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18.10.2012

13:45 Uhr

Kommission

EU fordert mehr Kraftstoffe aus Abfall und Stroh

Quelle:MID

Der Bio-Sprit soll künftig in höherem Maße aus Abfällen und Stroh hergestellt werden, und damit weniger aus Nahrungsmittelpflanzen oder Energiepflanzen. Deshalb sollen die Vorschriften für Biokraftstoffe geändert werden.

Der Anteil von Bioethanol auf dem Benzinmarkt in Deutschland betrug Ende Juli 2012 6,4 Prozent. MID

Der Anteil von Bioethanol auf dem Benzinmarkt in Deutschland betrug Ende Juli 2012 6,4 Prozent.

BerlinDer Bio-Sprit soll künftig in höherem Maße aus Abfällen, Gülle und Stroh hergestellt werden, und damit weniger aus Nahrungsmittel- oder Energiepflanzen. Deshalb sollen die Rechtsvorschriften für Biokraftstoffe geändert werden. Das hat die EU Kommission jetzt in Brüssel bekannt gegeben. Der Anteil des Biokraftstoffs der ersten Generation soll auf fünf Prozent statt bisher 10 Prozent begrenzt werden. Dadurch sollen zukünftig die Entwicklung alternativer Biokraftstoffe der zweiten Generation gefördert werden. Diese verursachen erheblich geringere Mengen an Treibhausgas-Emissionen als fossile Kraftstoffe und haben keine Auswirkungen auf die globale Lebensmittelproduktion.

Erstmals sollen bei der Bewertung der Treibhausgasbilanz des Bio-Sprits auch die geschätzten Folgen der sogenannten "indirekten Landnutzungsänderungen" berücksichtigt werden. Diese finden statt, wenn zugunsten der Biokraftstoffe zum Beispiel die Produktion von Nahrungs- oder Futtermitteln auf zuvor nicht agrarisch genutzte Flächen wie Wälder verlagert wird. Einige Biokraftstoffe verurachen dadurch sogar ebenso hohe Treibhausgasemissionen wie die fossilen Kraftstoffe, die sie ersetzen sollen.

Energiekommissar Günther Öttinger: "Dieser Vorschlag wird neue Anreize für Kraftstoffe mit optimaler Klimabilanz setzen. In Zukunft werden Biokraftstoffe stärker zur Verminderung der Treibhausgasemissionen und zur Senkung unserer Importkosten beitragen. Klimakommissarin Connie Hedegaard fügte hinzu: "Natürlich wollen wir damit nicht die Biokraftstoffe der ersten Generation abschaffen, aber wir senden ein klares Signal aus, dass Steigerungen des Anteils an Biokraftstoffen in Zukunft durch fortschrittliche Biokraftstoffe erzielt werden müssen."

Erst kürzlich hatte der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe) bekannt gegeben, dass die Produktion von Bioethanol in Deutschland im ersten Halbjahr 2012 um 20,9 Prozent auf 294 677 Tonnen gestiegen ist. Auch der Verbrauch hat im gleichen Zeitraum um 9,7 Prozent auf 625 996 Tonnen zugelegt. Damit hat Bioethanol bis Ende Juni 2012 einen Anteil von 6,4 Prozent im Benzinmarkt erreicht. Hergestellt wird Bio-Kraftstoff in Deutschland aus Zuckerrüben und Futtergetreide. Der Anteil von Zuckerrüben hat sich dabei gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 116 652 Tonnen fast verdoppelt. Die Produktion aus Futtergetreide ist mit 178 025 Tonnen dagegen um 2,2 Prozent zurückgegangen.

Kommentare (3)

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vandale

18.10.2012, 15:49 Uhr

Das kann zu einer weiteren Subventionslawine führen. Stroh hat einen sehr bescheidenen Energiegehalt und kreiert hohe Transportkosten, bzw. erfordert mikrige, unwirtschaftliche Anlagen. Das Stroh muss dann beispielsweise erst in Synthesegas verwandelt werden bevor es zu Kraftstoffen sythetisiert werden kann. Insgesamt eine recht teure Angelegenheit.

Ein gläubiger Oekologe sollte sich ohnehin besser bewaffnet mit gutem Schuhwerk aus genfreiem Bioleder auf den Weg begeben als ein klimafeindliches Auto zu benutzen.

Vandale

SpritAusSand

18.10.2012, 20:54 Uhr

Man kann übrigens nicht nur aus Stroh, sondern auch z.B. aus Sand Sprit herstellen.
Genau wie im Fall von Stroh braucht man dazu zunächst eine ausreichende Menge Mineralöl. Durch geeignete Prozessführung entsteht letztlich der gesuchte Biosprit.

Da fragt man sich unwillkürlich: warum machen wir Hornochsen das dann nicht schon längst? Na: weil es bisher noch keine richtunggebende EU-Verordnung gibt!

Und seien wir ehrlich: wir können alle dankbar sein, wenn sich die EU wieder auf solche Themen zurückbesinnt. Gerne denke ich an die Zeiten, als Richtlinien zum optimalen Krümmungsradius von Salatgurken herausgegeben wurden.
DA waren EU-Kommission & Friends noch auf einem Gebiet tätig, wo sie echt kompetent waren!

SteuerKlasseEins

31.05.2013, 20:21 Uhr

Die ständige Kritik an der Verwendung von "essbarem" als Treibstoff hat einen sozialistischen Hintergrund, der eine Ignoranz von Marktwirtschaft, von Angebot und Nachfrage zeigt. Wenn es ein Verbrechen ist, aus Mais Ethanol herzustellen, dann ist es auch ein Verbrechen, Bäume anstatt Mais anzupflanzen. Beides reduziert die Menge an Lebensmitteln auf dem Markt, und erhöht damit den Preis.
All das ignoriert grundsätzliche Dinge wie Eigentum und Marktwirtschaft. In einer Marktwirtschaft kann jeder mit seinem Eigentum tun und lassen was er will. Wenn jemand viele Lebensmittel produziert, wie etwa ein Landwirt, dann kann er alles vernichten und niemand kann ihn daran hindern, es ist sein Eigentum, er kann darüber entscheiden, niemand sonst. Es sind nicht "unsere Lebensmittel" - sie gehören nicht der Allgemeinheit oder dem Staat.

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