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17.02.2014

11:20 Uhr

Guy Newmark und sein Porsche 356

Die Liebe seines Lebens

VonBenjamin Bessinger
Quelle:Spotpress

Andere wechseln ihr Auto wie die Wohnung oder ihre Frau. Guy Newmark nicht. Seinen Porsche 356 fährt er seit über 40 Jahren jeden Tag. Bald wird diese Treue gefeiert: Dann knackt der Oldie die Millionen-Meilen-Marke.

Panorama: Guy Newmark und sein Porsche 356 - Die Liebe seines Lebens SP-X/Benjamin Bessinger

Fast eine Million Meilen auf dem Tacho: Der Porsche 356 von Guy Newmark

Schön langsam, immer viel Abstand halten, bloß niemandem die Vorfahrt nehmen, lieber einmal zu oft stehen bleiben und immer ein Auge im Rückspiegel – keiner fährt so defensiv durch den Feierabendverkehr von Manhattan Beach wie Guy Newmark. Aber der Yachtbroker aus dem Küstenort am Stadtrand von Los Angeles sitzt schließlich nicht in irgendeinem Auto.

Newmark fährt den womöglich dienstältesten Porsche der Welt: 984.000 Meilen (1,58 Millionen Kilometer) hat sein königsblauer 356 schon abgespult und täglich werden es mehr. Bis der Wagen im Oktober seinen 50. Geburtstag feiert, will Newmark die Millionen-Marke geknackt haben.

Obwohl das zierliche Coupé längst in ein Museum oder zumindest in eine klimatisierte Garage gehört, fährt er deshalb noch immer jeden Tag – und denkt gar nicht daran, sich jemals in ein anderes Auto zu setzen.

Stattdessen schamponiert er den Wagen lieber alle zwei Wochen von Hand ein und poliert ihn solange, dass die Radkappen mittlerweile schon fast blank sind. Er macht alle 3000 Meilen einen Ölwechsel an dem 1,6 Liter großen Boxer-Motor. Der klingt zwar ein bisschen asthmatisch und bringt mit seinen 75 PS weniger Leistung als mancher Rasenmäher in der Nachbarschaft, hat aber mit dem fliegengewichtigen Coupé beim heißen Ritt durch die Hollywood Hills noch immer leichtes Spiel.

Und er bringt ihn seit Urzeiten zum immer gleichen Mechaniker. Sein Schrauber hat zwar keine offizielle Porsche-Lizenz, räumt Newmark ein: „Aber er kennt den Wagen mittlerweile so gut wie der Hausarzt seine Patienten.“

Er war es auch, der den 356er in den letzten fünf Jahrzehnten mittlerweile zweimal neu lackiert hat. Auf sein Konto geht das neue Innenleben, das Newmark vor 25 Jahren bestellt hat, nachdem die dünnen Ledersessel gar vollends durchgesessen und die Teppiche im Fußraum fast zerfasert waren. Er hat alle 200.000 Meilen den Motor komplett zerlegt, alle Einzelteile kontrolliert und wie ein Uhrwerk wieder zusammen gebaut.

Und er war es auch, der den kapitalen Motorschaden repariert hat, als Newmark bei 800.000 Meilen die Kurbelwelle verloren hat. „Das war übrigens die einzige Panne, die ich in all den Jahren hatte“, erinnert sich der sportliche Senior bei der gemeinsamen Ausfahrt im Oldtimer. „Nicht einmal ein Reifen ist mir geplatzt.“

Und Gelegenheit dazu hätte es reichlich gegeben. Denn die allermeisten Meilen, die der Sportwagen mittlerweile abgespult hat, gehen auf Newmarks Konto. Mit nicht einmal 1.000 Meilen hat ihn sein Vater damals von einem Handlungsreisenden gekauft, der den Porsche als Souvenir von einem Deutschlandurlaub mitgebracht und ihn für seine Fahrten kreuz und quer durchs Land dann doch zu unbequem gefunden hatte.

Und als der Herr Papa dann irgendwann auf den damals neuen 911 umsatteln wollte, ging der 356er vom Vater an den Sohn. Schließlich hatte der gerade den Highschool-Abschluss in der Tasche. „Da war ein Porsche doch genau das richtige Geschenk“, sagt der Siebziger, „selbst wenn es damals schon ein Gebrauchtwagen war und der Meilenzähler sicher schon bei 30.000, 40.000 stand.“

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Andreas Baader hat ihn geklaut, Jerry Seinfeld gesammelt, Walter Röhrl getestet, und Ferry Porsche hat ihn erfunden. Der 911 ist ein Mythos, und zum 50. Geburtstag bekommt er eine ungewöhnliche Liebeserklärung.

„Das ist jetzt über 40 Jahre her“, erinnert sich Newmark, der seitdem nie ein anderes Auto besessen und selbst damals alle weiteren Avancen seines Vaters abgelehnt hat. Dabei hatte der regelmäßig neue Porsche-Modelle gekauft und die alten immer seinem Junior angeboten – vergebens. Zu verliebt war Newmark vom ersten Blick an in die zeitlos elegante und trotzdem so schlichte Form des Coupés und zu gern ist er mit dem Porsche kreuz und quer durchs Land gefahren.

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