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25.09.2012

14:46 Uhr

Mercedes A-Klasse

"Alles andere als langweilig"

VonFranz Rother
Quelle:WirtschaftsWoche

Mit der neuen A-Klasse wollen die Stuttgarter die Kompaktklasse aufmischen. Wie das funktionieren soll, erklärt Mercedes-Vertriebschef Joachim Schmidt bei einer Ausfahrt mit dem A 250.

Joachim Schmidt, 63, mit dem A 250. Schmidt ist seit sechs Jahren Vertriebs- und Marketingchef von Mercedes-Benz Cars und seit 33 Jahren für Daimler tätig. WirtschaftsWoche Online

Joachim Schmidt, 63, mit dem A 250. Schmidt ist seit sechs Jahren Vertriebs- und Marketingchef von Mercedes-Benz Cars und seit 33 Jahren für Daimler tätig.

Stuttgart/DüsseldorfDer erste Versuch im Herbst 1997 sorgte für Hohn und Spott: Die A-Klasse hatte die Neigung, bei heftigen Lenkmanövern aufgrund des hohen Schwerpunkts aus der Balance zu kommen und zu kippen. Die Konstruktionsschwächen, die sich beim sogenannten Elchtest offenbart hatten, wurden durch den Einbau eines elektronischen Schleuderverhinderers und strafferer Federn zwar beseitigt. Doch der Ruf der Marke war dadurch erst einmal lädiert.

Beim zweiten Versuch, mit dem frontgetriebenen Minivan in der Golfklasse Fuß zu fassen, waren die Kinderkrankheiten der A-Klasse zwar beseitigt. Aber ein Hit wurde der Baby-Benz immer noch nicht. In acht Jahren Produktionszeit wurden von dem werksintern W169 genannten kleinsten Mercedes zwar mehr als eine Million Exemplare verkauft. Aber weder erzielte der Konzern mit dem Modell ordentliche Renditen, noch erreichte man mit der A-Klasse die anvisierte jüngere Zielgruppe. Geschätzt wurde das Auto wegen seiner konstruktionsbedingt hohen Sitzposition vor allem von Senioren.

Bei der Entwicklung der dritten Generation der Mercedes A-Klasse, die nächste Woche auf den Markt kommt, entschloss sich die Konzernleitung deshalb zu einem radikalen Neubeginn, einem freiwilligen Sprung zurück auf Los: weg vom Minivan – hin zu einer sportlichen Optik und damit, so hofft Daimler, zu einer jüngeren Klientel: Die hohe Sitzposition in der alten A-Klasse zog eher die Generation 50plus an und ließ Jüngere zur Konkurrenz abwandern. Die neue A-Klasse nun ist eine Kampfansage an die Premiumkonkurrenten Audi A3 und 1er-BMW, aber auch an den neuen VW Golf.

Vertriebschef Joachim Schmidt lässt sich nicht lange bitten, das neue Fahrzeug persönlich vorzustellen. Zur Probefahrt rund um Stuttgart hat sich „Mister Mercedes“ das Top-Modell ausgesucht: einen A250 Blue Efficiency in Sportausführung, 211 PS stark und knallrot lackiert.

Schmidt schwingt sich hinter das Steuer und lenkt das Auto vom Gelände der ehe-maligen Konzernzentrale in Möhringen auf die Landstraße nach Leonberg.

Wirtschaftswoche: Herr Schmidt, wenn ich mir die Ausstattung unseres Testwagens ansehe – das ist jetzt aber nicht das Basismodell?

Schmidt: Nein, das ist der A250 mit einem AMG-Kit. Das ist eine der Top-Versionen. Aber Sie sollen das Auto ja von seiner besten Seite kennenlernen. Der Testwagen ist mit Ledersitzen ausgestattet, auch Armaturenbrett und Lenkrad sind mit Rinderhäuten bezogen. Die Pedalerie glänzt in Aluminium, der Instrumententräger schimmert in Carbonoptik. Alles in allem kommt der Testwagen auf einen Preis von fast 49.000 Euro. Die meisten Käufer der A-Klasse dürften eine spartanischere Version wählen? Schmidt: Auch das Basismodell für 24.000 Euro haben wir sehr gut ausgestattet, zum Beispiel mit einem serienmäßigen Kollisionswarnsystem, mit einem sehr guten Audiosystem und mit unserem Müdigkeitserkennungssystem Attention Assist.

Einschlafwarner ist ein gutes Stichwort. Einige meiner Kollegen finden, Mercedes sei langweilig geworden.

Das ist sehr amüsant, denn anderen Ihrer Kollegen sind wir zu aufregend. Aber ernsthaft: Wir haben so viele begeisternde, auch sportliche Autos. Nehmen Sie nur mal den SL, den SLK, den CLS, den SLS oder das C-Klasse Coupé. Auch die neue A-Klasse ist alles andere als langweilig.

Wie zum Beweis drückt Schmidt das Gaspedal kräftiger durch. Das Auto reagiert sofort, macht einen Schuss nach vorn. Ist das noch die A-Klasse? Das Modell der ersten Generation war eine Mixtur aus Stadtwagen, Familienauto und Mini-Van. Motor und Getriebe waren platzsparend teils vor und teils unter der Fahrgastzelle untergebracht. Dieses Sandwichkonzept gibt es künftig nur noch in der B-Klasse.

Warum dieser Schwenk?

