Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.08.2013

10:41 Uhr

Harley-Davidson

Mehr Drehmoment und ein Dreirad

Quelle:MID

Stärker, funktionaler, komfortabler und stilvoller: Neben überarbeiteten Sportster- und Dyna-Modellen geht eine völlig neue Generation der Harley-Davidson Touring-Baureihe 2014 an den Start.

Harley-Davidson 2014: Die neue Touring-Generation startet bei 23.185 Euro. PR

Harley-Davidson 2014: Die neue Touring-Generation startet bei 23.185 Euro.

GrafschaftEine völlig neue Generation der Harley-Davidson-Touring-Baureihe geht in der kommenden Motorradsaison an den Start. Damit will der Hersteller die Modelle Road King Classic, Street Glide, Ultra Classic Electra Glide und Electra Glide Ultra Limited noch stärker, funktionaler, komfortabler und stilvoller präsentieren. Zu den wichtigsten Details gehört der neue "103"-Motor mit neuen Nockenwellen und neuem Luftfilter für mehr Drehmoment bei niedrigen und mittleren Drehzahlen. Bei den Electra Glide-Modellen Ultra Classic und Ultra Limited kommt eine rund um die Auslassventile im Zylinderkopf angebrachte, zusätzliche Flüssigkeitskühlung hinzu. Auch die Kupplung mit hydraulischer Unterstützung ist neu.

110 Jahre Motorrad-Kultmarke: „Harley-Fahrer sind totale Weicheier“

110 Jahre Motorrad-Kultmarke

„Harley-Fahrer sind totale Weicheier“

Harley-Davidson verkauft sich prächtig. Typische Fahrer sind aber längst nicht mehr tätowierte Rocker, sondern gealterte Zahnärzte. Warum die Marke noch blüht – aber dem Tod geweiht ist.

Das serienmäßige Antiblockiersystem erhält in der Touring-Familie eine elektronische Bremskraftverteilung, mit der die Bremskräfte ab einem Tempo von 40 km/h optimal auf Vorder- und Hinterrad dosiert werden, unabhängig davon, ob der Fahrer nur die Vorder- oder nur die Hinterradbremse oder beide betätigt.

Weitere Änderungen betreffen die nun steifere 49-mm-Gabel. Je nach Modell gibt es zudem Halogen-Doppelscheinwerfer oder neue LED-Scheinwerfer. Modellspezifisch sorgen neue Infotainmentsysteme mit großem Farbbildschirm, hochwertigem Audioteil, Bluetooth-Konnektivität, Spracherkennung, Navigationssystem und Gegensprechanlage für mehr Information und bessere Unterhaltung.

Harley-Davidson XL1200V des Jahrgangs 2014. PR

Harley-Davidson XL1200V des Jahrgangs 2014.

An der geänderten Batwing-Verkleidung gibt es jetzt einen Splitstream-Luftkanal, der die Verwirbelungen im Kopfbereich reduziert. Die modifizierte Form von Sitzbank und Lehnen verbessert den Beifahrer-Komfort, die Koffer bieten mehr Stauraum bei einfacherer Bedienung. Schlankere Kotflügel und leichtere Gussräder zählen ebenso zu den Modellpflegemaßnahmen wie besser ablesbare Anzeigeinstrumente und praxisgerechtere Lenkerarmaturen.

Buchtipp Harley-Davidson Reader: Von Arschlochschaltungen und Selbstmordkupplungen

Buchtipp Harley-Davidson Reader

Von Arschlochschaltungen und Selbstmordkupplungen

Die verrückte Liebe zur brüllend lauten Mixtur aus Sofa und Rakete verbindet Harley-Davidson-Fans schon seit 110 Jahren. Wer wissen will, was es mit dem Mythos auf sich hat, findet in einem Buch ungewöhnliche Antworten.

Die neuen Modelle sind ab sofort bestellbar. Die Preise beginnen in Deutschland bei 23.185 Euro für die Road King Classic. Öffentlich stellt Harley-Davidson die Maschinen bei den deutschen Vertragshändlern am 14. September 2013 vor.

Eine umfangreiche technische und optische Modellpflege erhielten neben den Touring-Modellen auch die Sportster-Modelle und die Dyna-Familie des Modelljahrgang 2014. Die Kultmarke bietet nun 25 Serienmotorräder, ein Trike und vier aufwendig individualisierte CVO-Sondermodelle an.

