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18.06.2013

12:55 Uhr

Mitfahrzentralen

„Ladies only“ steigen ins „Blablacar“

Quelle:dpa

Ziel eingeben, einen Fahrer anrufen und den Treffpunkt ausmachen: So funktionieren die meisten Mitfahrzentralen. Der Platzhirsch setzt nun auf Gebühren und ein automatisiertes Buchungssystem. Der Markt regt sich.

Anrufen, einsteigen und los: Viele Mitfahrer schätzen die unverbindliche Kontaktaufnahme mit einem Fahrer. Foto: flinc PR

Anrufen, einsteigen und los: Viele Mitfahrer schätzen die unverbindliche Kontaktaufnahme mit einem Fahrer.
Foto: flinc

MünchenDer Aufschrei kam schnell, und er war laut: Als der Anbieter Mitfahrgelegenheit.de Ende März verkündete, eine Gebühr zu erheben, zeigten sich viele Nutzer entrüstet. Vor allem im Internet entlud sich der Zorn. Auf Facebook wurde gleich eine Protest-Seite eingerichtet, die zum Boykott aufrief. «Wir haben mit derartigen Reaktionen gerechnet», sagt Sprecher Thomas Rosenthal von Mitfahrgelegenheit.de. «Verwundert waren wir zum Teil über den Ton, der besonders in den sozialen Medien angeschlagen wurde.»

Tatsächlich müssen Fahrtenanbieter auf Mitfahrgelegenheit.de nun bei Strecken über 100 Kilometer 11 Prozent des Fahrpreises pro Mitfahrer an die Betreiber des Portals zahlen. Der technische und personelle Aufwand mache die Gebühr notwendig, erklärt Rosenthal. Darüber hinaus müssen sich Nutzer registrieren und können Fahrten nur noch verbindlich über das Internet buchen. Bislang ist es bei den meisten Anbietern so, dass Fahrer und Mitfahrer sich lose über das Handy verabreden. Das Risiko: Man wird einfach stehengelassen.

Mitfahrgelegenheit.de erregte durch seinen Vorstoß offenbar so viel Unmut, dass sich prompt zwei Wettbewerber gründeten. Stephan Grätz von Bessermitfahren.de sieht seine kostenlose Plattform als unmittelbare Reaktion auf die neue Gebühr der Konkurrenz. Das Prinzip lautet: «So einfach wie möglich.» Nutzer müssen sich auf der Plattform nicht registrieren. Schließlich sei «ein einfaches Konto keine Garantie dafür, dass die Daten auch stimmen», argumentiert Grätz.

Im April startete außerdem der deutsche Ableger von Blablacar als kostenlose Alternative zu Mitfahrgelegenheit.de. Es gibt zwar kein Buchungssystem, aber Mitfahrer müssen sich dort registrieren und ihre Handynummer verifizieren. Der Dienst bietet ein Bewertungssystem für Fahrer und Mitfahrer sowie die Option «Ladies only»: Frauen können sich entscheiden, nur mit anderen Frauen das Auto zu teilen.

Es sieht im Moment danach aus, dass sich der Mitfahr-Markt in zwei Richtungen entwickelt. Auf der einen Seite steht der kostenpflichtige Platzhirsch mit standarisiertem Buchungssystem. Auf der anderen Seite finden sich die kostenlosen Dienste, darunter auch Drive2day oder Mitfahrzentrale.de, die eine Vermittlung dem Fahrer und seinen Mitfahrern überlassen. Auch wenn viele dieser Anbieter ihre Dienste ausbauen - Geld von den Nutzern will keiner von ihnen nehmen.

Ladies only: Bei Blablacar können sich Frauen dafür entscheiden, nur Frauen mitzunehmen. PR

Ladies only: Bei Blablacar können sich Frauen dafür entscheiden, nur Frauen mitzunehmen.

Dass sich viele Kunden gegen verbindliche Buchungen und eine vermeintliche Kommerzialisierung der Mitfahr-Idee sträuben, zeigt das Beispiel Fahrgemeinschaft.de. Dort treten Fahrer und Mitfahrer selbstständig in Kontakt, die angebotenen Fahrten sind ohne Registrierung einsehbar. Betreiber Sven Domroes plante eigentlich ein Bewertungssystem. Das mache aber ohne ein Buchungssystem keinen Sinn.

Kommentare (2)

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18.06.2013, 15:28 Uhr

"Bei Blablacar können sich Frauen dafür entscheiden, nur Frauen mitzunehmen." Für Männer würde es sowas natürlich nicht geben, weil das ja extreme Diskriminierung des anderen Geschlechts wäre. Zur Not müsste soetwas Mutti Staat verhindern. Dabei würden sich viele Herren - ja auch heterosexuelle - sehnlichst wünschen, mal nicht im "Blablacar" zu sitzen. Einfach mal 3 Minuten Stille im Auto - wird wohl ein Traum bleiben.

Cilla

20.06.2013, 11:48 Uhr

Als ginge es hier um blabla. Viele Frauen haben auch gern ihre Ruhe. Aber: In Deutschland sind bereits mehr als 16 Millionen Frauen Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt geworden, fast 25 Millionen Frauen sind sexuell belästigt worden. Tatsächlich angezeigt wird aber nur ein Bruchteil der Fälle. Nur durchschnittlich 12,7 Prozent der ermittelten Täter werden nach einer Anzeige auch verurteilt.

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