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30.04.2015

12:28 Uhr

Maserati Ghibli ist Firmenauto des Jahres

Eine italienische Affäre

VonFrank G. Heide

Bei der Wahl zum "Firmenauto des Jahres 2015" gibt es in der oberen Mittelklasse einen echten Überraschungssieger. Gehen den Fuhrparkprofis die Emotionen durch?

Firmenwagen-Favorit 2015 in der oberen Mittelklasse: Mit Drei-Liter-Diesel Motor, 275 PS, 400 Nm Drehmoment, und einiger Exotik dank Marken-Mythos. PR

Maserati Ghibli

Firmenwagen-Favorit 2015 in der oberen Mittelklasse: Mit Drei-Liter-Diesel Motor, 275 PS, 400 Nm Drehmoment, und einiger Exotik dank Marken-Mythos.

DüsseldorfAuf Italienisch klingt alles besser, passionierte Ferraristi und Ducatisti wissen das. Was Lancia-, Maserati-, Lamborghini- und Alfa-Romeo-Fans die Häärchen auf den Unterarmen aufrichtet, treibt nüchtern kalkulierenden Fuhrparkmanager aber Tränen in die Augen: Exotische und technisch unzuverlässige Geschosse haben in ihren Dienstwagenplänen nichts verloren. Bis Donnerstagmorgen. Als die Ergebnisse der Wahl zum „Firmenauto des Jahres 2015“ bekanntgegeben wurden.

In der so teuren wie prestigeträchtigen und hart umkämpften „oberen Mittelklasse“ heißt der Sieger: Maserati Ghibli. Der Fachmann stutzt, der Laie reibt sich die Augen: Und die früheren Seriensieger? Audi A6, Mercedes E-Klasse und 5er-BMW, die Vorführwagen unserer Premium-Kultur? Sie folgen abgeschlagen auf den Plätzen. Zusammen mit Lexus und Jaguar.

Maserati Ghibli Diesel : Mythos mit Mängeln

Maserati Ghibli Diesel

Mythos mit Mängeln

Bella macchina! Wer einen Ghibli fährt, darf sich der Aufmerksamkeit nicht nur Mitbürgern italienischer Abstammung sicher sein. Doch leider kann die Limousine nicht in jeder Hinsicht überzeugen.

Was war da los, bei der Wahl der Fachzeitschrift „Firmenauto“ und der Sachverständigenorganisation Dekra? Sakrileg durch Abstimmungsfehler, Tabubruch mit Fuhrparkmanagern auf Drogen? Mitnichten, wie die Typenbezeichnung des stolzen Siegers zeigt: 3.0 Diesel. Das ist neu: Ein für seine Antrittskraft und Genügsamkeit gerühmter Selbstzünder tuckert fröhlich im neuen Ghibli an der Stelle, wo früher V8 aus Maranello lebenslustig brüllend hochoktanigen Sprit soffen.

Emotional hat die Traditionsmarke aus Bologna mit dem Dreizack im Logo, die 2014 Hunderjähriges Jubiläum feierte, uns ja schon immer fasziniert. Weil wir Oldtimer lieben und Exoten gern anschauen, aber nicht für den Alltag kaufen. Dass nun mit scharfem Stift rechnende Fuhrparkprofis die fast fünf Meter lange Limousine mit 275 PS als typisches Geschäftsführerfahrzeug empfehlen, freut uns gleich doppelt.

Die Firmenautos des Jahres 2015

Wer wählt was?

270 Fuhrparkmanager haben vom 27.-29. April die Firmenautos des Jahres 2015 gewählt. Bei Europas größtem Praxis-Vergleichstest rund um den Europapark Rust fuhren und bewerteten die Fuhrparkprofis 63 Modelle in elf Kategorien, darunter auch Elektrofahrzeuge.

Systematik und Ausrichter

Da in jeder Fahrzeugklasse jeweils ein Gesamt- und ein Importsieger ermittelt wurden, dürfen somit 16 Modelle (in zwei Kategorien gab es nur eine Gesamtwertung, in vier Klassen war das beste Auto ein Importfahrzeug) das Prädikat „Firmenauto des Jahres“ tragen. Den Preis verleihen - wie jedes Jahr - die Fachzeitschrift "Firmenauto" und die Sachverständigenorganisation "Dekra".

Minicars

Sieger Importwertung: Hyundai i10 1.2; Sieger Gesamtwertung: Hyundai i10 1.2

Kleinwagen

Sieger Importwertung: Hyundai i20 1.4 CRDi; Sieger Gesamtwertung: BMW i3 (mit Range Extender)

Kompaktklasse

Sieger Importwertung: Seat Leon ST 2.0 TDI DSG; Sieger Gesamtwertung: BMW 118d

Mittelklasse

Sieger Importwertung: Mazda6 Kombi Skyactiv-D 175 i-Eloop AWD; Sieger Gesamtwertung: Mercedes C 350 e T-Modell

Obere Mittelklasse

Sieger Importfahrzeuge: Maserati Ghibli 3.0 Diesel

Sieger Gesamtwertung: Maserati Ghibli 3.0 Diesel

Oberklasse

Sieger Importwertung: Nicht vergeben; Sieger Gesamtwertung: Mercedes S500 Plug-in Hybrid

Einmal haben die Italiener es per cleverem Soundcomposing geschafft, dem Ghibli trotz Dieselmotor einen V8-Sound zu verpassen. Eine Klang-Bereicherung, die ebenfalls auf Italienisch einfach besser klingt. Die Ledersitze in rassigem Rosso-Trofeo-Rot wirken auch intensiver als kleinkariertes Tuch.

Zweitens zeigt der Flirt der Dienstwagen-Spezialisten, dass wir Deutschen zu einer italienischen Affäre emotional überhaupt in der Lage sind. Oft beklagen Management-Experten ja mangelnde Entschlusskraft, fehlende Risikofreude.

Der Ghibli löst beide Probleme.  Wer sich den Wagen als GmbH-Chef zutraut, der zeigt Flagge auf dem Parkplatz. Und er hat beim Kundenbesuch zwei Optionen: Er sagt entweder selbstbewusst „Naturalmente fahre ich Maserati“. Oder, deutsch-typisch: „Ist aber ein Diesel“.

Die Entscheidung, dass die italienische Affäre ein Flirt bleibt, und nicht bis zur Silberhochzeit halten muss, dafür sorgt wieder der Fuhrparkmanager. Nächstes Jahr werden neue Sieger gekürt, und der frische Dienstwagen kommt in spätestens drei Jahren. Dann vielleicht aus China.

Kommentare (1)

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Sergio Puntila

30.04.2015, 12:51 Uhr

Sollte es Maserati gelungen sein, Werkstattaufenthalte deutlich zu minimiert zu haben, wäre das natürlich schon fein. Dann wäre sowas als Dienstwagen eine echte Wahlmöglichkeit.
Schaun mer mal.

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