Kurze Harley-Fahrer-Typologie

Viel mehr als nur Bad Boys

In seinem Aufsatz "Magie einer Marke" greift der Hamburger Soziologe Kai-Uwe Hellmann eine eingängige Typisierung verschiedener Gruppen von Harley-Davidson-Fahrern auf, von der leider nicht belegt ist, aus welcher Quelle sie stammt. Unterhaltsam und zutreffend ist ist allemal, auch wenn es einigen Harley-Fahrern nicht gefallen wird ...

MOPS

MOPS steht für „mom-and-pops-bikers“: Paare, die ihre Harley als normales Transportmittel benutzen.

RUBS

RUBS sind „Rich Urban Bikers“: vorwiegend Männer, die sich mit Blick auf ihr fortgeschrittenes Alter und vor dem Hintergrund ihres beruflichen Erfolgs (Anwälte, Broker, Ärzte etc.) eine Harley (problemlos) leisten
(können), um das Lebensgefühl der Teenager und Outlaws nochmals in sich aufleben zu lassen.

SEWERS

SEWERS steht für „Suburban Weekend Riders“: Vorstadtbewohner, die unter der Woche ein ganz normales Leben führen, in den weitverzweigten „suburbs“ mit den vielen gleich aussehenden Einfamilienhäusern wohnen und zum Wochenende ihre Harley aus der Garage holen, um eine kleine Spritztour zum nächsten Harley-Treffpunkt zu machen.

RIOTS

„Retired Idiots On Tour”: zumeist ältere Personen, die ihren verdienten Ruhestand dazu nutzen, ihre Freizeit und ihre finanzielle Abgesichertheit zu genießen, indem sie sich eine Harley kaufen und längere Überlandfahrten machen.

MUGWUMPS

MUGWUMPS („My Ugly Goldwing Was Upsetting My Peers”): ehemalige Fahrer einer Honda Goldwing, deren Behäbigkeit und betuliches Image im Bekanntenkreis auf wenig Gegenliebe gestoßen ist, weshalb sie sich zu einem Markenwechsel genötigt sahen.

AHABS

„Aspiring Hardass Bikers”: Vermutlich handelt es sich hierbei um Harley-Fahrer, die vorgeben, besonders lange Fahrten übers Land zu unternehmen, mit den entsprechenden Folgen fürs eigene Gesäß.

BASTARDS

„Bought A Sportser, Therefore a Radical Dude”: Diese Bezeichnung betrifft das prätentiöse Gehabe mancher Harley-Fahrer, die sich durch den Besitz einer solchen Maschine im antibürgerlichen Image der Harley-Kultur sonnen.

IGLOOS

„I got the look, Own one Soon”: Personen, die zwar gerne eine Harley hätten, sich aber keine leisten können und sich statt dessen durch entsprechende Kleidungsstücke und die zugehörigen Accessoires schmücken, um den Anschein von Harley-Besitz und H.O.G.-Zugehörigkeit zu erwecken; siehe auch HOOTS ...

HOOTS

„Have one Ordered, True Story”: HOOTS sind den IGLOOS sehr ähnlich, nur begnügen diese sich mit der nur vorgetäuschten Tatsache, dass sie demnächst eine Harley besitzen werden, deren Bestellung schon erfolgt
ist.

So bekamen nun auch die Sportster das ABS im Rahmen der Überarbeitung serienmäßig, nur bei der Iron 883 bleibt der Blockierverhinderer eine Option. Der Hersteller hat die Bremsanlage jedoch komplett erneuert. Ebenfalls neu sind die Auspuffanlage, die Fahrzeugelektrik mit CAN-Datenbussystem und die Lenkerarmaturen. Im Tachometer zeigt das geänderte LCD-Display nun den eingelegten Gang und die Drehzahl an. Wegfahrsperre und Alarmanlage erhielten ein System zum schlüssellosen Starten des Motors. Die Preise der in elf neuen Farbvarianten erhältlichen Modellfamilie starten bei 8.955 Euro.

Harley-Davidson FXDF-1 PR

Harley-Davidson FXDF-1

Eine wichtige Änderung zeigt sich in der Dyna-Familie: Der 1.690 ccm große Motor "Twin Cam 103" kommt beim Modelljahrgang 2014 auch bei den Modellen Street Bob und Super Glide Custom zum Einsatz. Der Dyna Fat Bob kam eine besonders umfangreiche Modellpflege mit neuem Tank-Dekor, schlankerem Kotflügel hinten samt integriertem LED-Rücklicht und bequemeren Sitzen zuteil. Modifiziert zeigen sich auch die Tankkonsole und die Schalldämpfer sowie die 16 Zoll großen Leichtmetallscheibenräder. Die Dyna Fat Bob ist in zwei neuen Farben ab 16.885 Euro erhältlich.

