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16.06.2012

12:53 Uhr

Interview

„Es ist nur cool, mit Elektro-Power aus der Box zu düsen“

VonSebastian Schaal

Er hat bereits zwei Mal das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen, 1996 auf einem TWR-Porsche, 2009 mit Peugeot. Seit diesem Jahr fährt der ehemalige Formel-1-Pilot Alexander Wurz für den Rückkehrer Toyota.

Der Österreicher Alexander Wurz (Mitte) teilt sich den Toyota mit der Nummer 7 mit Nicolas Lapierre und Kazuki Nakajima. Toyota

Der Österreicher Alexander Wurz (Mitte) teilt sich den Toyota mit der Nummer 7 mit Nicolas Lapierre und Kazuki Nakajima.

Handelsblatt Online: Sie sind zuletzt mehrere Jahre den Diesel-Prototypen von Peugeot gefahren. Wie stark müssen Sie Ihren Fahrstil jetzt an den Benzin-Hybrid anpassen? Wie sieht so etwas dann aus?

Alexander Wurz: Wie so etwas aussieht kommt auf die Betrachtungsweise an, im Groben habe ich mich nach zwei bis drei Runden schon umgestellt. Aber da wir in einem Rennauto nicht im „Groben“ denken, sondern es um Feinheiten geht – also in einem Bereich, in dem nur ganz wenige Menschen ein Auto je bewegen – dann wird der Unterschied schon sehr hoch. Da geht es aber nicht so sehr um Diesel oder Hybrid, sondern eher um andere Aspekte wie die Gewichtsverteilung, Radgeometrie und solche Dinge. Da wir dieselben Michelin-Reifen verwenden, die ich auch im vergangenen Jahr bei Peugeot gefahren bin, fühlt sich der Toyota aber von Anfang an recht vertraut an.

Apropos Peugeot. Sie haben ja bereits vor dem Rückzug der Franzosen bei Toyota unterschrieben. Wie gerne wären Sie gegen ihr altes Team angetreten?

Ja, ich habe mich vor den ersten Anzeichen des Rückzugs von Peugeot schon für Toyota entschieden. Es war und ist für mich der logische Schritt. Konkurrenz belebt das Geschäft und fordert einen selbst zur Bestleistung, also bin ich natürlich traurig, dass wir mit Peugeot einen Konkurrenten weniger haben.

Mit Anthony Davidson ist noch ein weiterer ehemaliger Peugeot-Fahrer bei Toyota unter Vertrag. Sie haben sich in den vergangenen beiden Jahren das Cockpit mit Anthony geteilt. Jetzt sind sie beide getrennt und mit jeweils zwei neuen Kollegen unterwegs. Wie schätzen Sie sich im Vergleich zu Audi ein, die zumindest bei den beiden Hybriden mit unveränderten Fahrerbesetzungen antreten?

Anthony und ich hatten eine gute Zeit als Teamkollegen, wir haben gute Siege gefeiert. Jetzt sind wir zwar nicht im selben Auto, werden aber weiter am selben Strang ziehen, logisch. Es ist wichtig, dass wir die kurze Vorbereitungsphase, die unser Projekt hat, auch effizient nutzen. Da hilft es, wenn sich die Piloten gut verstehen.

Wie sehr schmerzt in dieser Hinsicht auch der Unfall von Nicolas Lapierre, der das Testprogramm durcheinander gewirbelt hat?

Gott sei Dank schmerzt der Unfall nur mental und nicht Nicolas körperlich. Logisch ist es frustrierend, weil wir alle im Team nach vorne wollen. Aber zur selben Zeit müssen wir uns in Erinnerung rufen, dass unser größtes Rennen heuer gegen die Zeit ist. Rückschläge wie diese waren natürlich nicht zu erhoffen, aber eigentlich zu erwarten. Man darf sich da jetzt nicht aus der Bahn werfen lassen, denn unser Projekt ist mittelfristig ausgelegt und keine kurzfristige Wunderaktion.

Wie zufrieden waren Sie mit dem Testprogramm und der Entwicklung des TS030 bis zu dem Unfall?

Recht zufrieden. Ich bin ja ein sehr analytischer Pilot, und demnach nur sehr selten „sehr“ zufrieden. Aber verstehen Sie mich nicht falsch, was Toyota hier auf die Räder stellt ist eine logistische Hochleistung und technisch so und so ein extrem cooles Auto. Deshalb bin ich fasziniert, hier mitzuhelfen.

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