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13.03.2012

11:02 Uhr

Kommentar

VW hat bei Ducati nichts verloren

VonFrank G. Heide

Ducati steckt schwer in einer finanziellen Klemme. Die Not des italienischen Motorradbauers ist so groß, dass man um Hilfe aus Indien oder Wolfsburg bittet. Aber das wäre keine Rettung, das wäre das Ende.

DüsseldorfEs könnte kaum widersprüchlicher laufen, als es bei der italienischen Traditionsmarke Ducati gerade läuft. Kurz nachdem die Bologneser Motorradschmiede mit der 1199 Panigale ihr bislang spektakulärstes Motorrad vorgestellt hat, das mit Preisen und Vorbestellungen überhäuft wurde, soll die Marke verkauft werden. Wie passt das zusammen? Einerseits ein technisch ausgereiftes Spitzenprodukt, das direkt von der Rennstrecke kommt, und das die treuen Markenfans quasi blind kaufen, andererseits so große finanzielle Probleme, dass bereits der zigste Investor abwinkt und das Unternehmen nach Hilfe ruft?

Die Probleme liegen einerseits in der Modellpalette, die eben nicht nur Langzeit-Bestseller wie die Ducati Monster-Baureihe, Objekte der Begierde wie den stärksten Zweizylinder-Motor aller Zeiten, oder den Harley-ähnlichen Powercruiser Diavel beinhaltet. Ausreißer wie die superaggressive Streetfighter oder halbherzige Enduro-Versuche a la Hypermotard sind nicht nur vielen potenziellen Käufern in der Anschaffung zu teuer, den traditionell rennsportbegeisterten Ducatisti sind sie auch schwer zu vermitteln. Diese Modelle bauen andere besser. Doch immerhin hat man in Bologna gelernt, mit Multistrada, 1199 und Diavel ist man wieder auf dem richtigen Weg.

Ganz anders als im Rennsport, sprich der obersten Klasse namens MotoGP. Ducati lebt vom Image, von den Emotionen, vom Rennsport. Aber der kostet die Italiener nun genau die Millionen, die sie für die Erneuerung ihrer Modellpalette gebraucht haben, - und auf der Piste fährt Ducati hinterher. Das ist ganz schlecht fürs Portemonnaie und fürs Image.

Handelsblatt Online-Redakteur Frank G. Heide

Handelsblatt Online-Redakteur Frank G. Heide

Zu Anfang klang die vertragliche Verbindung der Traditionsmarke aus Bologna mit den neunfachen Weltmeister Valentino Rossi noch wie ein feuchter italienischer Traum, pardon, eine Hochzeit, die im Himmel geschlossen wurde. Doch der Doctor, wie seine Fans ihn nennen, fährt mit Helm und Maschine Nr. 46 hinterher, mehr als fünfte oder sechste Plätze waren aus eigener Kraft in der Saison 2011 nicht drin. Rossi kommt mit der Maschine einfach nicht klar, so unglaublich das auch klingt.

Warum ist das für Ducati so schädlich? In erster Linie, weil Rossi die Italiener allein 12 Millionen Euro an Lohn kostet. Den Imageschaden kann noch niemand messen.

Nun also der Ruf nach einem starken Finanzpartner. Seit 2010 hielten sich schon Gerüchte, das werde Mercedes sein, einen Sponsoringvertrag mit der Tuningtochter AMG der Stuttgarter gab es bereits. BMW war auch im Gespräch, hat aber abgewinkt.

Nun soll Medienberichten zufolge die VW-Tochter Audi Ducati zu Hilfe eilen. Ein "Audi auf zwei Rädern“? Für Volkswagen wäre eine Übernahme der Einstieg in den Motorradsektor. Für Markensammler und VW-Aufsichtsratschef Piech, der bekennender Ducati-Fan ist, mag das auch sinnvoll klingen. Für Ducatisti aber würde eine Welt zusammenbrechen. Wolfsburger Buchhalter und Ingenieure ohne Motorrad- und MotoGP-Erfahrung als Verwalter und Optimierer des italienischen Desmo-Traums?

Nein, das ist kein Imagetransfer, der funktionieren kann. Dann lasst sie doch bitte lieber in Schönheit sterben.

Kommentare (13)

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Ducati-Fan

13.03.2012, 11:32 Uhr

Danke für den netten Kommentar Herr Heide, ich musste sehr schmunzeln. Ich gebe Ihnen auch in sofern recht, dass Ducati und VW emotional so gut zusammenpassen wie Rheinischer Sauerbraten und Trüffel Risotto. Allerdings hat dem VW schon Rechnung getragen indem Sie nicht VW sondern Audi vorschicken um Ducati zu kaufen. Und das Audi und italienische Sportwagen zusammenpassen, hat man schon bei Lamborghini gesehen, die sich meiner Meinung nach prächtig entwickelt haben.

Ducati wird für den VW-Konzern respektive Audi ein reines Hobby werden. Dennoch sehe ich in Ducati die richtige Marke für den Konzern um sich in der Zukunft auch wieter dem Thema E-Bikes anzunähern. Und unter welchen Namen würden sich denn E-Bikes in Zukunft dem Massenmarkt besser näher bringen lassen, als unter dem Namen Ducati...

cosus

13.03.2012, 11:55 Uhr

Herr Heide: Bezüglich der Überschrift geben ich Ihnen recht, aber Ihr Argument, dass Ducati sich in finanziellen Schwierigkeiten befinden soll ist nicht nachvollziehbar. Das Unternehmen wächst seit Jahren profitabel und zwar mit einer Ebit-Marge >10%. Da macht es Sinn, dass der jetztige Eigentümer, ein PE-Investor, versucht seine Anteile zu versilbern. Außerdem würde niemand 850mio zahlen für ein Unternehmen, dass in finanziellen Schwierigkeiten stecken soll (ist immerhin >20x Ebit). Gerade im Handelsblatt hätte ich mir da doch einen fundierteren Kommentar gewünscht...

Account gelöscht!

13.03.2012, 12:00 Uhr

@ cosus:
MID berichtete: Ducati steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Laut der US-Internetplattform Left Lane News türmen sich die Schulden des Zweiradbauers auf das 1,7fache seiner Einnahmen, die Zinsen noch nicht einberechnet.

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