Die alte A-Klasse war sehr erfolgreich, und viele unserer Kunden schätzen ihre erhöhte Sitzposition. Ihnen bieten wir jetzt unsere neue B-Klasse. Jüngere Leute schätzen die höhere Sitzposition dagegen nicht so sehr. Deshalb haben wir uns entschieden, mit der neuen Fahrzeuggeneration eine andere Strategie zu fahren.

Eine B-Klasse für die Senioren und eine A-Klasse für Yuppies?

Sie wären überrascht, wie viele junge Leute sich von unserer neuen B-Klasse angesprochen fühlen, gerade junge Familien. Wobei es nicht bei den zwei Modellen bleiben wird. Wir haben in dem Segment insgesamt fünf Autos in Planung.

Joachim Schmidt bei der Vorstellung der neuen B-Klasse auf der IAA 2011. Es war das erste Modell der komplett neu entwickelten Kompaktwagen-Generation. obs

Joachim Schmidt bei der Vorstellung der neuen B-Klasse auf der IAA 2011. Es war das erste Modell der komplett neu entwickelten Kompaktwagen-Generation.

Nämlich?

Nach der A-Klasse kommt im nächsten Jahr der CLA, ein wunderschönes viertüriges Coupé auf der Basis der A-Klasse. Wenn man so will, dann ist das ein kleiner CLS. Dann wird es noch einen kleinen Geländewagen geben.

Eine Cabrio wäre auch denkbar.

Wie aufs Stichwort kommt uns nur Minuten später ein „Erlkönig“ entgegen. Die Proportionen des mit allerlei schwarzen Folien abgeklebten Kompaktwagens verraten die Verwandtschaft zur A-Klasse, die stark abfallende Dachlinie auf eine Coupé-Variante. Zwei Sekunden später ist der Prototyp im Heckspiegel entschwunden. Schmidt verkneift sich jeden Kommentar dazu – die Zukunft ist Betriebsgeheimnis. Denkbar wäre es. Aber unter den fünf Autos dieser Generation wird es kein Cabrio geben.

Das ist richtig, aber mit einem so attraktiven Auto macht man seine eigene Konjunktur. Wir können die Einführungen von neuen Autos nicht mit Blick auf die Weltkonjunktur planen, sondern tun das nach unseren eigenen Zyklen. Natürlich gehen die Märkte in Südeuropa zurück, aber in Deutschland oder in England ist der Markt stabil – wir haben hier im ersten Halbjahr deutlich mehr Autos verkauft als im Vorjahreszeitraum. Wir sind deshalb ganz optimistisch.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

25.09.2012, 15:08 Uhr

49.000 Euro für einen Kompaktwagen - das sind fast 100.000 D-Mark.

Womöglich noch mit mangelnder Rostschutzvorsorge.

Die spinnen wohl.

Elchi

25.09.2012, 16:21 Uhr

Na ja für MB optisch ganz nettes und geleungenes Meanstreamauto trifft aber den Zeitgeist; nehme jedoch an das Desing ist nicht sehr zeitlos. Der Charater der Marke ist nicht mehr erkennbar (weil nicht mehr vorhanden) - und die Qualität - Zetsches Sparporgramme lassen nichts gutes ahnen.

A-Klasse-oder-Masse

25.09.2012, 18:29 Uhr

Ich gehöre zur Zielgruppe. Nur das Alter leigt bei mir bei genau 40. Also nicht ganz so jung, wie Mercedes sich seine Kunden wünscht, aber immerhin noch nicht die 50 Plus.
Ich wollte mir dann mal so eine A-Klasse im Internet konfigurieren. Geld habe ich. Bei der Motorauswahl musste ich leider schon abbrechen. Der A250 mit 211 PS kostet in der Grundausstattung 37.000 Euro und man bekommt dafür einen 4-Zylinder-Motor! Mit ein bisschen Ausstattung, werde ich wohl schnell auf über 45.000 Euro kommen. Und dafür dann einen 4-Zylinder? Das lässt sich dann mit der VW-Konzern-Strategie vergleichen. Einfach die Autos kleiner machen, aber dafür teurer. Siehe VW UP und Audi A1. Da ich für mein Geld einen Motor im Auto haben möchte und nicht mit dem Anlasser fahren will, schaue ich dann mal bei der B-Klasse vorbei. Und was bekomme ich da für mein Geld? Auf jeden Fall wieder keinen 6-Zylinder. Ja dann schaue ich mal beim kleinsten BMW nach. Den 1er.
Und siehe da, ich kann mir einen 6-Zylinder konfigurieren. Da ich im Sauerland wohne und die Gemeinde aus Spargründen keinen Winterdienst mehr fährt, kann ich mir bei BMW sogar einen 1er mit Allrad kaufen. Wie nochmal hat Mercedes vor, dem Wettbewerb Kunden abzujagen? Mit abgespecktem Fuhrpark und dafür eine blinkende Kaffeetasse im Tacho, der mir vorschreibt, wann ich Pausen zu machen habe? Das kommt dabei raus, wenn man zuviel mit den Klimawandlern frühstückt und sich bei der Politik anbiedern will. Dann verliert man den Blick auf die Realität. Mercedes ist teuer. Und für mein Geld möchte ich etwas bekommen. Und zwar das, was ich möchte und nicht das, was Mercedes meint, was ich zu möchten habe.
Lieber Mercedes-Vertriebschef. Jetzt bin ich schon 40 und bringe es immer noch nicht übers Herz, mein Geld im Mercedes-Autohaus auszugeben. Ihr werdet bei 50 Plus bleiben. Allerdings, wenn ich dann 50 bin, gibt es bei Mercedes wahrscheinlich nur noch 3- und 2-Zylinder-Motoren.

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