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22.08.2012

10:58 Uhr

Ford GT 40

Das teuerste US-Auto aller Zeiten

Quelle:MID

Das teuerste je verkaufte US-Auto erzielte gerade die Rekordsumme von neun Millionen Euro. Den GT 40 setzte Steve McQueen 1971 für seinen Rennfilm "Le Mans" als Kamera-Auto ein. Ein Rückblick auf die Modellentwicklung.

Das ärgerte Enzo Ferrari mehr als einmal: 1964 schickte Ford erstmals den GT 40 an den Start bei den "24 Stunden von Le Mans".  Pressefoto

Das ärgerte Enzo Ferrari mehr als einmal: 1964 schickte Ford erstmals den GT 40 an den Start bei den "24 Stunden von Le Mans". 

DüsseldorfDer internationalen Rennsport in den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts kannte nur zwei Szenen: Europa mit dem Rest der Welt und die Vereinigten Staaten. In der Alten Welt, in Südamerika und Japan hatte sich längst die Formel 1 als wichtigste internationale Rennserie etabliert. Bei Langstreckenrennen blickte die Motorsportwelt geschlossen nach Le Mans. Racing in Amerika blieb eine lokale Erscheinung. Das wurmte einen der mächtigsten Männer im amerikanischen Autogeschäft.

Henry Ford II. verfolgte nicht nur die Popularität der internationalen Rennserie, die konsequent außerhalb der Vereinigten Staaten stattfand, er erkannte auch, wie sehr die erfolgreichen Marken den Absatz ihrer Serien-Modell mit sportlichen Erfolgen ankurbelte. Von diesem Image-Kuchen wollte der Massenhersteller sich eine dicke Scheibe abschneiden.

Der Ford GT40 1964 vor dem Transport nach Europa. Die "40" in der Modellbezeichnung bezogen sich auf die Höhe des Fahrzeugs in Inch. Das entspricht 1.029 Millimeter.  Pressefoto

Der Ford GT40 1964 vor dem Transport nach Europa. Die "40" in der Modellbezeichnung bezogen sich auf die Höhe des Fahrzeugs in Inch. Das entspricht 1.029 Millimeter. 

Somit beschloss Henry Ford II. 1962 mit seinem Unternehmen in den internationalen Rennsport einzusteigen. Mangels geeigneter eigener Entwicklungen und mit einem gut gefüllten Konto entschied sich der Auto-Tycoon aus dem amerikanischen Dearborn für das abgekürzte Verfahren. Er wollte einfach einen europäischen Hersteller mit entsprechenden Meriten kaufen. Das mit US-Dollars gut gefüllte Ford-Konto führte Enzo Ferrari ernsthaft in Versuchung.

Auch für 1965 hatte Ford am Konzept des GT 40 nichts geändert. Der V8 thronte in Mittelmotorlage. Vor der Achse ist das Spezialgetriebe von ZF erkennbar. Pressefoto

Auch für 1965 hatte Ford am Konzept des GT 40 nichts geändert. Der V8 thronte in Mittelmotorlage. Vor der Achse ist das Spezialgetriebe von ZF erkennbar.

Der legendäre Commendatore interessierte sich ausschließlich für den Rennsport und verdiente eigentlich mit der Kleinserienfertigung seiner Sportwagen nie genug, um seine Passion angemessen zu finanzieren. Der gerissene Taktiker aus Modena war bereit ,seine Firma an Ford zu verkaufen. Doch unter einer Bedingung: Er durfte weiterhin über die künftige Motorsportabteilung von "Ford Ferrari" herrschen. Ford erkannte den Pferdefuss und ließ 1963 die Verhandlung platzen.

Zwei der größten Ikonen des amerikanischen Rennsports siegten 1967 in Le Mans mit dem Ford GT: Dan Gurney (links) und A.J. Foyt. Pressefoto

Zwei der größten Ikonen des amerikanischen Rennsports siegten 1967 in Le Mans mit dem Ford GT: Dan Gurney (links) und A.J. Foyt.

Durch Verärgerung entsprechend motiviert, fasst Henry Ford II. den Entschluss, den bornierten Europäern mit ihren filigranen übertechnisierten Autochen und ihren Zwölfzylindermotörchen zu zeigen, was eine Harke made in USA ist. Ford wollte Ferrari vor allem in Le Mans vorführen. Seit 1960 siegten die Italiener in Frankreich in Serie. Für die Entwicklung des passenden Sportgeräts spielte Geld keine Rolle. Ford engagierte Spezialisten, die etwas von dem Job verstanden.

24 Stunden von Le Mans - Geschichte eines Rennklassikers

Historie

Die 24 Stunden von Le Mans werden seit 1923 gefahren. Autohersteller aus aller Welt nutzen das Rennen als Belastungsprobe für neu entwickelte Fahrzeuge und Automobiltechnik. Defekte am Wagen während des Wettbewerbs durften in den ersten Jahren ausschließlich von den Fahrern selbst behoben werden. Später gab es dann, wie auch aus der Formel 1 bekannt, Boxen, in denen sich Mechaniker um technische Probleme kümmern. Seit 2012 ist das Rennen Teil der Langstrecken-Weltmeisterschaft der FIA, dem internationalen Dachverband des Automobils.

Ziel des Rennens

Wer in Le Mans gewinnen möchte, muss binnen 24 Stunden die meisten Runden gedreht haben - und am Ende auch ins Ziel kommen. Traditionell beginnt das Rennen um 16:00 Uhr. Die letzten beiden Jahre war das Siegerfahrzeug ein Audi.

