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24.01.2012

11:56 Uhr

Japanischer Tuning-Trend Kawaii

Erlaubt ist, was gefällt

VonMartin Kölling

"Kawaii" - auf deutsch süß, niedlich - ist der Tuning-Trend in Japan, der die bisher so maskuline Autowelt auf den Kopf stellt. Für die einen ist es übertriebener Kitsch, für viele Asiaten die Zukunft des Autobaus.

Der Gewinner des Designpreises des Autosalons ist - dieser handkolorierte Daihatsu Copen. 12.000 Euro kostet das normale Modell. Doch diese wird für 55.000 Euro gehandelt. Martin Kölling

Der Gewinner des Designpreises des Autosalons ist - dieser handkolorierte Daihatsu Copen. 12.000 Euro kostet das normale Modell. Doch diese wird für 55.000 Euro gehandelt.

TokioRosa Autos mit Lenkrädern in Herzchenform, tiefergelegte PS-Boliden mit verdunkelten Scheiben – Toyota-Chef Akio Toyoda ist begeistert von Asiens größter Tuning-Messe, dem Tokio Autosalon. „I Love Cars“, übertitelt er seinen Blog „Driver Morizo“ von der Messe. „So anstrengend es ist, alle Stände zu besuchen, ich bin richtig glücklich“.

Wie jedes Jahr hat er den Autosalon besucht, eine eigene Welt, verspielt, verrückt – und inzwischen ein großes Geschäft. Neben hunderten von kleinen Ständen stellen dort alle japanischen Hersteller getunte Modelle aus. Der Chef-Designer von Daimlers Partner Nissan, Shiro Nakamura, erklärt das große Engagement: „Wir sind hier um Geschäfte zu machen und Begeisterung zu schaffen“.

Und mehr noch: Für Japans Hersteller ist der Autosalon zu einem Ort für kollektives Brainstorming mit den Usern geworden. Wie kann die immer automüdere Jugend in Japan und den Industrienationen wieder zum Neuwagenkauf motiviert werden, ist die Frage. Die Hersteller testen, wie die Besucher auf ihre Vorschläge reagieren, und schauen sich auf der Messe um, was die User selbst zusammenschrauben. Autoentwicklung 2.0 sozusagen, die User designen die Zukunft mit.

Schon die Anfahrt um Messegelände Makuhari 35 Kilometer vor den Toren der Stadt zeigt an, wohin der Trend geht: Fahrspaß auch ohne PS- und Temporausch. Natürlich röhren auch in Japan testosteron-tiefergelegte Boliden mit riesigen Spoilern die Straßen entlang. Aber die Mehrzahl der Halter findet anders zur Fahrfreude.

Amerikanische Straßenkreuzer mit Heckflossen und in knalligen Farben schaukeln umher. Mini-Autos mit 660 Kubikzentimeter-Motörchen werden hochbeinig auf Monster-Car getrimmt. Und dazwischen staut sich der neueste Schrei: das Auto als rollende dreidimensionale Lichtskulptur. Einige Fahrer haben in ihren Autos bis zu acht synchron geschaltete Bildschirme installiert, die Farbmuster oder das Fernsehprogramm zur Unterhaltung des nachfolgenden Verkehrs durch die Heckscheibe projizieren. Das ist fast schon Kunst.

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Nissan geht einen unkonventionellen Weg: Statt wie der Rest der Branche Autos in Filmen oder Videospielen zu platzieren, hat der Konzern seine Designer einen fliegenden Roboter für einen Trickfilm entwickeln lassen.

Auf der Messe hingegen verschmelzen Karossen schmerzfrei mit Kitsch. Auf einem Boliden sitzt ein Teddy, andere sind mit Stoffmaskottchen ausstaffiert. Eine technische Hochschule hat einen Porsche mit Manga-Mädchen besprüht, um zu zeigen wie cool das Studium dort ist. Und der Gewinner des Designpreise der Messe ist ein handkolorierter rosa Daihatsu Copen, einer jener für Japan typischen Minis. Selbst seine Flügeltüren sind mit rosa Flausch ausstaffiert. Daneben werden es Super-Sportfelgen im Kirschblüten-Design angeboten. Erlaubt ist, was gefällt.

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