagen dann zu einem Restwert von 20.000 Euro übernommen werden, ist aber tatsächlich weiter seine 50.000 Euro wert, oder hat sogar im Wert noch zugelegt, entsprechende Pflege vorausgesetzt.

Eine Dienstwagensteuer wird jedoch allenfalls in Höhe des Neuwagenpreises fällig. Im Fall des Austin Healey betrug der Kaufpreis in den 60er Jahren 12.000 Mark. Das entspricht 6.000 Euro, womit dann 60 Euro an Steuern fällig würden.

Keller berichtet von einem regen Geschäft, vor allem wen an den Finanzmärkten mal wieder die Hölle los ist. Während die Neuwagen-Leasingabteilungen ächzen, weil sie mit zu hohen Restwerten für die zurückgegebenen Autos kalkuliert haben, boomt das Geschäft mit den geleasten Klassikern.

Oldtimer und ihre Bewertung

Kein Oldie ohne Bewertung

Bei der Oldtimerbewertung wird der Wert des Fahrzeugs ermittelt werden, der auch als Grundlage für die Versicherungseinstufung benötigt wird. Sie ist auch Voraussetzung, um ein gültiges Kennzeichen zu erhalten. Für den Kauf und Verkauf historischer Fahrzeuge bietet das Untersuchungsergebnis neben der aktuellen Ankaufsuntersuchung die gebräuchlichste und aussagekräftigste Grundlage.

Während bei einer “normalen” Gebrauchtwagenbewertung in erster Linie Baujahr und Laufleistung von Bedeutung sind, ist bei Oldtimern das entscheidende Kriterium der Pflege- und Erhaltungszustand des Fahrzeugs. Die Fahrzeugbewertung erfolgt in Form von Noten von 1 bis 5, die zuletzt 2007 von Classic Data überarbeitet wurden.

Note 1

Makelloser Zustand. Keinerlei Mängel an Technik, Optik und Historie. Ein (dokumentiert!) originales Fahrzeug der absoluten Spitzenklasse. Oder ein komplett und perfekt restauriertes Spitzenfahrzeug im Zustand wie neu (oder besser). Sehr selten!

Die Anmerkung "oder besser" ist ein Hinweis auf die Möglichkeiten modernster Restaurierungsmethoden. Duch die heutigen technischen Möglichkeiten (Schweißarbeiten, computergestützte Messtechniken) sowie den veränderten Materialien (Lack, Oberflächenveredelung) und einen umfangreichen Korrosionsschutz kann ein komplett restauriertes Fahrzeug den Zustand der Erstauslieferung übertreffen. Für Originalitätsliebhaber ist dies aber nicht erstrebenswert.

Note 2

Entweder seltener, unrestaurierter Original-Zustand oder fachgerecht restauriert. Technisch und optisch mängelfrei, aber mit leichten (!) Gebrauchsspuren. Keine fehlenden oder zusätzlich montierten Teile. Ausnahme: Wenn es die StVZO verlangt.

Leider kommt es gerade bei der Note 2, immer wieder zu Missverständnissen, weil viele Anbieter - teils aus Berechnung und teils aus Unwissenheit - ihrem Wagen eine viel zu gute Note geben, die vermeintlich der Schulnote "gut" entsprechen soll. Klar ist unter Experten aber, dass der "Zustand 2" ein nahezu optimal erhaltenes Fahrzeug charakterisiert.

Note 3

Gebrauchter Zustand. Normale Spuren der Jahre. Kleinere Mängel, aber voll fahrbereit und verkehrssicher. Keine Durchrostungen. Kein Reparaturstau und keine sofortigen Arbeiten notwendig. Nicht schön, aber gebrauchsfähig.

Note 4

Verbrauchter Zustand, eventuell teilrestauriert. Nur bedingt fahrbereit. Sofortige Arbeiten notwendig zur erfolgreichen Abnahme gem. § 29 StVZO. Leichtere bis mittlere Durchrostungen. Fahrzeug komplett in den Baugruppen aber nicht zwingend unbeschädigt. Einige kleinere Teile können aber fehlen oder defekt sein. Aber: immer noch relativ leicht zu reparieren (bzw. restaurieren).

Note 5

Nicht fahrbereit Schlecht restauriert bzw. teil- oder komplett zerlegt. Größere Investitionen nötig, da umfangreiche Arbeiten in allen Baugruppen erforderlich, aber grundsätzlich noch restaurierbar. Fehlende Teile, d.h. das Fahrzeug ist nicht zwingend komplett.

Ergänzungen

Wie auch bei Schulnoten sind "+" und "-" gestattet und üblich. Alle Noten müssen durch Sachverständigen-Gutachten belegt sein, und diese sollten möglichst aktuell sein. Im Zweifelsfall lieber ein neues Gutachten beauftragen bei den bekannten Prüf-Organisationen wie TÜV, Dekra, oder Classic Data.

Die Frage, ob ein Fahrzeug durch einen schweren Defekt (nicht fahrbereit) gleich um mehrere Noten fallen kann, ist umstritten. Im Zweifelsfall ist es besser, die notwendigen Reparaturkosten zu ermitteln, um sie dann vom Kaufpreis abzuziehen. Zugrunde gelegt wird dann der Marktwert ohne den wertmindernden Schaden.

Restauration

Auf den Wert eines Fahrzeuges hat auch die Art der Restauration einen entscheidenden Einfluß. Je originalgetreuer, desto höher die Chance einer Wertsteigerung. Umfangreiche Recherchen stehen am Anfang, um eine
fachgerechte Wiederherstellung zu garantieren. Eine saubere Dokumentation macht die Arbeiten transparent, die richtige Philosophie (ob in “Concours-Qualität, Wiederherstellung der technischen Funktion oder Modifikationen, um die Sicherheit etwa bei historischen Rennen zu verbessern) beeinflusst die Wertsteigerung.

Originalität

Entscheidend für die Originalität ist das richtige Fahrgestell. Matching Numbers (gleiche Nummern bei Motor und Chassis) sind bei Rennfahrzeugen weniger wichtig für den Wert als bei Strassen- und Sportwagen, weil bei Rennen und Grand Prix Veranstaltungen der Verschleiß höher war und während einer Saison auch leistungsgesteigerte Aggregate eingesetzt wurden. Wichtig: Dokumentierte Historie und Wartungsunterlagen des Fahrzeugs müssen langjährig und glaubhaft belegt sein.

Prominenz

Der Wert jedes Fahrzeuges wird durch seine Einzigartigkeit und Geschichte jedes einzelnen Automobils geprägt. Das gilt insbesondere für historische Rennwagen, bei denen Teilnahme, Erfolg an bedeutenden Rennen und bekannte Fahrer zählen, die sie bei solchen Veranstaltungen gesteuert haben. Entscheidend bei Vorbesitzern oder prominenten Fahrern für die Wertentwicklung ist die Beziehung zum Fahrzeug im Kontext mit der Geschichte von Markt, Marke und Fahrzeug.

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