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15.08.2012

14:14 Uhr

LED-Beleuchtung am Auto

Der leuchtende Lidstrich - sicher, schick, und teuer

Quelle:dpa

Ob als Tagfahrlicht oder in den Rückleuchten: LEDs gelten als angesagt. Erste Hersteller bieten sogar Voll-LED-Scheinwerfer an, denn Leuchtdioden haben viele Vorteile. Der Nachteil: Defekte LEDs können teuer werden.

Immer mehr Autos haben LED-Technik am Bord, zum Beispiel als Tagfahrlicht im Scheinwerfer.

Immer mehr Autos haben LED-Technik am Bord, zum Beispiel als Tagfahrlicht im Scheinwerfer.

Losheim am SeeIn der dritten Bremsleuchte glimmen sie schon lange auf und funkeln bei immer mehr Autos als Tagfahrlicht in der Fahrzeugfront: Leuchtdioden, kurz LEDs. Zur Verbesserung der Verkehrssicherheit mögen die lichtstarken Leuchten ein Segen sein. Allerdings können sie zum Fluch für Autobesitzer werden - wenn sie nämlich ihren Dienst quittieren. «Einzelne LEDs lassen sich im Allgemeinen nicht austauschen. Das Ersetzen defekter Dioden kann deshalb überraschend teuer werden, vor allem wenn LEDs in die Hauptscheinwerfer integriert sind», sagt Thomas Schuster von der Sachverständigenorganisation KÜS.

LED - diese Abkürzung steht für «Light Emitting Diode» (Licht aussendende Diode). Und grundsätzlich sind LEDs eine feine Sache: Die winzigen Leuchten geben Fahrzeugentwicklern viel Raum für frisches Design im Autogesicht oder am Fahrzeugheck. Sie strahlen sehr hell, obwohl die Dioden wenig Strom verbrauchen: Nach Informationen des Lichtspezialisten und Zulieferers Hella benötigt eine typische aktuelle LED-Tagfahrlichtfunktion im Schnitt 5 bis 10 Watt, während Systeme mit Glühlampen knapp 50 Watt verbrauchen. Vor allem aber gelten LEDs als viel langlebiger. Doch auch sie halten nicht ewig.

Die seit 1998 für Neuwagen vorgeschriebene dritte Bremsleuchte, die in der LED-Technik sehr schnell Standard wurde, zeugt vielfach davon, dass Dioden nach einigen Jahren ausfallen können: «Bei der Hauptuntersuchung fallen uns immer häufiger Autos auf, bei denen der Bremslichtbalken am Fahrzeugheck Lücken aufweist», hat Schuster beobachtet. «Das kann natürlich auch LED-Tagfahrleuchten treffen.»

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Steffen Pietzonka von Hella geht zwar davon aus, «dass LEDs ein Autoleben lang nicht ausgetauscht werden müssen.» In Internetforen klagen aber schon jetzt Autohalter über ausgefallene LED-Tagfahrleuchten, obwohl es diese überhaupt erst seit ein paar Jahren zu kaufen gibt. «Ist die Fahrzeuggarantie abgelaufen, müssen Halter mit hohen Reparaturkosten rechnen», betont Schuster.

LEDs dürfen nämlich nach den international geltenden ECE-Vorgaben für Kfz-Technik nur als Module in Autos eingebaut werden. Das bedeutet, dass die Dioden in einem Bauteil wie der dritten Bremsleuchte verkapselt sein müssen - und zwar «manipulationssicher» (ECE-Regelung R98). Einzelne Dioden können daher nicht entnommen oder ausgetauscht werden, ohne das gesamte Bauteil zu zerstören. Wie gewohnt ein defektes Birnchen herausdrehen und eine neue Leuchte für ein paar Euro einsetzen, das ist bei LED-Modulen nicht möglich.

Für den Fall, dass die LEDs in der dritten Bremsleuchte den Geist aufgeben, sind die Kosten für den Austausch dieses Bauteils nach KÜS-Einschätzung mit etwa 30 bis 100 Euro plus Montage noch recht überschaubar. Ganz anders sieht es etwa beim Tagfahrlicht aus.

Bei vielen Autos, die mit LED-Tagfahrlicht ausgeliefert werden, sind mehrere Dioden zum Beispiel als Lichterketten oder Winkel in die Hauptscheinwerfer integriert. «Und zwar häufig nicht als separates, austauschbares Modul im Scheinwerfergehäuse, sondern als fester Bestandteil», erklärt Pietzonka. Die Gründe dafür seien meist Designvorgaben der Fahrzeughersteller oder konstruktiv bedingt. «Darüber hinaus ist ein kompakter Aufbau der Lichtfunktionen häufig günstiger als separate, austauschbare LED-Platinen», so Pietzonka.

Leidtragender ist am Ende der Autobesitzer: Wenn das integrierte LED-Tagfahrlicht defekt ist, muss oft der komplette Hauptscheinwerfer erneuert werden. «Und dafür werden inklusive Werkstattkosten je nach Fahrzeug leicht viele hundert, manchmal auch mehr als tausend Euro fällig», hat Schuster recherchiert. Je mehr Autos mit integrierter LED-Technik in die Jahre kämen, desto größer werde das Risiko des teuren Austauschs. Für Fahrzeuge mit Voll-LED-Scheinwerfern, die bisher noch recht selten sind, gilt das ebenfalls.

