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30.05.2014

19:11 Uhr

Markentod auf Raten

Lancia geht, damit Fiat gedeiht

VonFrank G. Heide

Fiats Strategie ist gesetzt: Alfa Romeo soll sich nach oben orientieren, dort wird sich nahtlos Maserati anschließen. Für die heruntergewirtschaftete Traditionsmarke Lancia wird kein Platz mehr sein. Außer in Italien.

Lancia Delta mit Zweifarblackierung im Stil von Momodesign PR

Lancia Delta mit Zweifarblackierung im Stil von Momodesign

DüsseldorfWer öfter in Italien unterwegs ist, der kennt das Kompaktmodell von Lancia ganz gut. In seinem Heimatland ist der Delta vergleichsweise häufig anzutreffen. Thrillerfans sind ebenfalls mit ihm vertraut: In der Verfilmung von „Illuminati“ hetzt Tom Hanks in einem schwarzen Delta von einem Verbrechensort zum nächsten.

In Deutschland, wo der VW Golf das Maß aller Kompakten ist, gehört er eher zu den Raritäten, ganze 172 Exemplare wurden 2013 verkauft. Und sein Ende ist besiegelt: 2016 wird er eingestellt, wie bis auf den Kleinwagen Ypsilon alle anderen Lancia-Produkte auch. Für Fans italienischer Design- und Motorenvarianten bleibt dann in der Kompaktklasse nur noch der Fiat Bravo sowie die Alfa Romeo Giulietta.

Lancia nur noch in Italien

Der Verkauf von Lancia-Modellen in Deutschland geht vorläufig weiter. Der Service für Kunden der Marke ist über das Netz von Fiat gegeben. Ob es vom Ypsilon einen Nachfolger geben wird, ist unklar. Er wird ab 2016 nur noch in Italien verkauft. Automobil-Produktion.de meldet, den verbliebenen 100 deutschen Lancia-Händlern habe der Fiat-Chrysler-Konzern bereits auf Ende 2016 gekündigt. Im unlängst vorgestellten Fünf-Jahres-Plan ist stattdessen viel die Rede von Alfa und Maserati.

“Marchionne richtet Lancias finale Totenmesse aus”, sagte Gianluca Spina, Dekan der betriebswirtschaftlichen Fakultät an der Polytechnischen Hochschule Mailand. “Es ist eine rationale Entscheidung für einen globalen Autohersteller. Die Marke hat keine Anziehungskraft außerhalb Italiens.”

Man kann diesen Tod auf Raten einer einst großen Marke angesichts so unvergessener Modelle wie dem Aurelia Spider, dem Stratos und dem HF Integrale, bedauern. Aber das unrühmliche Ende der Marken mit großer Geschichte resultiert nie aus Schicksalsfügungen oder dem plötzlichen Abwenden der Kunden. Die Todesursache ist stets Folge von wirtschaftlichem Missmanagement.

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Mit dem Lancia Thema schickt Fiat eine faszinierend altmodische Limousine auf den Markt, die alles anders macht, - und genau deshalb überzeugt. Ein bisschen fühlt man sich wie beim Film "Miss Daisy und ihr Chauffeur".

Und in der Geschichte des Automobils bildet das Sterben von Automarken nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Rund 2.500 Automobilhersteller wurden bis heute registriert. Die überwiegende Mehrheit hat nicht einmal einen Hauch von wahrnehmbaren Molekülen in der Auto-Chronik hinterlassen.

Wer weiß schon noch, dass beispielsweise der deutsche Haushaltsgerätehersteller Miele zwischen 2. April 1912 und 26. Februar 1914 rund 130 Autos gebaut hat?

Es ist wenig verwunderlich, dass zahllose Exoten und Manufakturen mangels Masse oder vermarktungsfähiger Produkte nach wenigen Monaten wieder von der Bildfläche verschwanden. Schlagzeilen schrieben nur die großen Namen, wie MG/Rover, Saab, Oldsmobile, Simca, Talbot, Pontiac, Glas oder Borgward.

Autobauer sind Wirtschaftsunternehmen. Wenn sie scheitern, bewahrheitet sich stets die Regel, „der Fisch beginnt am Kopf zu stinken“. Fehlentscheidungen bei Neuentwicklungen, verschlafene Technik-Trends, mangelhaftes Qualitätsmanagement oder das falsche Design, die Liste möglicher Ursachen für das Scheitern ist beliebig fortsetzbar. Meist gründet es auf mehreren Ursachen, wie sich anhand von Lancia nachvollziehen lässt.

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