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04.01.2012

09:38 Uhr

Kommentar zu verschärften Umweltzonen

Heiße Luft um feinen Staub

Quelle:mid

Da wiehert der Amtsschimmel: Neue und schärfere Regelungen bei Umweltzonen ab Januar 2012 kosten viel und bringen wenig.

Ein Schild weist an der Frankfurter Messe darauf hin, dass am 01.01.2012 die dritte Stufe der Umweltzone in Kraft getreten ist. Jetzt dürfen nur noch Autos mit grüner Plakette in der Zone fahren, die beinahe das ganze Stadtgebiet umfasst. Trotz Umweltzone hatte Frankfurt in diesem Jahr aber die höchste Feinstaubbelastung in Hessen. Zum wiederholten Mal wurde der EU-Grenzwert verletzt. dpa

Ein Schild weist an der Frankfurter Messe darauf hin, dass am 01.01.2012 die dritte Stufe der Umweltzone in Kraft getreten ist. Jetzt dürfen nur noch Autos mit grüner Plakette in der Zone fahren, die beinahe das ganze Stadtgebiet umfasst. Trotz Umweltzone hatte Frankfurt in diesem Jahr aber die höchste Feinstaubbelastung in Hessen. Zum wiederholten Mal wurde der EU-Grenzwert verletzt.

DüsseldorfWelchen Namen soll das Kind bekommen: Aktionismus, Schikane oder gar Posse? Pünktlich zu Neujahr und viel zu früh für Ostern haben viele bundesdeutschen Gemeinden ihren Auto fahrenden Bürgern und Besuchern wieder ein ganz dickes Ei ins Nest gelegt: nämlich sechs gänzlich neue Umweltzonen und eine Verschärfung der bereits bestehenden auf breiter Front.

Ergebnis der bisherigen Regelungen für die Luftreinhaltung bestehender Umweltzonen: Null. Die Feinstaubkonzentrationen in den Innenstädten haben sich so gut wie nicht verändert, wie der ADAC jüngst berichtet hat.

Wen wundert´s? Sind doch laut dem Autoclub Abgase älterer Pkw gerade einmal zu neun Prozent für die Feinstaubkonzentrationen verantwortlich, noch einmal sieben Prozent gehen auf das Konto von Brems- und Reifenabrieb, die ein Benziner mit G-Kat aber genauso erzeugt.

Unterhaltskosten: Was sich 2012 für Autofahrer ändert

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Was sich 2012 für Autofahrer ändert

Wird Autofahren schon wieder teurer? Auf Aufschläge für Prüfgebühr, Probefahrten beim TÜV, neue und strengere Umweltzonen müssen sich Autofahrer 2012 einstellen. Doch es gibt auch einige gute Nachrichten.

Darüber hinaus haben Analysen ergeben, dass nur ein knappes Drittel der Feinstäube vor Ort entsteht, die Partikel aber durch Wind und Wetter bis zu mehrere hundert Kilometer verweht werden.

Andere Länder haben längst von den sinnlosen Regelungen abgelassen, in Deutschland hingegen glaubt man nach wie vor an die Wirksamkeit, oder gibt es zumindest vor.

Viele der betroffenen Autofahrer müssen ihr Vehikel für teures Geld mit Partikelfiltern nachrüsten, falls möglich. Für unzählige Fahrzeuge jedoch gibt es keine Nachrüstsätze. Deren Halter werden ihres Fahrzeugs faktisch enteignet, zumindest dann, wenn sie in einer der Umweltzonen arbeiten oder wohnen.

Ob es ein künstliches Generieren von Produktabsätzen für die Autoindustrie ist oder ein Aktionismus, der durch die Furcht vor Strafzahlungen an die EU wegen Verstößen gegen entsprechende Regelungen ist, sei dahingestellt. Die öffentliche Hand wäre besser beraten, durchdachte Verkehrskonzepte und einen attraktiveren und preisgünstigen öffentlichen Nahverkehr zu schaffen, um die Luftbelastung zu reduzieren.

Der Weg der Ausgrenzung von Fahrzeugen, deren Halter ohnehin nicht zu den finanzstärksten gehören, ist ein Irrweg, der die Gemeinden mit hohen Verwaltungskosten belastet und fragliche Effekte zeigt.

Von

Thomas Mendle

Kommentare (5)

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zarakthuul

04.01.2012, 10:00 Uhr

Berlins Feinstaubwerte sind gestiegen! In wenigen Jahren sind auch die letzten Fahrzeuge ohne grüne Plakette verschrottet. Was dann? Beendigung des Umweltzonen-Modells, oder verschärfte Vorschriften und neuerliche Enteignung von Bürgern? Ich befürchte das der zweite Weg gegangen wird.

r.jonasson

04.01.2012, 15:28 Uhr

Dieser Feinstaub-Wahn ist wirklich nicht mehr zu fassen: In der Schweiz sah ich kürzlich einen TV-Bericht über einen Test, den Schweizer Umwelt-Ingenieure mit der ihnen eigenen Akribie durchgeführt haben. Das Ergebnis war, dass selbst bei völliger Einstellung des Verkehrs (gemessen in einer Straße, die wegen Bauarbeiten komplett gesperrt war) die Feinstaub-Belastung nicht nennenswert sank, weil offebar allein der Hausbrand so viel emittiert, dass es auf den Verkehr gar nicht mehr ankommt. Zudem habe ich gelesen, dass ein haushaltsüblicher Grill, wie er im Sommer täglich millionenfach in Betrieb gesetzt wird, bei einer einzigen Grillparty mehr Feinstaub freisetzt, als eines der ach so bösen älteren Diesel-Fahrzeuge in einem ganzen Jahr! Aber unsere Politiker drangsalieren deren Besitzer in geradezu enteignender Weise - wann hört der EU-Irrsinn endlich mal auf?!

HansKolpak

04.01.2012, 18:17 Uhr

Parallel zur Überschuldung der meisten Behörden trotz einer wachsenden Staatsquote von mehr als 50 Prozent rückt der Tag immer näher, an dem solche Schildbürgerstreiche wegen Unfinanzierbarkeit eingestellt werden. Dann ist eine einzige Steuer opportun, die sich irgendwann 10 Prozent nähert und ein Staat, der sich auf seine hoheitlichen Aufgaben besinnt.

Hans Kolpak
Deutsche ZivilGesellschaft

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