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11.09.2012

08:30 Uhr

Ladenhüter Autogas

Alternative Antriebe bleiben eine Randerscheinung

Quelle:MID

Trotz Rekordniveaus beim Benzinpreis vernachlässigen die Autofahrer die preisgünstigste und nachhaltige Alternative beim Automobilkauf. Aber auch die Autohersteller mauern bei den Alternativ-Antrieben.

Der Fiat Panda "natural gas" bereichert das knappe Angebot an Erdgasfahrzeugen im deutschen Markt. Sein 0,9-Liter Zweizylinder-Turbo-Motor überzeugt durch nur 86 g/km CO2-Emissionen und einen Verbrauch von 3,1 kg/100 Kilometer. Pressefoto

Der Fiat Panda "natural gas" bereichert das knappe Angebot an Erdgasfahrzeugen im deutschen Markt. Sein 0,9-Liter Zweizylinder-Turbo-Motor überzeugt durch nur 86 g/km CO2-Emissionen und einen Verbrauch von 3,1 kg/100 Kilometer.

Duisburg/EssenTrotz Rekordniveaus beim Benzinpreis vernachlässigen die Autofahrer die preisgünstigste und nachhaltige Alternative beim Automobilkauf. Aber auch die Autohersteller mauern bei den Alternativ-Antrieben. Nur 3.200 Erdgasautos wurden in den ersten sieben Monaten in Deutschland verkauft - bei insgesamt 1,882 Millionen Automobilen. 98,7 Prozent aller in Deutschland verkauften Neuwagen sind Benziner und Diesel. Die alternativen Antriebe fallen so gut wie nicht ins Gewicht.

Dabei fallen bei Erdgasautos für 100 Kilometer Wegstrecke weniger als 5 Euro Treibstoffkosten an. Etwa mit dem Erdgas-Passat, der mit 4,3 kg Erdgas auf 100 Kilometer auskommt und damit bei derzeitigen Erdgaspreisen unter 4,50 Euro Treibstoffkosten verursacht. Der vergleichbare Diesel-Passat braucht 7,20 Euro Treibstoffkosten. Das sind beachtliche 61 Prozent mehr. Ähnliches gilt für andere verfügbare gasbetriebene Autos wie den Opel Zafira bzw. Opel Combo und sein Schwestermodell Fiat Dobio mit Erdgas oder den Opel Corsa mit Autogas.

Mercedes bietet die B-Klasse ab Anfang 2013 auch als umweltfreundliche Erdgasversion an. Pressefoto

Mercedes bietet die B-Klasse ab Anfang 2013 auch als umweltfreundliche Erdgasversion an.

Als Gründe für die Zurückhaltung hat Institut "CAR-Center Automotive Research" der Universität Duisburg/Essen festgestellt, dass die wenigsten Autofahrer die Erdgas-Alternative kennen. Außerdem gibt es zur Zeit nur 20 Erdgas-Modelle von Fiat, Mercedes, Opel und VW - und damit auch kaum werbliche Unterstützung wie für die insgesamt 400 anderen, "normalen" Typen.

Antriebsarten und ihre Abgaswerte

Motoren im Vergleich

Wie sehr ein Auto die Luft verpestet, hängt davon ab, was unter der Haube steckt. Denn je nach Motor stößt ein Wagen unterschiedlich viele Feinstaub-Partikel (PM) und Stickstoffdioxide (NO2) aus. Hier ein Überblick über das Abgasverhalten verschiedener Motoren.

Benzinmotoren

Moderne Benzinmotoren werden durch Direkteinspritzung zwar sparsamer gegenüber der Vergaser-Technik - und damit wird auch ihr CO2-Ausstoß gesenkt. Doch haben die Einspritzmotoren oft einen höheren Feinstaub-Ausstoß. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe stoßen sie eine sehr hohe Zahl an ultrafeinen Partikeln aus, die massive gesundheitliche Folgen für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System haben können. In der Untersuchung kam heraus: Benzinfahrzeuge überschritten den aktuellen Grenzwert für Dieselfahrzeuge teils um das Sechsfache.

