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21.03.2012

12:00 Uhr

Moderne Verkehrssteuerung

Intelligente Systeme gegen den Verkehrsinfarkt

VonSebastian Schaal

Wenn Autos sich gegenseitig vor Gefahren warnen könnten, wären unsere Straßen ein sicherer Ort. Noch ist dies Zukunftsmusik. Derzeit befinden sich zwei vielversprechende Projekte in der Versuchsphase.

In Zukunft könnten sich die Autos gegenseitig vor Gefahren warnen. Daimler

In Zukunft könnten sich die Autos gegenseitig vor Gefahren warnen.

Düsseldorf/RanshofenEin Stauende hinter einer Kuppe? Gefährliches Blitzeis auf einer Brücke? Bis diese Informationen den Autofahrer über das Radio erreicht haben, kann es bereits zu spät sein. Wenn dieser nicht gerade eine CD hört und den störenden Verkehrsfunk wegdrückt.

Die Straßen wären ein ganzes Stück sicherer, wenn sich die Fahrzeuge gegenseitig vor solchen Gefahren warnen könnten. Onboard-Einheiten, die die dazu benötigten Daten erfassen und versenden können, gibt es bereits heute. Dennoch ist ein solches Szenario noch Zukunftsmusik. „Kooperative Systeme, bei denen die Fahrzeuge untereinander im Dialog stehen, benötigen eine Verbreitung von 95 Prozent des Fahrzeugbestands. Die realistische Umsetzung dauert noch Jahre und Jahrzehnte“, sagt Thomas Stottan, Geschäftsführer des Automobilzulieferers Audio Mobil. Das Unternehmen aus dem österreichischen Ranshofen hat eine solche Onboard-Einheit mit dem Namen „Anonymes Sensordaten-Gateway“ (ASG) entwickelt.

Doch auch mit einer deutlich geringeren Verbreitung gibt es Einsatzmöglichkeiten für die sogenannte Car-to-X-Technologie. Mit den erhobenen Daten kann der Verkehr intelligent gesteuert werden. „Wenn zehn Prozent der Autos mit dem System ausgestattet sind, erhalten wir gute Daten, mit denen eine vernünftige Steuerung und Beeinflussung des Verkehrs möglich ist“, so Stottan weiter. „Darunter fallen Warnungen vor Staus, Unfällen oder Pannen, aber auch Meldungen über den Straßenzustand.“

Ein Beispiel: Durch die Kombination der Daten über die Scheibenwischer und die Außentemperatur können im Winter Rückschlüsse auf den Straßenzustand gezogen werden. So kann unter anderem der Einsatz von Räumfahrzeugen optimiert werden. „Wir sind damit in der Lage, die Planung und Dosierung von Streusalz situationsgerecht durchzuführen. Wenn wirklich nur die problematischen Straßenabschnitte gestreut werden, sparen die Kommunen Streusalz und es kommt nicht zu solchen Engpässen wie in den vergangenen Jahren“, sagt Stottan.

Die herkömmliche Verkehrsmessung über Kameras und Induktionsschleifen in der Fahrbahn kann nur melden, ob ein Fahrzeug die Messstelle überfahren hat oder nicht. Für Verkehrsexperten aussagekräftige Daten wie Verbrauch oder Beschleunigung, kann die alte Technik nicht liefern. „Unsere Onboard-Einheit hört den Daten-Bus des Autos ab, wir können die benötigten Daten also ohne Probleme aus dem Fahrzeug herausziehen“, sagt Stottan. „Diese werden über das Mobilfunknetz an die Zentrale gesendet.“ Vollkommen anonymisiert, versteht sich. Laut Aussage des Geschäftführers werden keine Daten über den Fahrzeughalter erfasst oder versendet. Je nach Verwendung fallen dann monatliche Kosten von zwei bis vier Euro für die Mobilfunkübertragung an. „Die Onboard-Einheit für das Auto kostet im Moment um die 100 Euro. Würde die Einheit gleich am Fließband in das Fahrzeug integriert, liegen die Kosten bei rund zehn Euro“, so Stottan. „Wir verhandeln da mit dem einen oder anderen Autobauer, ohne jetzt Namen zu nennen.“ Zudem stehe Audio Mobil mit Versicherungen und Mobilitäts-Anbietern in Kontakt, aber auch mit Städten und Kommunen.

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