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22.05.2012

11:49 Uhr

Kampf um Parkplätze

Frust für Pekings Autofahrer

Millionen Einwohner von Peking erfüllen sich den Traum vom eigenen Auto. Doch dann folgt ein böses Erwachen: Es gibt keine Parkplätze, die Strafzettel gehen ins Geld, dazu zocken falsche Parkwächter die Autofahrer ab.

Bei diesem Verkehr und dem Smog wird der Traum vom eigenen Auto für Millionen von Pekingern schnell zum Alptraum. dpa

Bei diesem Verkehr und dem Smog wird der Traum vom eigenen Auto für Millionen von Pekingern schnell zum Alptraum.

PekingNur für jedes zweite Auto in Peking gibt es einen richtigen Parkplatz. Auf fünf Millionen Fahrzeuge kommen in Chinas Hauptstadt nur 2,48 Millionen Parkplätze, so dass Zeitungen von einer „Parkkrise“ schreiben. „Wenn ich überlege, das Auto zu nehmen, denke ich erst darüber nach, ob ich auch einen Parkplatz finden werde“, sagt die 32-jährige Angestellte Zhang Li. „Oft lasse ich das Auto zuhause und nehme die U-Bahn.“ Besonders in den Einkaufszentren werde die Parkplatzsuche zum Alptraum. Schon vor Parkhäusern bilden sich lange Staus und blockieren die ohnehin verstopften Straßen der 20-Millionen-Metropole.

Mit dem wachsenden Wohlstand können sich immer mehr Chinesen den Traum vom eigenen Auto erfüllen - und landen damit meist im Stau. Die Blechlawinen quälen sich langsam durch die Straßen. Noch zu den Olympischen Spielen 2008 gab es in Peking rund drei Millionen Autos. Allein 2010 wurden 700.000 Fahrzeuge neu registriert, so dass die Stadtväter die Notbremse ziehen mussten: 2011 wurde die Zahl der Neuzulassungen auf 240.000 pro Jahr beschränkt. Eine Lotterie verlost seither jeden Monat 20.000 Nummernschilder.

„Eigentlich bräuchte ich nur fünf bis zehn Minuten für die vier Kilometer zur Arbeit“, sagt Zhang Li. Im morgendlichen Berufsverkehr dauere die Fahrt aber bis zu einer knappen Stunde, „wenn es richtig schlimm ist“. Ihr Büro hat einen Parkplatz, aber wenn sie abends heimkehrt, muss sie auf der Straße nahe ihrer Wohnung eine Parklücke suchen. „Die Stellplätze in unserer Tiefgarage sind teuer und werden für 200.000 Yuan verkauft“. Das sind umgerechnet 25.000 Euro - mehr als ihr Auto kostet. „Bei meinen Eltern kosten sie sogar 300.000 Yuan, obwohl sie noch weiter außerhalb im Vorort leben.“

In vielen älteren Pekinger Wohnvierteln gibt es nicht einmal Parkplätze, weil früher nur wenige Familien ein Auto besaßen. Heute müssen die Bewohner in den Höfen parken. Immer wieder gibt es Streit zwischen Anwohnern, die sich gegenseitig die Wege zuparken. Aber selbst wenn es mehr Parkplätze gäbe, würden viele Autofahrer lieber irgendwo auf dem Bürgersteig parken, weil die Parkgebühren so stark gestiegen sind. Die Tarife haben sich in stark frequentierten Stadtteilen auf zehn Yuan (1,24 Euro) pro Stunde verdoppelt. Die folgenden Stunden kosten jeweils 15 Yuan (1,86 Euro).

Kommentare (2)

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Numismatiker

22.05.2012, 17:10 Uhr

Das Verkehrschaos war ja auch vollkommen unvorhersehbar...

Wer nicht von unseren Umweltproblemen lernen will (oder kann) muß eben seine Erfahrungen selbst machen

Wären die Chinesen doch nur bei Ihren Fahrrädern geblieben.

erwin

22.05.2012, 18:17 Uhr

in der tat, völlig unverständlich, wieso man in china unbdingt den Fehler einer autogerechten Stadt vom Westen kopieren und wiederholen musste. Autos und Ballungsraum passt einfach nicht zusammen. Der hohe Flächenverbrauch, Zerschnneidung von Siedlungsstrukturen und den unglaublichen Lärm, dieses Problem kann auch das Elektroauto nicht lösen. Erste Devise müsste sein Verkehrsvermeidung. Dafür brauchen wir möglichst eine Nähe von Arbeit und Wohnen und eine kleinteilige Einzelhandelsstruktur. Und der Restverkehr muss dann so umweltfreundlich wie möglich Abgewickelt werden. Das heißt Fahrrad bis 5 km Wegstrecke, darüber hinaus (o)Bus, Straßenbahn, oder auch Schnellbahn. Die ganzen Betonpisten können abgerissen und begrünt werden, dann ist die Luft auch endlich wieder besser....

Naja, wäre für Deutschland auch keine schlechte Idee, aber wie bauen lieber weiter Billigkonsumtempel, möglichst autogrecht und schön auf der grünen Wiese...

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