Die Geschichte von Harley-Davidson

Gründung

1903 beziehen die motorradbegeisterten Freunde William S. "Bill" Harley und Arthur Davidson in Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin ihre erste eigene Werkstatt, ein Holzschuppen hinter dem Haus der Familie Davidson in Milwaukee. Dies ist die eigentliche Geburtsstunde der Harley-Davidson Motor Co., die offiziell erst 1907 gegründet wird. Die Brüder William A. Davidson und Walter Davidson kommen hinzu. Heute ist die Company börsennotiert und einer der ältesten Motorradhersteller der Welt, der immer noch produziert. Doch die Geschichte verlief ausgesprochen wechselhaft ...

Frühe Modelle

Anfang der 1900er-Jahre geht es auch bei den später sehr hubraumstarken Harley-Davidson-Modellen zunächst um kleine Einzylinder mit Riemenantrieb in einem fahrradähnlichen Rahmen. Gezündet wird per Batterie es gibt weder Kupplung noch Getriebe. Die Konstrukteure legten großen Wert auf Stabilität und Qualität, was den Maschinen den Ruf von zuverlässigen Alltagsgeräten einbrachte. Immer größer und erfolgreicher werdende Einzylinder baute Harley bis in die 1960er Jahre.

Der typische V2

Bereits 1909 und parallel zur Produktion der Einzylinder konstruierte Harley-Davidson den kompakt bauenden V2-Zweizylinder im 45-Grad-Winkel. 1914 kam beim Modell 10F erstmals ein 2-Gang-Getriebe sowie bei allen Modellen ein Kickstarter zum Einsatz, 1915 wurde ein 3-Gang-Getriebe (Modell 11F) und die elektrische Beleuchtung eingeführt.

Harley war zu diesem Zeitpunkt bei der US-Polizei und beim Militär schon gut im Geschäft, in den folgenden Jahren wurden die Maschinen auch für Sportfahrer immer interessanter ...

Flathead, Knucklehead, Panhead

1929 stellte Harley-Davidson mit dem Modell D ein neu konstruiertes Motorrad vor wobei die Schwinggabel durch die Springergabel ersetzt und erstmals Trommelbremsen vorne und hinten verbaut wurden. Der V-Motor, der unter der Bezeichnung Flathead bekannt wurde, war eine seitengesteuerte Variante die Harley-Davidson in verschiedenen Variationen - später in großen Stückzahlen für das Militär - bis 1948 produzierte.

1936 wurde der Flathead gründlich überarbeitet und erhielt hängende Ventile (OHV). Die neue Motorenreihe wurde bis 1947 parallel zu den Seitenventilern gebaut. Dieser Motor ist auf Grund seiner charakteristischen Konturen der Kipphebellagerung am Zylinderkopf als Knucklehead („Knöchelkopf“) bekannt. Motorräder mit diesen Motoren gehören heute zu den begehrtesten Oldtimern von Harley-Davidson.

1948 wurde der Knucklehead-Motor stark überarbeitet, Ölleitungen kamen nun nach innen. Auf den Zylinderköpfen befanden sich fortan verchromte, glattflächige Deckel, die dieser Motorengeneration den Namen Panhead („Pfannenkopf“) gaben.

Gabeln, Federn, Stößel

Ab 1952 war der Panhead-Antrieb wahlweise mit zeitgemäßer Handkupplung und Fußschaltung erhältlich. Seit 1948 sorgten wartungsfreie Hydrostößel für einen automatischen Ventilspielausgleich. 1949 wurde bei der Hydra-Glide erstmals eine hydraulische Teleskopgabel bei Harley-Davidson verbaut. Die bislang übliche Springergabel, eine geschobene Kurzschwinge, blieb bei anderen Modellen bis 1953 im Programm. In den 1990er Jahren wurde gegen Aufpreis die Springergabel bei Retro-Modellen angeboten; beim Customizing wird die Springergabel auch heute noch verbaut. 1958 führte Harley-Davidson bei der Duo-Glide erstmals die Hinterradfederung ein, bei den Sportster-Modellen ein Jahr zuvor.

K, Sportster und Shovelhead

1952 stellte Harley-Davidson ein neues sportliches Modell vor. Die ersten K-Motoren waren Flathead-Motoren mit 742 cm³ Hubraum sowie überarbeitetem Zylinderkopf. Die Leistung des seitengesteuerten Motors wurde mit 30 PS angegeben. Bis 1956 blieben die K-Modelle im Programm, sie gelten als Vorläufer der Sportster-Motoren.

