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10.02.2014

15:39 Uhr

Neoplan Starliner „Individual“

Die längste Limousine der Welt

VonBenjamin Bessinger
Quelle:Spotpress

Über das, was sie bei der M GmbH, bei quattro und bei AMG machen kann Heinz Kiess nur lachen. Wenn es um die Individualisierung geht, ist man beim Bushersteller Neoplan den Werkstunern buchstäblich um Längen voraus.

Genau wie die Werkstuner von Mercedes, Audi oder BMW hat auch Neoplan ein Team von Spezialisten, das für die ganz individuellen Kundenwünsche zuständig ist. SP-X/Benjamin Bessinger

Genau wie die Werkstuner von Mercedes, Audi oder BMW hat auch Neoplan ein Team von Spezialisten, das für die ganz individuellen Kundenwünsche zuständig ist.

Billiges Kunstleder auf den Sitzen, ranzige Vorhänge vor den Fenstern, auf dem Fußboden abgetretenes Linoleum und in der Luft ein muffiger Duft – wer jemals mit dem Bus in die Schule gefahren ist, bekommt solche Erinnerungen nicht mehr aus dem Kopf. Es sei denn, er kennt Heinz Kiess. Denn der Mann leitet das Produktmanagement bei der VW-Tochter Neoplan, die mit ihren betont vornehmen Reisefahrzeugen so etwas wie der Bentley der Branche sein will.

Und weil deren normale Flotte allem scharfen Design und aller gehobenen Ausstattung zum Trotz wahrscheinlich noch immer nicht reicht, um die alten Vorurteile zu tilgen, fährt er zum Imagewandel gerne mal einen mit einem Starliner aus der Individual-Abteilung des Münchner Herstellers vor.

Genau wie die Werkstuner von Mercedes, Audi oder BMW hat auch Neoplan ein Team von Spezialisten, das für die ganz individuellen Kundenwünsche zuständig ist. Zwar bekommen die Schreiner und Sattler, Elektroniker und Innenausbauer des Individual-Teams im Schnitt nur etwa sechs der zuletzt 600 Neoplan-Busse pro Jahr in die Hände. Doch weil sich der Preis durch ihre Arbeit schnell mal verdreifacht, ist das trotzdem ein lohnendes Geschäft.

Dafür wird dann aber auch einiges geboten: Binnen sechs Wochen werden die 14 Meter langen und fast 4 Meter hohen Reisebusse weitgehend in Handarbeit mit reichlich Lack und Leder und noch mehr Hightech zu echten Luxuslinern umgebaut, die Kiess nicht umsonst die „längsten Limousinen der Welt“ nennt. Denn mit dem Schulbus von einst haben diese Suiten auf Rädern bis auf die Fahrzeuggattung nicht mehr viel gemein. Und sie befördern auch keine Pennäler, sondern Präsidenten, Wirtschaftsbosse, Monarchen oder Millionäre, plaudert er aus dem Nähkästchen.

Wie vielfältig die Möglichkeiten der Umbauer sind, demonstriert Kiess mit seinem fast noch dezenten Vorführfahrzeug: Statt üblicherweise 54 Plätze hat dieser Bus nur noch 36 Sitze mit einer Beinfreiheit wie in der Business-Class. Statt mit Stoff sind die Sessel mit dunklem Leder bezogen und blau vernäht.

Es gibt eine schillernde Ambiente-Beleuchtung, auf dem Boden liegt Echtholzparkett, alle Ablagen sind mit Stoff verkleidet,  und im Heck lockt eine Lounge mit geschwungener Sitzgruppe, großem Marmortisch, klimatisierten Weinregalen und Designerschränken für die passenden Gläser in den Seitenwänden.

Geschirrspüler, Ceran-Kochfeld, Espresso-Vollautomat, Grill und Heißluftherd – Hunger muss hier keiner haben.  SP-X/Benjamin Bessinger

Geschirrspüler, Ceran-Kochfeld, Espresso-Vollautomat, Grill und Heißluftherd – Hunger muss hier keiner haben.

Doch der ganze Stolz des Produktmanagers ist die Küchenzeile im Mittelblock, die es beinahe mit einem Restaurant oder zumindest mit einem Luxusappartement aufnehmen kann: Geschirrspüler, Ceran-Kochfeld, Espresso-Vollautomat, Grill und Heißluftherd – Hunger muss hier keiner haben. Und weil wohl am Ende trotzdem nie ein Koch mitfahren wird, hat sich Neoplan für professionelles Catering gerüstet: In die Einbauschränke passen die maßgeschneiderten Atlas-Boxen aus dem Flugzeug und ganz vorn in den Designermöbeln steckt der originale Ofen aus einem Airbus: „So können wir mühelos das gleiche Catering nutzen wie die Lufthansa“, erläutert der Manager und zeigt seinen Gästen danach stolz sogar den Ort, den man sonst in der Regel nur alleine besucht: die Toilette im Souterrain. 

Bei den meisten Bussen eine ebenso schmierige wie enge Stube, die man nur im höchsten Notfall aufsucht, ist der Sanitärbereich hier eine kleine Wellness-Oase mit Keramikmöbeln, Designerschränken, Schminkkommode und fließend warmem Wasser – auch da steht der Starliner einem Airbus in nichts nach.

Kommentare (1)

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166293

11.02.2014, 10:30 Uhr

Liebes Handelsblatt-Team,

schon wieder ein Zeichensetzungsfehler - und zwar gleich im Titel. Zwischen "machen" und "kann" in dem Satz "Über das, was sie bei der M GmbH, bei quattro und bei AMG machen kann Heinz Kiess nur lachen." gehörte schon immer ein Komma und das wird auch immer so bleiben.

Es nervt nur noch.

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