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22.08.2011

13:56 Uhr

Neue Cadillac-Studie in Pebble Beach

Der Auto-Himmel auf Erden

Quelle:dpa

Wer Cadillac hört und Straßenkreuzer denkt, liegt richtig. Doch die Amerikaner können auch modern. Ein riesiges Luxus-Cabrio für die Prachtboulevards dieser Welt - das könnte einmal aus dem Ciel werden.

Die Cadillac-Studie Ciel trägt ihren Namen zu Recht: Ciel heißt auf Französisch Himmel - und auf den haben die Passagiere freien Blick. dpa

Die Cadillac-Studie Ciel trägt ihren Namen zu Recht: Ciel heißt auf Französisch Himmel - und auf den haben die Passagiere freien Blick.

Carmel/Pebble BeachWenn sich die Blicke der Autoxexperten weltweit auf das kleine kalifornische Carmel richten, dann ist wieder August und auf dem gepflegten Rasen des Golf Clubs von Pebble Beach findet eins der berühmtesten Oldtimertreffen überhaupt statt. Zahlreiche Hersteller nutzen den Concours ´d Elegance, sprich die Gelegenheit, aber auch zur Vorstellung von Concept Cars und kommenden Neuheiten. So zum Beispiel Cadillac, die Luxusmarke aus dem General-Motors-Konzern, von der man zuletzt in Europa kaum noch etwas hörte.

Seine Aufsehen erregende Neuvorstellung hat der amerikanische Luxushersteller am Rande des Oldtimer-Concours erstmals offiziel in Szene gesetzt - und spontan viel Aufmerksamkeit und Lob für den mutigen Entwurf geerntet, der auf chromglänzenden 22-Zöllern ruht - wie ein Monolith auf dem Rasen.

Als Motor für den Ciel kommt ein 3,6-Liter V6 mit Hybrid- und Doppelturbo-Unterstützung zum Einsatz. Quelle: Pressefoto

Als Motor für den Ciel kommt ein 3,6-Liter V6 mit Hybrid- und Doppelturbo-Unterstützung zum Einsatz.

Spontan gab es in Pebble Beach viel Aufmerksamkeit und Lob für den mutigen Entwurf, der erst nach 5,22 Metern Länge endet. In Zeiten von Downsizing und überfüllten Innenstädten in Parkplatznöten muss man Cadillac wohl die Absicht unterstellen, auch künftig Riesenschiffe vom Stapel laufen zu lassen, die an den Klassiker Eldorado erinnern, und die wir mit der Ölkrise eigentlich überwunden glaubten.

Straßenkreuzer, neu interpretiert

Zu den Chancen auf eine Serienfertigung machte die General-Motors-Tochter aber noch keine Angaben. Die Wahrscheinlichkeit ist wohl auch eher gering: Zwar gibt es im GM-Konzern genügend Plattformen für ein Auto dieses Formats, doch ein Cabrio mit vier Türen hat es so bisher noch nicht gegeben. Um das ohnehin wuchtige Auto wie aus einem Guss wirken zu lassen, griffen die Designer zu einem Trick: Die Blechhaut der Karosse legt sich über die Türen ins Innere. Das würde man aller ökologischen Unvernunft, die dem Entwurf innewohnt, natürlich gerne mal in natura sehen, soviel müssen wohl die Fans von US-Cars zugeben.

Anknüpfen an gute alte Cadillac-Zeiten: Beim viertürigen Cabrio begeistert vor allem die Linienführung, die an ein  großes Boot erinnert. Quelle: Pressefoto

Anknüpfen an gute alte Cadillac-Zeiten: Beim viertürigen Cabrio begeistert vor allem die Linienführung, die an ein großes Boot erinnert.

Helle nickel-beschichtete Flächen betonen die Karosserie und die optische Länge des Wagens, mit dem an die großen offenen Tourern von Cadillac erinnert wird. Die Lackfarbe setzt sich in der Türverkleidung fort. Wie außen akzentuieren nickel-beschichtete Applikationen auch den Innenraum. Sie trennen die oberen Bereiche der Karosserie von den in Beige gehaltenen unteren Bereichen. Dazu kommen italienisches Olivenholz, geschmiedetes Aluminium und handgenähtes Leder. Seine Karosseriefarbe Cabernet wurde speziell für ihn entwickelt und soll den intensiven aber transparenten Farbton eines Glases Rotwein im Gegenlicht der Sonne widerspiegeln.