1957 wurde der Sportster-Antrieb als kleinerer Motor mit sportlichem Charakter entwickelt, um britischen Herstellern wie Norton, BSA und Triumph Paroli zu bieten. Die Sportster dominierten den US-Bahnsport (Flattrack, Dirt track) und galten als das erste US-amerikanische „Superbike“.

Ab 1965 kamen auch Harley-Fahrer mit der ersten „Electra Glide“ (noch mit Pan-Motor) in den Genuss eines komfortablen elektrischen Anlassers.

1966 war das Geburtsjahr des „Shovelhead“-Motors, dessen Name wieder auf die Form der Zylinderkopf-Abdeckung zurückging. Er litt unter häufigen Motordefekten durch Lagerschäden, die durch schlampige Verarbeitung und überalterte Fertigungsmaschinen hervorgerufen wurde. Lichtmaschine und Getriebe hatten eine Lebensdauer von 37.000 km, es konnte zu einem Ölverbrauch von einem Liter auf 400 - 700 km kommen. Öleintritt in der Trockenkupplung war „zeitlebens dieser Konstruktion ein Problem“.

Große Krise in den besten Motorradjahren

Technisch waren in den 1960er Jahren weder die italienischen Aermacchi- noch die US-Modelle auf der Höhe der Zeit, die Verkaufszahlen sanken. Die Umwandlung in eine AG (1965) brachte frisches Kapital, aber keine dauerhafte Besserung. Rettung in der Not versprach der Mischkonzern AMF (American Machine and Foundry Company) im Januar 1969, doch Missmanagement durch teils branchenfremde Chefs ließen HD dauerhaft in Turbulenzen bleiben. Der stärker aufkommenden japanischen Motorradindustrie hatte man kaum noch etwas entgegenzusetzen.

Die Belegschaft wurde angesichts des fragwürdigen Managements unzufriedener, die Produktqualität sank, es kam zu Streiks, AMF drohte Schließung. Stattdessen kam es 1981 zu einem Management-Buy-out, doch das einst blühende Unternehmen hatte sich inmitten eines boomenden Motorradmarktes zum Sanierungsfall entwickelt. Hohe Produktionskosten, eine veraltete und nicht marktgerechte Produktpalette und Qualitätsmängel hatten zu einem erheblichen Imageverlust geführt. Demgegenüber verzeichneten die japanischen Motorradhersteller ein kräftiges Wachstum und erzielten Rekordgewinne - sie hatten die Wandlung des Motorrades vom ehemals kostengünstigen „Transportmittel des kleinen Mannes“ hin zum trendigen Lifestyleprodukt gestaltet.

Porsche greift in den Motor ein

1984 stellte Harley-Davidson mit dem Evolution-Motor (kurz: „Evo“) erstmals einen vollständig aus Leichtmetall gefertigten Antrieb vor, der von Porsche in Weissach entwickelt worden war. Der Evolution-Motor war damit seit langer Zeit die erste werkstofftechnisch zeitgemäße Motorenkonstruktion von Harley-Davidson. Der luftgekühlte Zweizylinder-V-Motor mit 1.338 cm³ darf als erster vollgasfester Motor des Hauses gelten.

Marken-Community und Imagewechsel

Die Sanierung dauerte und umfasste neben der Einführung neuer Motoren und Modelle u.a. eine Reorganisation des Managements und den Abbau von 43 Prozent der Arbeitsplätze auf nur noch 2.000 Mitarbeiter. Viele Produktionsmethoden wurden überdacht und strikte Qualitätskontrollen eingeführt. Mit dem stärkeren Wiedereintritt der Familie ins Unternehmen wurde 1983 die Harley Owners Group (H.O.G.) gegründet, der erste unternehmensgeförderte Motorradclub. Man erinnerte sich in Zeiten der Not an den wichtigen Zusammenhalt der Harley-Familie, betonte im Marketing nun fast ausschließlich historische und traditionelle Werte. 1986 ging das Unternehmen an die Börse, um mit neuem Kapital einen wirtschaftlichen Aufschwung herbeizuführen. Die Umsätze stiegen in den Folgejahren durchschnittlich um 18 Prozent jährlich.

Der Weg zur Kultmarke

Statt in den 1980er Jahren mit den Japanern auf dem Gebiet technologischer Fortschritte zu konkurrieren, stellte Harley-Davidson mit seiner neuen Werbestrategie in erster Linie den Charakter und Erlebniswert der Produkte in den Vordergrund. Der Mythos des amerikanischen Traums von Freiheit und Abenteuer und die Zugehörigkeit zur großen „Harley-Davidson-Familie“, wird ergänzt durch eine Produktausweitung auf Motorrad- und Freizeitkleidung, Wohn- und Geschenkartikel und den Individualisierungstrend der Marke, der gezielt durch das Customizing angesprochen wird.

