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20.11.2014

13:13 Uhr

Kuriose Statistik aus USA

Diebe bevorzugen Langweiler-Autos

Wenn der Wagen mit laufendem Motor und ohne Fahrer auf der Straße steht, haben es Diebe leicht. Außer natürlich, es ist ein Schaltwagen. Die Statistik der meistgestohlenen Autos in den USA zeigt so ihre Besonderheiten.

Bilder wie dieses (gestellte) gehören der Vergangenheit an. Längst arbeiten moderne Autodiebe elektronisch. Bilderberg

Bilder wie dieses (gestellte) gehören der Vergangenheit an. Längst arbeiten moderne Autodiebe elektronisch.

Bekanntlich ist in den USA alles größer als anderswo: die Steaks, der Patriotismus und die Bäume an der Westküste zum Beispiel. Darauf sind die Amerikaner zu Recht stolz. Dass sie jedoch mit einem anderen, weniger ruhmreichen Rekord ebenfalls an der Weltspitze liegen, passt zwar ins Bild, gefällt ihnen aber überhaupt nicht: Jüngst vorgelegte Zahlen belegen, dass zwischen New York und Los Angeles alle 45 Sekunden ein Auto seinen Besitzer wechselt. Nicht freiwillig, sondern weil Diebe ihre langen Finger im Spiel haben. Zum Vergleich: In Deutschland wurde 2013 "nur" alle halbe Stunde ein Auto geklaut.

Kuriosität 1: Haben FBI und die oberste Sicherheitsbehörde der Versicherungen in den USA recht, so tragen bei fast der Hälfte aller Autodiebstähle die Fahrzeugbesitzer zumindest eine erhebliche Mitschuld, weil sie sich schlampig verhalten.

So ist es in den USA praktisch an der Tagesordnung, dass Sheriffs und Behörden auffordern: „Lassen Sie die Autoschlüssel nicht im Zündschloss stecken, schließen Sie die Fenster, verriegeln Sie die Türen, und parken Sie nachts in gut beleuchteten Gegenden."

Kuriosität 2: Im Sommer und im Winter explodieren Diebstahlquoten geradezu, wegen einer weit verbreiteten Unsitte, die speziell in den Vorstädten schön zu beobachten ist. Wenn die Temperaturen besonders hoch oder besonders niedrig sind, stehen überall Autos mit laufendem Motor in der Garageneinfahrt, damit man im Winter ins kuschelig warm aufgeheizte und im Sommer durch die Klimaanlage tiefgekühlte Auto steigen kann. „Potenzielle Diebe fahren gezielt durch die Siedlungen und suchen leere Autos mit laufenden Motoren", hat die Polizei beobachtet.

Allein in Maryland werden im vergangenen Winter 4.000 Autos gestohlen, weil ihre Besitzer sie nur schnell aufwärmen wollten. In Maryland und einigen anderen Bundesstaaten kostet es deshalb neuerdings 70 Dollar Strafe, wenn ein herrenloses Auto mit laufendem Motor erwischt wird.

Tricks und Kniffe von Autodieben

Ohne Schraubendreher

Ganoven, bewaffnet mit Hammer und Schraubenzieher, gehören der Vergangenheit an. Heutige Autodiebe haben technisch aufgerüstet. Zentralverriegelungen und Wegfahrsperren stellen für Profi-Autoknacker kein Hindernis dar.

„Polenschlüssel“

Mechanische "Instrumente" finden sich eher bei Gelegenheitsdieben. Der sogenannte "Polenschlüssel" ist eine PKW-Schlüsselnachbildung aus Stahl. Ursprünglich diente er dazu, Schlösser nach dem Verlust des Schlüssels zu öffnen.

Wohnungsklau

Auch die eigenen vier Wände sind nicht mehr sicher. Immer öfter brechen Autodiebe in Wohnungen oder Häuser ein, um die PKW-Schlüssel zu stehlen. Und dies mit Erfolg. Häufig liegen diese griffbereit - zum Teil sogar mit der Zulassung.

Schlüssel-Klon

Gauner bringen nur kurzzeitig einen Autoschlüssel - ohne Wissen der Autobesitzer - an sich und erstellen mit einer Spezialsoftware eine Kopie des Schlüssel/ Zugangscodes und bringen den Wagen später in ihren Besitz.

Keyless-Go

Vom Autofahrer unbemerkt spähen zwei Gauner während des Schließens oder Öffnens des PKW mit zwei speziell ausgestattet Aktenkoffern die Funksignale aus. In einem davon befindet sich eine Antenne. Koffer-Mann eins muss sich dem Träger der Zugangskarte auf ungefähr einen Meter nähern. Dann kann er Daten von der Karte empfangen, die er via Handy aus dem Koffer automatisch an den Träger des zweiten Koffers übermittelt. Der steht neben dem Auto, das durch diese Übertragung automatisch seine Türen öffnet.

Laptop-Trick

Eine weitere Variante ist, sich per Laptop direkt in die Elektronik des Autos zu mogeln. Dazu muss zunächst zum Beispiel die Motorhaube geöffnet werden. Doch das ist kein Problem. Laut Experten gelingt dieser Vorgang binnen einer Minute und 45 Sekunden.

Störsignal

Der Autodieb sendet auf Knopfdruck ein Störsignal mit einem Gerät, genau dann, wenn der Autofahrer die Türen per Fernbedienung der Zentralverriegelung verschließen will. Dann werden vom Fahrzeug die richtigen Signale nicht erkannt. Die Zentralverriegelung reagiert nicht auf den Befehl, die Türen bleiben trotz des Knopfdrucks auf die Fernbedienung offen. Begünstigt wird dieser Trick durch mangelnde Aufmerksamkeit der Autofahrer. Sie sind beim Abschließen in Gedanken ganz woanders und achten nicht mehr auf Blinksignale oder Klacken.

Einmal mit allem, bitte

Wenn alles nicht hilft und sich das Diebesgut nicht knacken lässt, greifen dreiste Profis bisweilen zum letzten Mittel: Sie transportieren das komplette Auto per Lkw ab - gerne auch ins Ausland. Entweder als ganzes Fahrzeug oder in Einzelteile zerlegt, die hinter der Grenze wieder zusammengebaut werden. Sehr beliebt und etwas leichter zu machen auch bei Motorrad-Diebstählen.

Kuriosität 3: Anderswo in den USA gehen Autodiebe mit Brachialgewalt vor. Detroit zum Beispiel trägt neuerdings den wenig schmeichelhaften Beinamen "Carjack City" (frei übersetzt: Stadt der Autoräuber). In ehemals blühenden Autostadt erscheinen bis an die Zähne bewaffnete Gangster vorzugsweise an Tankstellen und nehmen den Besitzern die frisch betankten Fahrzeuge ab. 720 solcher Fälle zählte die Polizei im vergangenen Jahr, und auch in anderen Städten ist Carjacking im Kommen. In Memphis/Tennessee gab es zur gleichen Zeit 400 und in Newark/New Jersey 382 ähnliche Fälle.

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