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25.01.2005

13:05 Uhr

Nachrichten

Mehr Fußgängerschutz am Auto

Autos sind heute sicherer denn je - was in erster Linie den Insassen zu Gute kommt. Die werden von elektronischen Systemen vor Unfällen bewahrt, und kracht es trotz allem einmal, schützen zum Beispiel Airbags und Gurtstraffer.

Fußgängerschutz

Gefährdete Passanten. Quelle: DVR/dpa/gms

dpa/gms BERLIN/OFFENBACH. Autos sind heute sicherer denn je - was in erster Linie den Insassen zu Gute kommt. Die werden von elektronischen Systemen vor Unfällen bewahrt, und kracht es trotz allem einmal, schützen zum Beispiel Airbags und Gurtstraffer.

Außen vor blieben jedoch die am wenigsten geschützten Verkehrsteilnehmer - die Fußgänger. Ihnen wird die Autoindustrie sich nun verstärkt widmen müssen. Denn im Oktober tritt eine neue europäische Richtlinie in Kraft: Künftig müssen neue Modelle in Crashtests beweisen, dass ihre Konstruktion Fußgänger bei einem Aufprall nicht übermäßig gefährdet.

Geplant ist, den Fußgängerschutz durch die Autos in zwei Stufen zu verbessern. „Ab Oktober 2005 tritt eine erste Stufe in Kraft, die Tests mit so genannten Prüfkörpern vorsieht“, erklärt der Berliner Verkehrsforscher Matthias Kühn. Die geplante Prüfung sieht vor, dass bestimmte Karosseriebereiche mit nachgebildeten Körperteilen eines Menschen „beschossen“ werden - Beine, Hüfte und Kopf. Vom Jahr 2010 an werden in der zweiten Phase erweiterte Tests gemacht.

„Wichtig ist dabei, dass der Test ab Oktober 2005 für die Zulassung relevant ist“, erklärt Kühn. Das heißt, dass ein neu entwickeltes Fahrzeug nicht in den Straßenverkehr kommen darf, wenn es die Anforderungen nicht erfüllt. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass vom Herbst an gleich alle Neuwagen die Anforderungen erfüllen. „Nur neu entwickelte Modelle, die nach dem Oktober eingeführt werden, müssen den Test bestanden haben.“

Künftig müssen Motorhauben so beschaffen sein, dass sie beim Aufprall des Körpers Energie aufnehmen. „Um genügend Energie abbauen zu können, müssen unter dem Blech der Haube etwa acht bis zehn Zentimeter freier Raum zur Verfügung stehen“, sagt Kühn. Doch Platz ist im Motorraum moderner Modelle rar: „Der harte Motorblock befindet sich oft recht nah unter der Haube“, erläutert Enno Pflug, Sprecher des Elektronik-Zulieferers Siemens VDO in Schwalbach/Taunus.

Der japanische Hersteller Honda hat auch schon andere Fahrzeugteile mit Blick auf die Anforderungen des Fußgängerschutzes konstruiert: „Unter anderem sind die Scheibenwischerhalterungen nachgiebig gelagert und daher bei einem Aufprall für den Fußgänger nicht mehr so gefährlich“, sagt David Plättner, Pressesprecher von Honda Deutschland in Offenbach. Zudem sind die Kotflügelhalterungen verformbar und mit Sollbruchstellen ausgerüstet.

Honda hat auch den Prototypen einer „Popup Motorhaube“ entwickelt. Sensoren im Stoßfänger sorgen dafür, dass beim Aufprall eines Fußgängers der hintere Bereich der Motorhaube zehn Zentimeter in die Höhe schnellt. So entsteht eine nachgiebige Aufprallfläche. Das System muss nach einem Unfall allerdings erneuert werden.

Siemens VDO hat einen Hauben-Heber konstruiert, der sogar mehrfach zu verwenden ist. Gearbeitet wird dabei laut Enno Pflug mit einem „pneumatischen Muskel“: „Ein Sensor meldet der Elektronik, dass etwas geschieht. Der Computer errechnet dann, ob es sich bei dem Aufprallenden um einen Menschen handelt. Ist die Gefahr so erkannt, wird der Muskel aufgepumpt“, beschreibt Pflug die Vorgänge. In Serie könnte das System in drei Jahren eingesetzt werden.

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