Harley-Davidson wurde gerade weil der Hersteller „Retro-Motorräder“ mit der Technik der 1940er Jahre anbietet, endgültig zur Kultmarke und positioniert seine Produkte im (preislichen) Premium-Sektor. Für Harley-Käufer, deren Durchschnittsalter bei 47 Jahren liegt, sind es nicht einfach nur Motorräder sondern Kunstwerke.

Twin Cam und VRSC

1999 wurde der Evo-Motor der „Big Twins“ durch die neue Motorengeneration Twin Cam 88 abgelöst. Diese war notwendig geworden, da abermals Emissions- und Geräuschgrenzwerte und die darauf folgenden Modifikationen die Leistung der bisherigen Motoren immer weiter reduzierten. Späte Evo-Harleys hatten ab Werk nur noch etwa 50 PS, ein Manko insbesondere angesichts des durchschnittlichen Gewichts von deutlich über 300 Kilo im fahrfertigen Zustand. Zum Modelljahr 2007 brachte Harley-Davidson eine stark überarbeitete Version des Twin-Cam-88-Motors, den Twin Cam 96-Motor, in den Dyna- und Touring-Baureihen auf den Markt.

2002 begründete Harley-Davidson mit dem neu vorgestellten Revolution-Motor die VRSC-Modellreihe (VRSC = V Racing Street Custom); der VRSC-Motor wurde von Porsche entwickelt. Harley und Porsche gründeten für den Motorenbau ein Gemeinschaftsunternehmen, bei dem Porsche 49 Prozent der Anteile erhielt.

Es handelt sich zwar auch hier um einen V2, doch abweichend vom „klassischen“ Harley-Konzept ist er flüssigkeitsgekühlt und weist einen Zylinderwinkel von 60 Grad auf. Ein 1.250 cm³-Motor produziert eine Nennleistung von bis zu 92 kW (125 PS) und ein maximales Drehmoment von 115 Nm.

Buell und MV Agusta

1993 übernahm Harley-Davidson 49% der Geschäftsanteile des Motorradherstellers Buell, der Harley-Motoren hinsichtlich der Leistung weiterentwickelte und diese in eigene sportliche Rahmen einbaute. Das erste gemeinsame Motorrad war die 218 kg leichte Buell S2 mit dem 1.200er Sportster-Motor der 76 PS leistete. Im Oktober 2009 schloss überraschend Harley-Davidson die Motorradfabrikation von Buell.

Auch die andere Beteiligung war kein Erfolg: Harley-Davidson hatte 2008 den italienischen Motorradhersteller MV Agusta für 70 Millionen Euro inklusive der Bankschulden übernommen. Claudio Castiglioni, früherer Besitzer von MV Agusta, kaufte 2010 die Marke zurück. Angeblich für 3 Euro.

Aktuelle Zahlen

Harley-Händler verkauften im ersten Quartal 2013 weltweit 54.300 der Maschinen, das waren 9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Auf dem wichtigsten Markt USA fiel der Absatz um 13 Prozent. Der Hersteller lieferte 74.200 Stück aus und damit 17 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das trieb den Umsatz der Kultmarke aus Milwaukee um 10 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar in die Höhe und sorgte für ein Gewinnplus von 30 Prozent auf unterm Strich 224 Millionen Dollar (171 Millionen Euro).

Neu im Portfolio der Custom Vehicle Operations-Motorräder ist die CVO Softtail Deluxe in streng limitierter Stückzahl für 30.435 Euro. Der Hersteller verspricht eine "clevere Technologie für die große Reise" für diese Maschine der Werks-Tuningabteilung. Neu im deutschen Vertriebsprogramm ist zudem die ab 36.385 Euro teure Tri Glide Ultra Classic, ein von vornherein als dreirädriges Fahrzeug konzipiertes Gerät, das ebenso wie die anderen 2014er-Modelle ab dem 14.September bei den deutschen Vertragshändlern steht und ab sofort bestellbar ist.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Honigfalle

20.08.2013, 11:52 Uhr

Andere Hersteller widmen sich mehr der Moderne - Harley steht für retro in ueppigen Formen. Barock in Motorradkultur.

Barock hat aber viele Fans und ist eine Mode für sich.

BMW ist eher Moderne, aber hängt auch in der r1200gs Falle. Eine Honigfalle des Erfolges, die BMW ins boxer-retro zwingt.
BMW versucht aber auch ernsthaft in anderen Linien zu wachsen und hat nicht nur eine Mode im
Köcher. Harley ist hier wenig flexibel. Keine gute Zukunftsstrategie.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×