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11.01.2008

10:04 Uhr

Nano

Mobilität für Millionen

VonOliver Müller

Mit dem Nano stellt der indische Mischkonzern Tata seine Version eines „Volkswagens“ für die aufstrebenden Märkte in Asien, Afrika und Südamerika vor. Deutsche Hersteller müssen in diesem Tiefpreis-Segment passen. Dafür mischen die Zulieferer schon kräftig mit.

Der Nano reduziert das Podukt Auto auf das Wesentliche. Foto: ap ap

Der Nano reduziert das Podukt Auto auf das Wesentliche. Foto: ap

NEU-DELHI. Noch nie stand Indien so im Brennpunkt der internationalen Autowelt: Unter Einsatz ihrer Ellenbogen kämpften am Donnerstag Analysten, Journalisten und Spitzenmanager deutscher und japanischer Autohersteller um Logenplätze, um in Delhi der Vorstellung des „Nano“ beizuwohnen. Ratan Tata fährt ihn persönlich ins Blitzlichtgewitter. „Dies ist ein Meilenstein für die Tata-Gruppe“, sagt der Chef des größten indischen Mischkonzerns sichtlich bewegt, „es ist mein Traum.“

Mit trotziger Genugtuung blendet der 70-jährige Patriarch ein Video seines Rivalen Osamu Suzuki ein, in dem der Konzernchef des gleichnamigen japanischen Autobauers ein Auto für 100 000 Rupien zum Wolkenkuckucksheim erklärt. Nun bringt Tata Motors ein Modell auf den Markt, das dieses Preisversprechen in seiner Basisversion einhält. Obwohl die Rohstoffpreise seit Start der Entwicklung 2005 stark angezogen haben, kostet der Wagen mit umgerechnet 1 700 Euro nur halb so viel wie Suzukis billigstes, inzwischen 25 Jahre altes Konkurrenzmodell – Transport ab Werk und zwölf Prozent Mehrwertsteuer nicht inbegriffen.

Entfernt erinnert der Nano an einen feminineren, etwas größer geratenen Smart. Damit reduziert er das mehr als hundert Jahre alte Produkt Auto radikal aufs Wesentliche. Das ermöglicht drastische Kostensenkungen, von denen sich Optimisten eine Mobilitätsrevolution in Schwellenländern erhoffen. Pessimisten warnen vor Chaos auf bereits heute heillos verstopften Straßen, unkontrollierbaren Umweltproblemen und weiter steigenden Ölpreisen.

Weil diese Stimmen häufig aus dem Westen kommen, wittern viele Inder dahinter versteckten Protektionismus. „Niemand hat das Recht, Menschen in Schwellenländern Zugang zu individueller Mobilität zu verweigern“, unterstrich Tata am Donnerstag. Er musste aber auch heimische Kritiker besänftigen: „Umweltschützer brauchen keine Albträume zu haben“, versprach er. Das Auto erfülle Auflagen wie die Euro-IV-Norm und sei emissionsärmer als die meisten Motorräder. Neben heimischen würden auch internationale Sicherheitsstandards eingehalten.

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