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02.02.2016

10:21 Uhr

Im Genesis G90 durch Seoul

Unbekannte Größe

VonBenjamin Bessinger
Quelle:Spotpress

Hyundai will das Geschäft mit den Besserverdienern nicht länger Audi, BMW und Mercedes überlassen und lanciert mit „Genesis“ jetzt seine Luxus-Marke. Bei uns noch unbekannt ist das Flaggschiff G90 in Korea eine gängige Größe.

Nach dem Vorbild von Lexus und Infiniti will Hyundai den Ableger Genesis als globale Marke etablieren.  Hyundai

Nach dem Vorbild von Lexus und Infiniti will Hyundai den Ableger Genesis als globale Marke etablieren.

Audi A7, Mercedes CLS, und BMW vom Fünfer bis zum Siebener – die erste Reihe beim Valet-Parking am Flughafen Incheon ist fest in deutscher Hand. Doch zwischen all den importierten Luxuslinern schiebt sich plötzlich das markante Gesicht des neuen Genesis G90 heraus. Stolz und strahlend rückt sich das neue Flaggschiff des Hyundai-Kia-Konzerns ins Blickfeld und buhlt um jene Aufmerksamkeit, die dem koreanischen Marktführer bei den Besserverdienern bislang verwehrt geblieben ist:

„Wir wollen das Geschäft in der Oberklasse nicht länger den Luxus-Importeuren überlassen“, sagt Albert Biermann, der bei Hyundai und Kia für die Fahrdynamik verantwortlich zeichnet. Deshalb und natürlich als technologisches Aushängeschild des gesamten Konzerns legen die Koreaner unter dem Namen Genesis ihre eigene Luxusmarke auf und beginnen das ganz standesgemäß mit einem neuen Top-Modell.

Von 800 Ingenieuren in vier Jahren detailverliebter Arbeit entwickelt, war der G90 das erste Auto, das Biermann nach seinem Amtsantritt im letzten Jahr in die Finger bekommen hat: „Damit müssen Sie sich besonders viel Mühe geben, damit wir uns nicht blamieren“, habe ihm der Chairman gesagt, erinnert sich Biermann. Und eine gemeinsame Testfahrt in seinem neuen Dienstwagen beweist, dass er einen guten Job gut gemacht.

Denn auch wenn die Limousine im Mutterland der Tempo-Schwellen so butterweich abgestimmt ist, dass sie auch die höchsten Bodenwellen gleichmütig weg swingt, wirkt der 5,20 Meter lange Luxusliner ebenso souverän wie solide. Flüsterleise, samten und seidig gleitet er deshalb über die Autobahn der Hauptstadt entgegen. Vom Motor hört man dabei ebenso wenig wie vom Fahrtwind. Das einzige, was hier die Sinne reizt, sind eine elegante Landschaft aus Lack und Leder, der Duft von echtem Holz und das kühle Gefühl, wenn man im nüchtern noblen Cockpit Metallknöpfe anfasst, die tatsächlich aus Metall sind.

Den größten Eindruck schindet der G90 aber mit seinem Infotainment-System.  Hyundai

Genesis G90

Den größten Eindruck schindet der Wagen mit seinem Infotainment-System.

Den größten Eindruck schindet der G90 aber mit seinem Infotainment-System. Nicht nur, weil jede der zahlreichen Radarfallen einzeln angesagt wird und die Elektronik danach gleich auch wieder Entwarnung gibt. Oder weil ein dezenter Gong vor den unzähligen Speedbumps warnt. Vor allem, weil die Grafik so brillant, die Auflösung so hoch und die Animation so faszinierend ist, dass man gar nicht mehr nach draußen schauen möchte. Warum auch? Was von der alles andere als schmucken Millionen-Metropole durch die stark getönten Scheiben und die elektrischen Jalousien überhaupt noch zu sehen war, versinkt gerade in der Dunkelheit und solange der G90 auf der Autobahn unterwegs ist, fährt er ohnehin fast alleine. Während der Highway Driving Assistant genau wie in Siebener & Co alleine Kurs und Abstand hält und nur gelegentlich einen Kontrollgriff zum Lenkrad fordert, kuschelt man sich in den imposanten Thronsessel, lässt den Blick durch das aufgeräumte Cockpit schweifen und schleicht sich geduldig der Stadtmitte entgegen.

Ja, mit seinem neuen V6-Benziner könnte der G90 durchaus etwas engagierter bewegt werden. Nicht umsonst mobilisiert der 3,3 Liter dank Doppelturbo und Direkteinspritzung 370 PS und bis zu 510 Nm und wenn man das Setup von Smart auf Sport stellt, lässt einen die Limousine ihre gespannte Vorfreude durchaus spüren. Doch so gesittet, wie es auf den Straßen in und um Seoul zugeht, verbietet sich der Kickdown fast von selbst. Dass der G90 in 6,2 Sekunden auf Tempo 100 kommt, glaubt man ihm deshalb unbenommen. Und ob er wirklich mühelos die in dieser Liga üblichen 250 Sachen schafft, wird man in Korea nie herausfinden, wenn man nicht seinen Heimflug riskieren möchte.

In einem Land, in dem die Freude am Fahren zur Nebensache wird, definiert sich Fahrspaß deshalb ein bisschen anders. Erst recht, wenn die paar Kilometer vom Ufer des Han-Flusses bis hinauf zum Hyatt-Hotel auch mal eine Stunde und mehr dauern können.  Nicht umsonst ist jede zweite Luxuslimousine in Korea mit einem Chauffeur unterwegs. Während sich der dienstbare Geist in der ersten Reihe um den nötigen Weitblick bemüht und die Limousine mit der erhabenen Gelassenheit des Besserwissers durch den engen aber ungewöhnlich gesitteten Verkehr bugsiert, lümmelt man deshalb im Fond auf einem wolkenweichen Sofa und spielt mit den vielen Knöpfen auf der Mittelarmlehne. Heizung, Lüftung oder Massage in den Kissen?

Die aktuellen Staus, die neusten Nachrichten oder doch lieber ein Video auf den Bildschirmen an den Rücklehnen? Oder vielleicht ein Nickerchen bis zum Abendessen – ein Tastendruck genügt, schon wird der Sessel zur Liege, der Beifahrersitz faltet sich für noch mehr Beinfreiheit in den Fußraum und der Fond wird zur Luxus-Lounge für geschaffte Leistungsträger: Viel bequemer kann man sich kaum durch Korea kutschieren lassen.

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