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07.01.2005

09:13 Uhr

Japaner bauen ihren Marktanteil in den USA aus

Amerikas Autokonzerne verlieren an Boden

Wenn sich die Spitzen der weltweiten Autoindustrie ab Sonntag zur alljährlichen internationalen Motor Show in Detroit treffen, wird aller Glanz von Lack und Chrom die Sorgen der Branche nicht überstrahlen können. Für die drei US-Autobauer General Motors, Ford und Chrysler wird nach dem harten 2004 das laufende Jahr kaum Entlastung bringen.

Besucher betrachten auf der Detroit Motor Show des Jahres 2004 die Studie Chrysler ME Four-Twelfve.

Besucher betrachten auf der Detroit Motor Show des Jahres 2004 die Studie Chrysler ME Four-Twelfve.

je/hz PORTLAND. Auch die europäischen Hersteller müssen sich nach einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung KPMG auf sinkende Marktanteile auf dem größten Automarkt der Welt einstellen. Lediglich die großen japanischen Autokonzerne sind nach Ansicht von US-Analysten weiter auf der Überholspur. Der Marktanteil asiatischer Autobauer sei 2004 auf 34,7 von 32,7 Prozent gestiegen, rechnete die Landesbank Rheinland-Pfalz aus. Die großen drei aus Detroit lagen dagegen 2004 nur noch bei 60 Prozent, 2003 waren es noch 61,8 Prozent.

Die US-Hersteller stecken in einer der schwierigsten Phasen ihrer Geschichte. Auch die vom Branchenprimus GM entfesselte Rabattschlacht, die die Erträge schmälert, kann den Aderlass auf dem Heimatmarkt nicht mehr stoppen. Im Dezember haben sich die Sonderangebote für Neuwagen in den USA noch einmal überschlagen. Vor allem GM, die nach einem schwachen November mit einer Halde von knapp 1,3 Mill. unverkauften Autos in die Zielgerade einbog, schraubte bei ihrem „Red Tag Sale“ die Bar-Rabatte auf Rekordhöhe. Nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts CNW lagen die Incentives von GM im Dezember bei 4 956 Dollar, von Ford bei 4 872 Dollar und von Chrysler bei 4 588 Dollar pro Wagen – und damit deutlich über dem Durchschnitt. Auch in diesem Jahr werde die Preispolitik in der US-Automobilindustrie aggressiv sein, schätzt Gary Dilts, Senior Vice President der Chrysler Group.

Klare Gewinner des abgelaufenen Jahres blieben jedoch die japanischen Hersteller, die erneut die amerikanische Konkurrenz auf ihrem Heimatmarkt vorführten. Eindeutige Verlierer des US-Autojahres waren die weltweite Nummer zwei, Ford, und auch die Nummer eins, GM. Der Absatz von GM ging im Dezember um sechs Prozent zurück, im Gesamtjahr um ein Prozent. Ford verkaufte – ohne die zum Konzern gehörenden Importmarken und die größeren Nutzfahrzeuge – zum siebten Mal in Folge in einem Monat weniger Fahrzeuge. Beide Hersteller reagierten bereits und wollen im ersten Quartal 2005 ihre Produktion weiter zurückfahren. GM plant zudem, durch Werksschließungen und Personalabbau zusätzlich Kosten zu sparen. Denn die Marktsituation bleibt schwierig. Für 2005 erwarten Experten bestenfalls einen stagnierenden Markt. Unter den großen drei der US-Autobranche werde Chrysler voraussichtlich auch dieses Jahr besser abschneiden als GM und Ford, glaubt Auto-Analyst Jonathan Todd von JP Morgan.

Marktführer GM geht mit schweren Lasten ins neue Jahr. Seine Modellpalette ist mit wenigen Ausnahmen veraltet, der Markt für GM-Fahrzeuge ist nach Jahren des Rabatt-Rummels gesättigt. Geld verdient GM – wie auch Ford – nicht mehr mit Autos, sondern mit den Kreditgeschäften der Finanztochter. Die steigenden US-Zinsen treffen GM und Ford deshalb wegen ihrer Abhängigkeit von den Gewinnen der Finanztöchter und der Absatzförderung durch günstige Kredite besonders hart. Zudem sind sie wegen des hohen Durchschnittsverbrauchs ihrer Flotten besonders anfällig für steigende Benzinpreise. Aussichten auf Besserung für die US-Giganten besteht also 2005 kaum. Einzig Chrysler trauen die Experten zu, sich von diesem Negativtrend abzukoppeln.

Der Vormarsch der asiatischen Konkurrenz auf dem größten Automarkt der Welt wird sich aber auch im laufenden Jahr fortsetzen. Bislang haben die US-Hersteller noch kein geeignetes Mittel gefunden, um die Wettbewerber aus dem Osten zu stoppen. Toyota ist unaufhaltsam auf dem Weg, Chrysler auf dem amerikanischen Markt den Rang streitig zu machen, und verringerte 2004 den Abstand mit einem Absatzplus von mehr als 10 Prozent weiter. Lange werden die Japaner sicher nicht mehr auf diesen Moment warten müssen: Laut einer aktuellen Studie des Marktforschungsunternehmens CSM Worldwide aus den USA wird Toyota bereits im Jahr 2009 Chrysler vom dritten Platz verdrängen.

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