Dieselmotoren

Trotz Rußpartikelfilter - Selbstzünder sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) die weniger sauberen. Der Grund: Ihr aktueller Grenzwert nach Euro-5-Norm ist beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx) dreimal höher als bei Ottomotoren. Demnach dürfen Diesel bis zu 180 mg/km an Stickoxiden ausstoßen, während der Vergleichswert bei Benzinern bei 60 mg/km liegt. Bei den Feinstaubpartikeln liegen beide Verbrennungsprinzipien mit erlaubten 5 mg/km gleichauf. Diesel-Pkw können die aktuelle Euro-5-Norm nur mit Hilfe eines Partikelfilters erreichen.

Erdgas- und Autogasantriebe (CNG und LPG)

Erdgas gilt unter den fossilen Treibstoffen in der Expertenwelt als der sauberste. So stoßen Fahrzeuge, die CNG (Compressed Natural Gas) tanken, noch weniger Stickoxide aus als Benziner. Der TÜV Süd nennt gegenüber Benzinern eine Reduktion um bis zu 60 Prozent, bei LPG seien bis zu 15 Prozent weniger möglich. Erdgasautos emittieren zudem fast gar keine Rußpartikel.

Hybrid- und Elektroantriebe

Auch Hybridfahrzeuge müssen die Abgasnormen der EU einhalten. Generell lässt sich dem VCD zufolge sagen, dass Dieselhybride, wie sie neuerdings angeboten werden, mehr Schadstoffe ausstoßen als Benzinhybride. Fahren sie im rein elektrischen Modus, stoßen sie keine Schadstoffe aus - doch liegt die Reichweite für den E-Modus meist nur bei wenigen Kilometern. Dann springt der Verbrenner an. Elektroautos stoßen während der Fahrt zwar keinerlei Schadstoffe aus. Doch bei ihrer industriellen Fertigung und bei der Stromerzeugung werden ebenfalls Rußpartikel und Stickoxide erzeugt.

Aktuelle Luftdaten
Übersicht: Deutsche Umweltzonen
Studie zu Umweltzonen
Kurzinfo zu Umweltzonen
Hintergrundpapier zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Stickstoffoxiden

In Deutschland sind 98,7 Prozent der Neuwagen Benziner oder Diesel. Alternative Antriebe fallen mengenmäßig kaum ins Gewicht. Von knapp 1,9 Millionen in 2012 verkauften Neuwagen, fahren weniger als 10.000 mit Gas; 3.200 Erdgas- und 6.404 Autogas-Fahrzeuge.

Kommentare (5)

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einstein

11.09.2012, 09:49 Uhr

Sie können alternative Antriebe schlecht reden wie sie wollen. Wenn ich umgerechnet für nur 5 Euro pro 100 km für eine Fahrt mit dem VW Passat EcoFuel bezahle, dann bekomme ich das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.

Würden die Autobauer Volumen oder Sportwagen mit alternativen Antrieben bauen,
würde viel mehr Leute auf Erdgas umsteigen.
Schuld am schlechten Abschneiden der Umweltautos haben 1. Hersteller, 2. Energieversorger und 3. die Regierung.

Joerg_Duerre

11.09.2012, 11:01 Uhr

Das Kraftfahrtbundesamt schreibt hier etwas von knapp +300% allein im Julivergleich zum Vorjahr für Autogas:

http://www.kba.de/cln_030/nn_330190/DE/Statistik/Fahrzeuge/Neuzulassungen/MonatlicheNeuzulassungen/2012/201207GV1monatlich/201207__n__barometer__teil2__tabelle.html

Ganz ordentlich gegenüber Elektro mit nur + 33% und Hybrid +113%

BHE

11.09.2012, 11:24 Uhr

Hallo Einstein, und 4. die Leasing-Gesellschaften. Denn die sind strickt gegen die Nachrüstung und die Hersteller bieten serienmäßig kaum etwas an.
PS: Das Netz reiner Erdgas-Tankstellen ist noch zu dünn...

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