Fahrer-Teams

Beim diesjährigen Rennen gehen 55 Teams in vier Rennklassen an den Start. Seit 1985 besteht jedes Team aus drei Fahrern. Davor wechselten sich jeweils zwei Piloten während der 24 Stunden am Steuer ab.

Streckenprofil

Der Rundkurs in Le Mans ist 13,880 Kilometer lang und hat 21 Kurven. Die Strecke führt größtenteils über öffentliche Landstraßen, die nicht immer im allerbesten Zustand sind. Legendär ist die Le Mans vor allem wegen seiner Geraden. Auf der Ligne Droite des Hunaudières erreichten die Fahrer teilweise Geschwindigkeiten von über 400 km/h. Seit dem Einbau zweier Schikanen 1990 bringen es die Boliden auf dem Teilstück „nur“ noch auf rund 350 km/h in der Spitze.  

Rekorde I

Längste zurückgelegte Distanz
2010 legte das Fahrer-Trio Timo Bernhard, Romain Dumas und Mike Rockefeller in einem Audi R15 TDI Plus binnen 24 Stunden eine Strecke von 5410,71 Kilometer zurück.

Höchste Durchschnittsgeschwindigkeit in einer Runde
1985 fuhr der deutsche Rennfahrer Hans Joachim Stuck die schnellste Qualifikationsrunde. Über den 13,6 Kilometer langen Parcours raste der Bayer mit durchschnittlich 251,815 km/h.

Rekorde II

Höchste Maximalgeschwindigkeit
1988 hatte der Fahrer Roger Dorchy auf der Ligne Droite des Hunaudières zeitweise 405 km/h auf dem Tacho, die höchste, jemals auf dieser Strecke gemessene Geschwindigkeit. Das wird wohl auch so bleiben. Seit 1990 verhindern zwei Schikanen eine ähnlich hohe Tempofahrt.

Höchste Zuschauerzahl
2008 säumten über 250.000 Autorennfans die Strecke in Le Mans.

Erfolgreichster Fahrer

Der erfolgreichste Fahrer seit Beginn des Langestreckenrennens ist Tom Kristensen. Der Däne sah zwischen 1997 und 2008 insgesamt acht Mal nach 24 Stunden als erster die schwarz-weiß karierte Zielflagge.

Erste und letzte Gewinner

Die Premiere des 24-Stunden-Rennens gewannen zwei Franzosen. 1923 fuhren André Lagache und René Léonard mit ihrem Chenard & Walcker Sport als erster über die Ziellinie. Zuletzt sicherte sich 2011 ein Trio um den Deutschen Andre Lotterer im Audi R18 den Titel.

Größte Tragödie

1955 war ein schwarzer Tag für Fahrer, Fans und Veranstalter. Auf der Zielgeraden raste der Franzose Pierre Levegh auf das Heck des vor ihm fahrenden Briten Lance Mackli. Leveghs Mercedes hob ab und überschlug sich. Dabei wurden unter anderem die Motorhaube und die Frontachse in die Zuschauertribüne geschleudert. 84 Menschen kamen ums Leben, darunter auch der Franzose selbst.

Hollywood-Star unter den Fahrern

1979 ging der 2008 verstorbene Hollywood-Schauspieler Paul Newman in Le Mans an den Start. Nach 24 Stunden überquerte der Oskar-Preisträger in einem Porsche 935 als zweiter die Ziellinie. Allerdings wurde der Großteil des Rennens von seinem Partner Rolf Stommeln gefahren.

Le Mans im Film

Apropos Hollywood: Le Mans war bereits zweimal Thema von Kinofilmen. 1970 drehte Steve Mc Queen einen Streifen rund um das legendäre Langstreckenrennen. 2002 war es Luc Besson, der die Kulisse für seine Verfilmung der Comic-Serie Michel Vaillant nutzte. Einige Szenen wurden live während des Rennens gedreht. Besson setzte hierfür professionelle Fahrer ein – eine Sicherheits-Auflage des Veranstalters.

John Weyer verließ als Projektleiter Aston Martin und Eric Bradley kam von Lola, wo bereits Ford-V8-Motoren zum Renneinsatz gekommen waren. Das Ergebnis der intensiven Bemühungen erschien 1964 als GT 40. "GT" stand für "Grand Tourismo", die "40" für die Fahrzeughöhe in Inch, was 1 029 Millimetern entspricht.

Henry Ford II. musste 1967 seinen Besuch in Le Mans nicht bereuen. Er konnte den Sieg der US-Rennlegenden Dan Gurney und A.J. Foyt bejubeln. Pressefoto

Henry Ford II. musste 1967 seinen Besuch in Le Mans nicht bereuen. Er konnte den Sieg der US-Rennlegenden Dan Gurney und A.J. Foyt bejubeln.

Der 4,04 Meter lange Bolide brachte 908 Kilo auf die Wage und verfügte über einen V8-Motor mit 4,7 Liter Hubraum in Mittelmotorlage aus dem Ford Mustang. Die Karosserie, deren Form auf Anhieb den Sprung unter die zeitlos schönen Klassiker schaffte, spannte sich über einen stabilen Rahmen aus Stahl. Die vor der Hinterachse verbaute Kraftübertragung lieferte der deutsche Spezialist ZF aus Friedrichshafen. Die Premiere des Ford GT 40 im Mai 1964 verlief vielversprechend.

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