Auch die Technik ist vergleichsweise unkonventionell: Cadillac hat den Ciel als Hybrid-Modell ausgelegt und kombiniert einen 3,6 Liter großen Biturbo-Direkteinspritzer mit einem Elektroantrieb und Lithium-Ionen-Akkus. Der Antrieb entwickelt insgesamt 425 PS. Zum luxuriösen Inneren gehören zahlreiche ausgefallene Details, wie wärmende Cashmere-Decken, die sich auf die Schalensitze aufknöpfen lassen - und natürlich auf Wunsch automatisch wieder unter den Sitzen verschwinden. Ausgestattet ist das Konzeptfahrzeug auch mit Heizung und Kühlung für alle Sitze, je einer Schublade mit Sonnencreme, Sonnenbrille und Handtüchern. Zusätzlich kann eine Aromatherapie-Anlage, die von der hinteren Armlehne aus gesteuert wird. In der hinteren Mittelkonsole findet sich auch noch ein klimatisierter Zigarrenbehälter (Humidor) mit definierter Luftfeuchtigkeit.

Moderne Designmerkmale finden sich vor allem in den feinen LED-Scheinwerfern, die wie ein Band um die Fahrzeugfront zu laufen seinen. Elegant und gewagt sind die gegenläufig öffnenden Türen bei gleichzeitig fehlender B-Säule.

Der markante Rahmen der Windschutzscheibe, der Kühlergrill und die vertikalen Scheinwerfer knüpfen an vergangene Modelle an. Die 22-Zoll-Räder sind aus gefrästem Aluminium mit gebürstetem Nickel. Dahinter liegen Karbon-Keramik-Bremsen. Der Radstand von 3,18 Meter ist 30 Zentimeter länger als beim Cadillac CTS. Zwischen den luxuriösen Sitzen erstreckt sich eine bewegliche Mittelkonsole vom Armaturenbrett bis zu den Rücksitzlehnen. Die Mitfahrer haben die Möglichkeit, individuell online zu gehen und zu korrespondieren. Die transparenten Anzeigen für den Fahrer sitzen in einen Gehäuse aus gebürstetem Aluminium und erinnern an ein hochwertiges Chronometer. Sie können analog oder digital abgelesen werden. Die Hierarchie der Anzeigen ist wählbar., und der Ciel verfügt zudem über ausziehbare Cashmeredecken für alle drei Mitfahrer, die sich nach Gebrauch automatisch wieder zurückziehen

Open Air Grand Touring Car, sagt der Amerikaner wohl dazu. Der Ciel hat für Cadillac auf jeden Fall schon mal das Ziel maximaler Aufmerksamkeit eingefahren. Trotz all der schönen Oldtimer in Pebble Beach. Quelle: Pressefoto

Open Air Grand Touring Car, sagt der Amerikaner wohl dazu. Der Ciel hat für Cadillac auf jeden Fall schon mal das Ziel maximaler Aufmerksamkeit eingefahren. Trotz all der schönen Oldtimer in Pebble Beach.

Weitere Besonderheiten des Innenraums sind weitgehend verborgene Gebläse-Öffnungen, die eine indirekte Belüftung ermöglichen, sich neigende Polster, die das Hineingleiten in die Sitze erleichtert, sowie eine Handy- und Smartphone-Ablage in der Mittelkonsole mit induktiver Lademöglichkeit und Bluetooth-Schnittstelle. Der Wählhebel der Automatik fährt erst aus, wenn der Motor gestartet wird. Die Ablagen in den Türen sind mit Reißverschlüssen zu öffnen.

Dass Cadillac nun überhaupt ein solches Flaggschiff herzeigt, überraschte viele aber dann doch. Der Wagen deute an, wohin der Stil der Marke in Zukunft weisen könne, geheimniste Designdirektor Clay Dean. Es könnte also sein, dass bald wieder etwas Detroit herüberfährt, was dem "Himmel" sehr nahe kommt.

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