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10.01.2005

12:11 Uhr

Mercedes und Audi starten mit neuen Modellen in einen abkühlenden US-Markt

Geländewagen-Boom stößt an Grenzen

VonCarsten Herz

Den Auftakt der Auto Show am Sonntag in Detroit, der wichtigsten Branchenmesse der USA, hat der neue Mercedes-Chef Eckhard Cordes nicht von ungefähr als Schauplatz für die Weltpremiere der neuen Generation des Off-Roaders M-Klasse gewählt: Nordamerika bietet den größten Markt für komfortable Geländewagen.

DETROIT. Doch erstmals seit Anfang der neunziger Jahre müssen sich die Hersteller im mit Abstand wichtigsten Offroader-Markt auf Gegenwind einstellen. Erste Marktforscher prognostizieren bereits, dass das Segment an seine Grenzen stößt.

Für Mercedes, Land Rover und Audi, die alle dieses Jahr neue Modellen vorstellen, bedeutet dies eine schlechte Nachricht. Für die großen US-Hersteller wäre es hingegen ein Drama, denn die „Big Three“ beherrschen noch immer den heimischen Markt für SUV (Sports Utility Vehicle). Bisher galt das Geschäft mit Geländewagen als das lukrativste Segment des amerikanischen Autogeschäfts. Zudem zählt es zu den letzten Domänen der Amerikaner auf ihrem Heimatmarkt.

Doch 2004 wurden die Händler zu massiven Preisnachlässen gezwungen. Nach einer Erhebung des Branchenforschungsinstituts J.D. Power mussten sie ihre Rabatte teilweise verdoppeln.

Der wichtigste Grund: Die Spritpreise haben sich in den USA in den letzten drei Jahren fast verdoppelt. Auch wenn sie damit weiter nur halb so hoch liegen wie in Europa, beginnen viele Amerikaner umzudenken. Der größte US-Autobauer General Motors (GM) reagierte bereits und kündigte Anfang Dezember des vergangenen Jahres an, die SUV-Produktion von drastisch zu drosseln.

Der Run der Amerikaner auf die bulligen Geländewagen hatte Anfang der 90er-Jahre begonnen, weil die Wagen sicher wirkten und der Staat diese so genannten leichten Nutzfahrzeuge steuerlich begünstigte. Doch ihre Liebe zu den schwergewichtigen Fahrzeugen hat sich in jüngster Zeit deutlich abgekühlt. „Die Amerikaner merken nun auch, dass Benzin Geld kostet“, sagte Ulrich Winzen, Chefanalyst des Marktforschungsunternehmens Polk Marketing Systems. Auch in Europa zeichnet sich bei Geländewagen allmählich ein Ende des Wachstumstrends ab. Polk hält diesseits des Atlantiks den Zenit des Segments schon in wenigen Jahren für überschritten.

Ein Abflauen des Marktes macht das Geschäft von Audi und Mercedes mit ihren neuen Luxusgeländewagen nicht einfacher. Die Ingolstädter wollen Ende des Jahres mit einem sechssitzigen Geländewagen mit dem Namen Q7 an den Start gehen. Die neue Mercedes M-Klasse soll bereits im Frühjahr in den USA und im Sommer in Europa zu den Kunden kommen.

Und auch Daimler hat 600 Mill. Dollar in den Ausbau des Werks in Tuscaloosa im amerikanischen US-Bundesstaat Alabama investiert, in dem der Geländewagen gebaut wird. Allerdings werden dort künftig neben der M-Klasse auch die verwandten Modelle des ebenfalls 2005 auf den Markt kommenden Crossover-Fahrzeugs R-Klasse sowie des Geländewagen-Urgesteins G-Modell von Mercedes produziert.

Experte Winzen ist aber optimistisch, dass die Premiumhersteller auch in einem raueren Markt bestehen können. Denn das gehobene Segment sei weniger preissensibel. „Auch wenn der Markt nicht mehr automatisch wächst, ist durch Modelleinführungen immer noch Wachstum möglich“, sagte der Chefanalyst.

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