Schwachstelle von LEDs sind laut dem ADAC-Technikexperten Helmut Schmaler nicht die Leuchtkörper selbst, sondern Drähte und Kontakte auf der Trägerplatine, denen zum Beispiel Korrosion zusetzen könne.

Egal ob vorne oder hinten am Auto: Defekte LED-Leuchten müssen spätestens dann repariert werden, wenn mehr als eine Lichtquelle streikt. «Das kann je nach Konstruktion in einer LED-Kette eine einzelne Diode oder ein kleines Modul mit zwei, drei Dioden sein», erklärt Schuster. Bei der Kfz-Hauptuntersuchung muss der Ausfall mehrerer LED-Lichtquellen als erheblicher Mangel beanstandet werden. Das sieht die jüngste Änderungsverordnung straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften vor, die am 1. Juli 2012 in Kraft getreten ist.

Tagfahrlicht: Integriertes LED noch selten

Integriertes LED-Tagfahrlicht bieten Autohersteller bisher meist nur in optionalen Xenon-Scheinwerfern an. In Halogenscheinwerfern sind LEDs laut dem Zulieferer Hella seltener zu finden, für das Tagfahrlicht kommen darin in der Regel noch Glühlampen zum Einsatz. Tagfahrlicht ist für neue Pkw-Typen seit dem 7. Februar 2011 vorgeschrieben und für Nutzfahrzeuge über 3,5 Tonnen seit dem 7. August 2012.

Kommentare (7)

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Autokenner

15.08.2012, 15:33 Uhr

Da hat sich die Autoindustrie ja wieder was feines ausgedacht. Dem Verbraucher wird etwas won "günstiger" von Herrn Piezonka vorgefaselt und am Ende wird etwas ganz einfache - das Wechseln einer Birne oder kleinen LED - zum Austausch einer ganzen, teuren Bauenheit. Die Autoindustrie hat dabei natürlich nur die Sicherheit der Autofahrer im Sinn. Ein Schelm, der dabei böses denkt...

Gleichzeitig verpaßt die Entwicklung, daß die Bauteile als solche nicht mehr reparierbar sind, auch jedem Wagen ein Haltbarkeitsdatum. Das lautet exakt: Dauer der Verfügbarkeit der Ersatzteilbestände plus der Lebensdauer des letzten eingebauten Teils. Dan steht die 40.000-Euro-Karre für immer still, da Reparatur der Einheit laut genannter Verordnung nicht mehr zulässig ist. Also ab in den Schrott damit!

Beim Entwurf solcher Gesetze zeigt sich ganz deutlich der lange Arm der Autolobby, der der Politik den Pinsel führt!

Account gelöscht!

15.08.2012, 16:39 Uhr

Als Betroffener bestätige ich:
LED-Tagfahrlichtdefekt beim Insignia erfordert den Ausstausch des kompletten Scheinwerfers. Kostenpunkt bei Ausführung mit Xenon und dynamischen Kurvwenlicht: 1.280,-€ Teilepreis (UPE) beim Opelhändler zzgl. Aus- und Einbau, Einstellung und Funktionsprüfung knapp 1.500,- € inkl. Mwst. Geht ein konventionelles Tagfahrlichtbirnchen kaputt, kostet dies ca.5,-€ und ist mit wenigen Handgriffen oft in Selbstarbeit austauschbar. Beim Ersatz von LEDs stehen technischer Fortschritt und Wirtschaftlichkeit in keinem verünftrigen Verhältnis.
Schon bald werden neben Navis auch Scheinwerfer nachts aus Autos demontiert und Aussenspiegel mit LED-Blinker abmontiert, weil damit im E-Teile Geschäft für Gebrauchtwagen in den Ostländern viel Geld verdient wird. Habe vor wenigen Tagen gelesen, dass beim Audi A8 der Frontscheinwerfer mit LED-Licht als ET sogar 1.800,- € kostet.
PS: Bei Aussenspiegel mit integriertem LED-Blinklicht gehen die ET-Preise ebenso durch die Decke. In der Spitze kostet ein neuer LED-Spiegel fast 700,- €.

Account gelöscht!

15.08.2012, 18:08 Uhr

Nehmen wir mal Audi als einen der ersten Hersteller, die LED-Tagfahrlichter eingeführt haben:

Wenn hier eine LED kaputt ginge und man würde von mir deswegen 1.500 EUR für die Reparatur verlangen, würde ich dankend abwinken und halt mit mehr und mehr defekten LEDs herumfahren. Dann können alle entgegenkommenden Fahrzeuge mehr und mehr sehen, wie ernst Audi's Slogan "Fortschritt durch Technik" zu nehmen ist. Ob das im Interesse von Audi liegt? Sollte man da dann nicht doch besser ein LED für meinetwegen 20 EUR austauschen?

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