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30.12.2014

10:46 Uhr

Mercedes 600 Oldtimer

Udo Jürgens‘ weißer Autotraum steht zum Verkauf

Mit Udo Jürgens ist nicht nur ein großer Schlagersänger und Entertainer, sondern auch ein großer Autoliebhaber gestorben. Ein weißer Mercedes 600, der einst zu seinem Fuhrpark gehörte, soll nun verkauft werden.

Ein weißer Mercedes 600 (wie abgebildet), der einst Udo Jürgens gehörte, soll bald verkauft werden. PR

Ein weißer Mercedes 600 (wie abgebildet), der einst Udo Jürgens gehörte, soll bald verkauft werden.

StuttgartEine Woche nach dem Tod des Schlagersängers Udo Jürgens soll eines seiner Traumautos einen neuen Besitzer finden, berichtet die „Bild“. Ein weißer Mercedes 600 wird derzeit in Heimerdingen bei Stuttgart restauriert. In den kommenden Wochen will Oldtimer-Händler Klaus Kienle ihn zum Verkauf stellen.

Jürgens hatte den schicken weißen Schlitten, mit dem er jahrelang durch die Straßen von München fuhr, im Oktober 1969 in Stuttgart gekauft – für den Preis von 46.000 DM (umgerechnet rund 23.000 Euro). Heute wird ein solches Modell bei sehr gutem Zustand auf bis zu 200.000 Euro geschätzt.

Die Rücksitze ließ Jürgens mit blauem Verloursleder beziehen. Gesteuert wurde die 250 PS starke Limousine meist von einem Chauffeur. Jürgens selbst nahm auf der Rückbank Platz. Hinten links wurde darum extra eine Leselampe für ihn installiert – für die angenehme Lektüre auch bei Autofahrten im Dunkeln.

Der Oldtimermarkt in Daten und Fakten

Preise klettern

Die Preise für historische Fahrzeuge sind 2013 gestiegen, das geht aus einer Berechnung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) hervor. Dessen Deutscher Oldtimer Index legte um 8,1 Prozent zu, 2012 betrug das Plus 4,2 Prozent. Vor allem im zweiten Halbjahr 2013 beobachtete der Verband eine deutliche Aufwärtsentwicklung im Markt.

BMW gefragt

Der BMW 520i (E12) hat laut VDA 2013 prozentual am meisten an Wert gewonnen. Damit steht in der Rangliste der Fahrzeuge mit dem höchsten Zuwachs gegenüber den Vorjahr erstmals ein Modell von BMW ganz oben. Den ersten BMW der 5er-Reihe produzierten die Münchner von 1972 bis 1981.

Suche nach Chrom-Juwelen

Zwei Trends beobachteten Analysten 2013 auf dem Oldtimer-Markt: Einerseits gibt es den Investment-Trend in Sachwerte auszuweichen. Darunter fallen zum Beispiel die Auktionen, in denen seltene Fahrzeuge, wie der Flügeltürer Mercedes 300 SL, extrem hohe Preise erzielen ...

... oder Fahrfreude im Schnauferl

Auf der anderen Seite des Oldtimer-Booms stehen die echten Enthusiasten. Sie geben im Schnitt für ein Fahrzeug weniger als 20.000 Euro aus. Ein reines Liebhaberhobby, ist doch kein exorbitanter Wertzuwachs erkennbar: In der Regel kompensiert er nicht einmal die stetig anfallenden Wartungs- und Erhaltungskosten.

Teure Massenware

Innerhalb der vergangenen 15 Jahre haben zwei Volumenfahrzeuge besonders stark an Wert gewonnen: Bei der „Ente“ Citroen 2CV 6 und dem „Bulli“ VW T2 verzeichnet der VDA den höchsten Zuwachs. 

Rost statt Chrom

Der Flügeltürer Mercedes 300 SL erzielte in den vergangenen Monaten Rekordpreise. So zahlte ein Käufer auf einer US-Auktion 1,4 Millionen Dollar für ein restauriertes Exemplar, auf der gleichen Veranstaltung kam ein ramponierter Flügeltürer im Originalzustand gar für 1,9 Millionen Dollar unter den Hammer.

Mehr Youngtimer

Auf Deutschlands Straßen sind mehr Youngtimer unterwegs. Die Zahl der Fahrzeuge im Alter von 20 bis 29 Jahren stieg 2013 auf rund vier Millionen.

Im Schnitt fällt jeder dritte Youngtimer bei der Hauptuntersuchung durch und erhält im ersten Anlauf keine neue Plakette.

... und mehr Oldtimer

Nie zuvor fuhren mehr historische Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen als heute. Derzeit sind es mehr als 314.000 Klassiker mit H-Kennzeichen. Jedes Jahr wächst der Bestand um rund zehn Prozent. Dabei ziert das H-Kennzeichen nur solche Fahrzeuge, die mindestens 30 Jahre alt sind und nach einer amtlichen Prüfung als „kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut“ anerkannt sind. Insgesamt sind rund 452.000 Autos mit mehr als 30 Jahren auf dem Buckel unterwegs.

Teurer Stern

Auch das aktuell teuerste Auto der Welt wurde 2013 versteigert: Für 29,7 Millionen Dollar (rund 21,8 Millionen Euro) kam ein Mercedes W 196 Silberpfeil Rennwagen aus dem Jahr 1954 unter den Hammer.

Im Schnitt fünfstellig

Laut dem Marktbeobachter „Classic-Tax" liegt der Durchschnittswert eines Oldtimers in Deutschland bei rund 15.000 Euro.

In Zeiten ohne Handy bot der Mercedes auch ein weiteres komfortables Extra: Über eine Telefonanlage konnte Jürgens auf seiner Rückbank telefonieren. Nebelleuchten, die es damals noch nicht serienmäßig gab, ließ er sich zusätzlich einbauen. „Die wollte er, weil er viel in Österreich und Bayern unterwegs war“, wird Kienle von der „Bild“ zitiert.

15 Jahre blieb der Mercedes im Besitz des Schlagersängers, dann verkaufte er ihn an einen Freund in den USA. Erst vor wenigen Wochen vor Jürgens Tod fand das Traumauto den Weg zurück nach Deutschland – zu Restaurator Kienle. Es wird nicht das einzige Traumauto aus dem Nachlass von Jürgens sein, das einen neuen Besitzer glücklich machen wird.

Besonderes Extra: Eine Telefonanlage auf der Rückbank. PR

Besonderes Extra: Eine Telefonanlage auf der Rückbank.

Denn die große Autoliebe des Schlagersängers war schon zu Lebzeiten legendär. Neben dem Mercedes 600 besaß Jürgens auch andere Baureihen des Stuttgarter Autobauers. In seiner Garage standen nach Informationen der „Autobild Classic“ auch ein 450 SL und ein 450 SEL, den 600 besaß Jürgens in der Kurz- und Langversion.

Aber auch britische Fahrzeuge standen hoch in seiner Gunst. Neben einem schwarzen Rolls-Royce Corniche S2 Cabrio fuhr Jürgens einen offenen, dunkelblauen Bentley. „Schon als kleiner Bub habe ich von einem Bentley geträumt. Diesen Traum habe ich mir erfüllt“, zitiert die Zeitung den Schlagersänger.

Von

bay

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