Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.08.2013

13:13 Uhr

IAA-Vorschau

Deutsche Autohersteller schalten den Strom an

Quelle:MID

Endlich schalten auch die deutschen Autohersteller beim Antrieb den Strom an. Das hilft, strengere CO2-Limits für die Fahrzeugflotte zu erfüllen. Schmecken wird es den Käufern nicht: Elektrifizierung treibt die Preise.

Mitsubishi präsentiert seinen Outlander PHEV auf der 65. IAA. Die Abkürzung "PHEV" steht für "Plug-in-Hybrid Electric Vehicle", also für einen Pkw, der Strom auch an der Haushaltssteckdose tankt. PR

Mitsubishi präsentiert seinen Outlander PHEV auf der 65. IAA. Die Abkürzung "PHEV" steht für "Plug-in-Hybrid Electric Vehicle", also für einen Pkw, der Strom auch an der Haushaltssteckdose tankt.

DüsseldorfEine Fülle von Hybrid- und Elektrofahrzeugen zeigen neben den Internationalen auch die deutschen Anbieter auf der IAA (Publikumstage: 12. bis 22. September) in Frankfurt. Hintergrund: Späteinsteigern drohen empfindliche Strafen, wenn sie als Autohersteller den für sie obligatorischen Flottendurchschnitt überschreiten. Schon der Grenzwert mit einem CO2-Ausstoß von 130 g/km – ein Verbrauch von 5,0 Liter Diesel oder 5,6 Liter Benzin je 100 Kilometer – bringt einige Hersteller ins Grübeln.

Der Durchschnittswert aller neu zugelassenen Pkw in Deutschland liegt derzeit mit 141,4 g CO2/km nahe am Limit, doch die 3,8 Prozent Verbrauchsreduzierung bei Neuwagen im Jahr 2011 konnten die Hersteller 2012 nicht erreichen. Verfehlen sie das CO2-Ziel schon 2015, wirken die Daumenschrauben der EU und es werden empfindliche Geldstrafen für die Automobilindustrie für jeden verkauften Pkw fällig.

Antriebsarten und ihre Abgaswerte

Motoren im Vergleich

Wie sehr ein Auto die Luft verpestet, hängt davon ab, was unter der Haube steckt. Denn je nach Motor stößt ein Wagen unterschiedlich viele Feinstaub-Partikel (PM) und Stickstoffdioxide (NO2) aus. Hier ein Überblick über das Abgasverhalten verschiedener Motoren.

Benzinmotoren

Moderne Benzinmotoren werden durch Direkteinspritzung zwar sparsamer gegenüber der Vergaser-Technik - und damit wird auch ihr CO2-Ausstoß gesenkt. Doch haben die Einspritzmotoren oft einen höheren Feinstaub-Ausstoß. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe stoßen sie eine sehr hohe Zahl an ultrafeinen Partikeln aus, die massive gesundheitliche Folgen für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System haben können. In der Untersuchung kam heraus: Benzinfahrzeuge überschritten den aktuellen Grenzwert für Dieselfahrzeuge teils um das Sechsfache.

Dieselmotoren

Trotz Rußpartikelfilter - Selbstzünder sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) die weniger sauberen. Der Grund: Ihr aktueller Grenzwert nach Euro-5-Norm ist beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx) dreimal höher als bei Ottomotoren. Demnach dürfen Diesel bis zu 180 mg/km an Stickoxiden ausstoßen, während der Vergleichswert bei Benzinern bei 60 mg/km liegt. Bei den Feinstaubpartikeln liegen beide Verbrennungsprinzipien mit erlaubten 5 mg/km gleichauf. Diesel-Pkw können die aktuelle Euro-5-Norm nur mit Hilfe eines Partikelfilters erreichen.

Erdgas- und Autogasantriebe (CNG und LPG)

Erdgas gilt unter den fossilen Treibstoffen in der Expertenwelt als der sauberste. So stoßen Fahrzeuge, die CNG (Compressed Natural Gas) tanken, noch weniger Stickoxide aus als Benziner. Der TÜV Süd nennt gegenüber Benzinern eine Reduktion um bis zu 60 Prozent, bei LPG seien bis zu 15 Prozent weniger möglich. Erdgasautos emittieren zudem fast gar keine Rußpartikel.

Hybrid- und Elektroantriebe

Auch Hybridfahrzeuge müssen die Abgasnormen der EU einhalten. Generell lässt sich dem VCD zufolge sagen, dass Dieselhybride, wie sie neuerdings angeboten werden, mehr Schadstoffe ausstoßen als Benzinhybride. Fahren sie im rein elektrischen Modus, stoßen sie keine Schadstoffe aus - doch liegt die Reichweite für den E-Modus meist nur bei wenigen Kilometern. Dann springt der Verbrenner an. Elektroautos stoßen während der Fahrt zwar keinerlei Schadstoffe aus. Doch bei ihrer industriellen Fertigung und bei der Stromerzeugung werden ebenfalls Rußpartikel und Stickoxide erzeugt.

