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02.10.2017

12:28 Uhr

Nachrüstung

So teuer ist ein sauberer Diesel wirklich

Quelle:Spotpress

Umweltverbände und Politik fordern die Umrüstung von Millionen Euro-5-Dieselautos. Tatsächlich es technisch möglich, die Selbstzünder nachträglich sauber zu machen - allerdings nur mit groteskem finanziellen Aufwand.

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BerlinDie von Umweltschützer geforderte Hardware-Nachrüstung schmutziger Diesel ist prinzipiell möglich – aber extrem teuer. Einem Bericht der Onlineportals „Motor-Talk“ zufolge könnten Euro-5-Modelle einiger Hersteller mit vorhandener Technik auf Euro-6-Niveau gebracht werden. Allerdings würde das bis zu 15.000 Euro pro Fahrzeug kosten.

Anlass der Recherche waren Berichte des ADAC und der „Süddeutschen Zeitung“, die den mangelnden Willen der Autohersteller gerügt hatten, ihre Modelle nachzubessern, obwohl die Technik vorhanden sei.   Möglich ist die Nachrüstung einer besseren Abgasreinigung tatsächlich. Allerdings in erster Linie für Modelle, wo es die Technik bereits vor Einführung der Euro-6-Abgasnorm als aufpreispflichtiges Extra gab.

So haben vor allem deutsche Hersteller Diesel-Pkw wie VW Passat, BMW X5 oder Mercedes GLK schon ab 2008 mit SCR-Katalysator, NOx-Speicherkat oder einer Kombination davon verkauft. Der Aufpreis gegenüber den normalen Euro-5-Modellen lag damals knapp über 1.000 Euro.   Weil die Hersteller für die sauberen Frühstarter sowieso Ersatzteile vorhalten müssen, ist die Technik prinzipiell für die Nachrüstung vorhanden.

Auch Bauraum und prinzipielle Wirksamkeit sind kein Problem. Die Kosten hingegen schon. Weil die bestehende Abgasanlage ausgetauscht werden muss und auch neue Teile dazukommen, kommt man beim VW Passat allein für das grobe Material auf Kosten von 7.500 Euro. Hinzu kämen Kleinteile, Arbeitsstunden, Abnahme und Eintragung beim TÜV. Auch Mercedes rechnet bei der Nachrüstung des GLK mit mindestens 15.000 Euro ohne Zertifizierung. Bei Fahrzeugen ohne frühzeitiges Euro-6-Angebot würden die Kosten wohl sogar noch deutlich höher liegen – insofern eine Nachrüstung technisch überhaupt machbar wäre. In der Summe könnten die Nachrüstungskosten dann in vielen Fällen den gesamten aktuellen Fahrzeugwert übersteigen.  

Wirtschaftlich sinnvoll wäre ein Hardware-Update auf diesem Weg also kaum machbar. Eine mögliche Alternative im Kampf um bessere Luft sind Nachrüstsätze von Zulieferern, mit denen zumindest Euro-4-Autos auf Euro-5-Level gehoben werden könnten. Allerdings ist noch weitgehend unklar, ob die Technik sicher funktioniert und zulassungsfähig wäre. Die Kosten sollen in Zukunft bei 1.500 bis 2.000 Euro inklusive Einbau liegen.

Kommentare (2)

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Herr Lothar Thürmer

04.10.2017, 17:37 Uhr

Fazit der nüchternen Analyse: Erstens, die Kosten einer flächendeckenden Umrüstung wären gigantisch. Zweitens, in vielen Fällen ist eine Umrüstung deshalb wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll. Drittens aber ist völlig offen, wer die Halter älterer Diesel, insbesondere mit Euro-5-Norm, entschädigt? Oder aber will man Dieselfahrer, jetzt nach der Wahl, mit ihren Verlusten im Regen stehen lassen?
Bislang drückt sich die Politik vor der Frage der Kompensation. Da muss man ehrlicherweise auch differenzieren. Dort, wo eindeutig Betrug vorliegt, ist die Autoindustrie gefordert. Merkel will dazu Sammelklagen ermöglichen, habe ich in Erinnerung. Dort aber, wo der Gesetzgeber Regelungslücken zugelassen hat, die die Industrie genutzt hat, ist die selbst in Verantwortung. Das sollte man bei den Koalitionsverhandlungen und den dort zugrunde gelegten Finanzspielräumen in die Überlegungen einbeziehen!

Herr Lothar Thürmer

04.10.2017, 17:43 Uhr

Fazit der nüchternen Analyse: Erstens, die Kosten einer flächendeckenden Umrüstung wären gigantisch. Zweitens, in vielen Fällen ist eine Umrüstung deshalb wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll. Drittens aber ist völlig offen, wer die Halter älterer Diesel, insbesondere mit Euro-5-Norm, entschädigt? Oder aber will man Dieselfahrer, jetzt nach der Wahl, mit ihren Verlusten im Regen stehen lassen?
Bislang drückt sich die Politik vor der Frage der Kompensation. Da muss man ehrlicherweise auch differenzieren. Dort, wo eindeutig Betrug vorliegt, ist die Autoindustrie gefordert. Merkel will dazu Sammelklagen ermöglichen, habe ich in Erinnerung. Dort aber, wo der Gesetzgeber Regelungslücken zugelassen hat, die die Industrie genutzt hat, ist die Politik selbst in Verantwortung. Das sollte man bei den Koalitionsverhandlungen und den dort zugrunde gelegten Finanzspielräumen in die Überlegungen einbeziehen!

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