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23.05.2014

11:20 Uhr

Leasing

Innovativer Antrieb wird zum Bremsklotz

VonAnke Brillen

E-Autos zu leasen, ist schwierig. Denn viele Anbieter fürchten hohe Restwertrisiken beim Wiederverkauf in ihren Büchern – und manövrieren sich damit laut Experten in eine Sackgasse.

BMW i3 auf der Motorshow in Peking: Bislang bieten fast ausschließlich herstellerunabhängige Anbieter das Leasing von Elektrofahrzeugen an. dpa

BMW i3 auf der Motorshow in Peking: Bislang bieten fast ausschließlich herstellerunabhängige Anbieter das Leasing von Elektrofahrzeugen an.

WertherEine Million Elektroautos soll bis 2020 auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Doch kaum haben BMW und Volkswagen ihre ersten E-Modelle an den Start und damit Bewegung in den Markt gebracht, kursieren Gerüchte über unkalkulierbare Restwerte, wenn diese Fahrzeuge geleast werden.

Mit über 800 Euro soll ein BMW i3 im Leasing zu Buche schlagen - allerdings bei einer Laufzeit von 24 Monaten. In dieser Zeit ist der Wertverlust am größten. Bei einer Laufzeit von 48 Monaten hat sich die Leasingrate dagegen halbiert. Bei Athlon Car Lease Germany beispielsweise ist der BMW i3 im Kilometerleasing für 499 Euro zu haben - ohne Verwertungsrisiko. Und der Smart ist bei einer Laufzeit für 290 Euro "e ready". Nur: Kaum jemand will davon wissen.

„Seit Jahren versuchen wir, alle Leasinggeber von einem Einstieg in die E-Mobility zu überzeugen. Aber es ist kein Interesse da. Dabei haben wir einen Zuwachs von 80 Prozent bei neu zugelassenen E-Fahrzeugen im ersten Quartal“, sagt Kurt Sigl. Der Präsident des Bundesverbands eMobilität (BEM) folgert: „Gesellschaften, die E-Leasing nicht können oder wollen, manövrieren sich in eine Sackgasse.“

Auf diese Klauseln sollten Sie beim Leasing achten

Bearbeitungsgebühren

Der Unternehmer sollte sich den Effektivzins der Finanzierung ausrechnen lassen -- und mehrere Angebote miteinander vergleichen. Im Optimalfall kontaktieren Unternehmer Hersteller, Banken und Leasinggesellschaften. Bearbeitungsgebühren oder vierteljährliche Vorauszahlungen gehen oft zusätzlich ins Geld.

(Quelle: Creditreform-Magazin.de)

Hersteller

Clevere Unternehmer wenden sich im ersten Schritt an den Hersteller und klären die Einzelheiten des Kaufvertrags vorab. So haben sie gleich ein Angebot in der Hand, aus dem sich die genauen Angaben zum Objekt ergeben. Das wiederum braucht die Leasinggesellschaft. Und sie erfahren, ob der Leasinggeber mit dem Hersteller eventuell kürzere Gewährleistungsfristen vereinbart hat - zum Nachteil des Leasingnehmers.

Nutzungsänderungen

Hier ist Vorsicht geboten, zum Beispiel beim Firmenwagen. Werden mehr Kilometer gefahren als vertraglich vereinbart, kann es teuer werden. Clevere Unternehmer überlegen vorab, wie sie das Objekt nutzen wollen. Im Zweifel frühzeitig den Anbieter kontaktieren und den Vertrag anpassen.

Nutzungsdauer

Die Laufzeit des Vertrags sollte maximal der Dauer der Nutzung entsprechen - andernfalls zahlt die Firma die Raten weiter, obwohl das Objekt nicht mehr zur Wertschöpfung beiträgt. Zu unterscheiden sind die unkündbare Grundlaufzeit von 40 bis 90 Prozent der AfA, falls der Leasinggeber das Wirtschaftsgut bilanziert, und die vereinbarte nutzungsabhängige Laufzeit.

Reparaturen

Das Leasingobjekt gehört der Gesellschaft oder der Bank - entsprechende Vorgaben bei Reparaturen sind zu beachten. Der Unternehmer sollte die Details seines Vertrags genau prüfen.

Steuern

In jedem Fall sollte der Firmenchef vor Vertragsabschluss die steuerlichen Aspekte mit einem erfahrenen Berater erörtern. Wer zum Beispiel den Investitionsabzugsbetrag nutzt, muss diesen beim Leasing später wieder gewinnerhöhend auflösen. Der Vertrag sollte so gestaltet sein, dass die Leasingraten als Betriebsausgaben absetzbar sind.

Zinsanpassung

In der Regel haben die Gesellschaften bei langfristigen Verträgen die Option, den Zins bei Veränderungen am Markt anzupassen. Es sollte klar nachvollziehbar und transparent sein, wann das erfolgen darf.

Verbrennungsmotoren sind Sigls Einschätzung zufolge ein Auslaufmodell. „Die Zulassungszahlen von E-Fahrzeugen werden sich rasant nach oben bewegen. Die Akkuhersteller kommen kaum mit der Produktion nach.“ Der BEM rechnet damit, dass die Planzahl für 2020 um das Vierfache übertroffen wird. „Die Leasinggesellschaften müssen Fakten sammeln und sich endlich an Elektromobilität herantrauen.“ „Im Markt kursieren die alten Ängste“, bestätigt Roland Meyer, Commercial Director bei Athlon Car Lease Germany in Meerbusch bei Düsseldorf.

Dabei sollte Leasing der Elektromobilität eigentlich einen Schub verleihen - weil Kilometerleasing das finanzielle Risiko für den Leasingnehmer gegen null herunterfährt. Zwar können „Flottenbetreiber andere Finanzierungsmodelle nutzen als Privatkunden“, wie im ersten Bericht der Nationalen Plattform E-Mobilität zu lesen war. Die Annahme, dass Leasing Bewegung in den Markt für E-Mobility bringt, hat sich jedoch nicht bewahrheitet.

Denn die Situation ist festgefahren. Bisher haben sich nur wenige, überwiegend herstellerunabhängige Anbieter an das Kilometerleasing von Elektroautos gewagt. Die Mehrheit der Leasinggesellschaften scheut das Restwertrisiko in ihren Büchern.

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