Aktuelle Luftdaten
Übersicht: Deutsche Umweltzonen
Studie zu Umweltzonen
Kurzinfo zu Umweltzonen
Hintergrundpapier zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Stickstoffoxiden

Das Folterinstrument heißt "Überschreitungsgramm": Für das erste Gramm, das den jeweiligen CO2-Flottendurchschnittswert überschreitet, müssen je abgesetztem Auto fünf Euro Strafe gezahlt werden, für das zweite Gramm 15 Euro, für das dritte 25 Euro und ab dem vierten Gramm je 95 Euro. Ab 2019 müssen für jedes Gramm über dem Zielwert 95 Euro gezahlt werden. Das bedeutet bis 2019, dass zum Beispiel für vier Gramm CO2/km über den Zielwert 140 Euro Strafzahlung pro Auto anfallen – beim Absatz von einer Millionen Pkw zerrt das an der Bilanz.

Nun hat die EU nicht alle Pkw über einen Kamm geschert. Ihre CO2-Verordnung ist facettenreich und hat beispielsweise auch einen auf das Fahrzeuggewicht abgestimmten Ansatz, der bei der CO2-Wert-Berechnung für jeden in der EU zugelassenen Pkw zum Tragen kommt. Mit dem so ermittelten CO2-Wert bestimmen dann die Hersteller den Durchschnittsverbrauch ihrer Flotte. Das Verfahren soll gewährleisten, dass die Produzenten von großen Pkw, die absolut mehr CO2 emittieren, gegenüber den Herstellern, die kleine Autos anbieten, nicht benachteiligt werden.

Die deutschen Premiumhersteller müssen laut dem Branchenverband VDA bis 2015 die CO2-Emissionen ihrer jeweiligen Flotte um rund ein Viertel senken, während von den französischen und italienischen Wettbewerbern eine Reduktion von etwa 13 Prozent erwartet wird. Um dieses Viertel zu schaffen, bringen die Deutschen jetzt verstärkt Hybride auf den Markt. Wächst der Marktanteil der Hybride, hilft es den Herstellern die CO2-Zielvorgaben zu erreichen und die Daumenschrauben zu vermeiden.

Die Streckbank droht den deutschen Premiumhersteller vorerst also nicht. Denn den im ständigen Ausschuss der Mitgliedstaaten und zuvor von EU-Parlament und Europarat ausgehandelten Kompromiss zur CO2-Regulierung von Pkw ab 2020 mit dem CO2-Flottendurchschnitt von 95 g/km, kippte Kanzlerin Angela Merkel mit ihrem Veto. Vor der Bundestagswahl am 22. September dieses Jahres scheint das opportun.

BMW präsentiert auf der IAA den Concept X5 eDrive. Für den großen SUV mit Plug-in-Hybrid-Antriebstechnik wird ein Verbrauch im EU-Testzyklus von 3,8 Liter je 100 Kilometern genannt. PR

BMW präsentiert auf der IAA den Concept X5 eDrive. Für den großen SUV mit Plug-in-Hybrid-Antriebstechnik wird ein Verbrauch im EU-Testzyklus von 3,8 Liter je 100 Kilometern genannt.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

zarakthuul

30.08.2013, 15:25 Uhr

Da wird es für die Stromer ziemlich eng dieses Ziel zu erreichen. Mit deutschem Strommix betankt werden 601 g/kWh CO2 in den "Verschmutzungstank" gefüllt. Dank der durchdachten und planmäßig durchgeführten Energiewende ist dieser Wert wieder deutlich gestiegen. Ein aktueller Nissan Leaf benötigt 17,4 kWh/100km. Somit ist der berechnete CO2-Ausstoß rund 105 g/km. Also wird das 95 g -Ziel verfehlt. Nur das der Dreck halt im Kraftwerk anfällt.
Elektromobilität ist nur so sauber wie die Energiewirtschaft insgesamt. Da aber in den nächsten Jahrzehnten die Braunkohle die wichtigste Energiequelle sein wird, wird die CO2-Bilanz der Elektromobile eher noch schlechter. Aber sicher werden diese Zusammenhänge politisch korrekt ausgeblendet.

Tengri_Lethos

31.08.2013, 09:06 Uhr

@zarakthuul

Sie können aber auch Ihren Leaf mit Naturstrom betanken. Dann fahren Sie CO2 neutral. Ich tanke zusätzlich zu Naturstrom wenn es passt eigenen Solarstrom. Besser geht es nicht. Mir ist kein realer Besitzer eines Elektroautos bekannt, der Bundesmix tankt. Das ist alles Propaganda. Die positiven Mehrwerte der Elektroautos werden heruntergespielt. Keine Öl-Kriege, keine Exxon Valdez, Deep Water Horizon oder Kleinstadt Explosionen in Kananda. Einfach den eigenen oder EEG Strom Made in Germany Strom tanken wenn es geht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×