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18.01.2012

12:55 Uhr

Kommentar

Autogeschichte für die Resterampe

Quelle:mid

Saab ist pleite. Der Gang in die Insolvenz füllte gerade noch die Wirtschaftsnachrichten. Das Verramschen des Tafelsilbers nehmen nur noch Oldtimer-Fans auf einschlägigen Internet-Foren wahr.

Der Ur-Saab 92002 aus dem Jahr 1946 ist das ältestes Auto aus dem Saab-Museum. Es kommt wie alle übrigen 120 Autos der Werkssammlung unter den Hammer. PR

Der Ur-Saab 92002 aus dem Jahr 1946 ist das ältestes Auto aus dem Saab-Museum. Es kommt wie alle übrigen 120 Autos der Werkssammlung unter den Hammer.

Trollhättan/DüsseldorfIn der 126jährigen Geschichte des Automobils haben sich weltweit bislang rund 2.500 Hersteller im Bau von Automobilen engagiert. Etwa 60 sind davon noch heute aktiv. Seit Dezember 2011 gehört ein weiterer traditionsreicher Name zur Autogeschichte: Saab. Der schwedische Autobauer ist pleite und die zahllosen Gläubiger mit ihren Millionenforderungen balgen sich um die letzten Knochen wie ein Rudel Hyänen um die Reste des Zebras, nachdem sich die Löwen satt gefressen haben.

Am 13. Januar war die Entscheidung gefallen, dass das Werksmuseum mit seiner Sammlung unter den Hammer kommt. Bis zum 23. Januar muss alles raus! Autogeschichte landet auf der Resterampe.

Das Museum von Saab gehörte zu den attraktivsten Werksmuseen überhaupt. 50 Fahrzeugte zeigte die Ausstellung permanent, weitere 70 harrten im Magazin. Die Verantwortlichen hatten vom ersten Prototypen aus dem Jahr 1946 bis zum letzten Showcar von 2006 jedes Fahrzeug gesammelt, das einmal die Geschichte der Marke dokumentierte, aber auch für den Geist und das Image von Saab gestanden hatte.

Sollte sich kein Saab-afiner Krösus finden, der sich die komplette Sammlung sichert, verliert die Autowelt am 23. Januar ein Stück ihrer Kultur und Identität. Es ist ein bisschen so als wäre eine Stadt wie St. Petersburg pleite und würde deshalb die Kunstsammlung der Eremitage verscherbeln. Ex und hopp!

Sicher, ein Autohersteller ist ein Wirtschaftsunternehmen. Wenn er nicht gut wirtschaftet, die falschen Produkte anbietet oder keine ausreichend große Käuferschicht anspricht, ist er wie jede andere Firma in vergleichbarer Lage zum Scheitern verurteilt. Die Autolandschaft hat das Erlöschen vieler einstmals strahlender Namen verkraftet wie MG, Rover, DeTomaso, Bugatti, Pontiac, Borgward oder Simca.

Aber Saab als Trendsetter, Eigenbrötler und Sympathieträger hätte wenigstens die Erhaltung seiner Tradition verdient. In diesem Fall ist ein Ruf nach dem Staat angebracht. Schließlich hat Schweden von Saab und seinen Tausenden von Arbeitsplätzen jahrzehntelang profitiert.

Von

Thomas Lang

Kommentare (2)

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hanskanns46

18.01.2012, 16:24 Uhr

Mit der Übernahme durch GM war SAAB tot, da SAAB nicht mehr SAAB war. Die Kundengruppe hatte nie ein Problem damit, daß SAAB der Name eines großen Rüstungskonzerns ist, daß wurde verdrängt, aber SAAB in den Händen einer US-Firma, das war den Antiimperialisten, für die SAAB stand, man war halt etwas links, was chick war, für Rotwein und gute Möbel, doch daran hatte schon IKEA gesägt. Das ganze Schedenimage hat sich ein Stück weiter Richtung Mülltonne bewegt. SAAB hätte selbst heute noch alle Chancen mit einem echte SAAB, etwa einem überarbeiteten 900er Diesel mit sparsamen Motor und guter Haltbarkeit, sehr schnell wieder Marktanteile zu machen, sozusagen als Gegenporsche - aber innerhalb des gleichen Horizonts.

wanze1958

30.11.2012, 17:08 Uhr

Saab hatte schon nach der Übernahme durch Victor Muller eigentlich keine echte Überlebenschance. Es fehlte schlicht das Geld, um erforderliche Innovationen zu schaffen. Und als kleiner Hersteller ohne finanzstarke Partner im Rücken konnte das nicht gutgehen. Ich habe 23 Jahre für Saab gearbeitet und es schmerzt mich sehr um den Untergang der Marke. Aber durch die fehlenden Innovationen in den letzten Jahren ''verblutete'' auch das Händlernetz. Erforderliche Investitionen konnten durch die Händler, die ja schließlich die Fz. an den Kunden bringen sollten nicht mehr erbracht werden. Auch ein ''echter'' Saab hätte die Marke nicht mehr retten können. Denn es gab mit Außnahme von Skandinavien und der Schweiz praktisch kein aktives Händlernetz mehr. Dafür wären die Stückzahlen einfach viel zu gering gewesen. Besonders schade ist der Verlust des ''Saab Museums''

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