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04.07.2014

06:20 Uhr

Neuer VW Passat

Mehr Klasse in der Masse

VW stellt den neuen Passat vor und hat seine Mittelklasse technisch stark aufgepeppt. Die Wolfsburger reihen sich ein in die Phalanx der Hersteller, die eine Liga höher spielen wollen. Experten sehen dabei auch Risiken.

Neuer VW Passat

Dieser „Mini-Phaeton“ greift die C-Klasse an

Neuer VW Passat: Dieser „Mini-Phaeton“ greift die C-Klasse an

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DüsseldorfAls VW-Vorstand Heinz-Jacob Neußer erste Details des neuen Passats vorstellte, sprach er von einem „Klassensprung“. Die achte Generation des Mittelklassemodells, intern B8 genannt, kommt Ende des Jahres auf den Markt, - und sie soll mindestens eine halbe Liga höher spielen als der Vorgänger. Sprich: Ganz bewusst will Wolfsburg Kunden ansprechen, die bislang (Dienst-)Fahrzeuge der Konkurrenz aus München und Stuttgart oder der Konzernschwester aus Ingolstadt bevorzugten.

Die Erwartungen an den Passat sind gewaltig, auch wegen der Erfolge der Vergangenheit: Von den sieben Vorgänger-Generationen wurden seit 1973 über 22 Millionen Einheiten gebaut. Damit hat der Passat den Käfer überholt und ist auf den Fersen des Golf.

An diesen Erfolg soll der mit neuer Plattform, neuen Motoren und mit Verwendung der modularen Gleichteilestrategie konstruierte VW-Mittelklässler möglichst nahtlos anknüpfen. Für VW-Konzernchef Martin Winterkorn ist die betont breit und Coupè-ähnlich gezeichnete viertürige Limousine ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Ziel bis 2018 nicht der größte, aber der erfolgreichste Autohersteller der Welt zu werden.

Dafür soll der Passat besonders für den Profit je Fahrzeug seinen im Vergleich zum VW Golf höheren Beitrag leisten. Und getragen wird diese Hoffnung auf den Passat-Erfolg von einer Hinwendung vor allem zu den technischen Stärken, die in der folgenden Bilderstrecke im Detail vorgestellt werden:

Volkswagens Vorstand für Technische Entwicklung Heinz-Jakob Neußer ist besonders stolz auf den brandneuen Vier-Zylinder-Bi-Turbodiesel mit 240 PS und 500 Newtonmetern Drehmoment, der nur 5,3 Liter verbrauchen soll. „Ich bin der Meinung, dass der neue Passat schon ein kleines Oberklassemodell sein wird“, sagt der Motorenspezialist. Und beschreibt damit einen Trend, dem viele Autohersteller folgen: Man setzt auf Eroberungspotenzial im nächst höheren Fahrzeugsegment, schielt auf die Kunden, die (noch) bei der höherpositionierten Konkurrenz kaufen - und wertet die neuesten eigenen Modelle jeweils auf. Kurz gesagt: Alle wollen Premium sein.

Ford, berühmt für Brot und Butter-Autos, versucht das mit Vignale-Ausstattung und neuer Sprachsteuerung, den Anfang einer neuen Serie bei dem US-Konzern soll der Mittelklassewagen Mondeo machen - ein direkter Konkurrent des Passat. Bei Peugeot/Citroën soll die noblere DS-Linie zur eigenständigen Premiummarke ausgebaut werden, Opel denkt bei der Monza-Studie ebenfalls wieder an die Oberklasse, - und zielt mit dem Insignia auf die gleiche Klientel.

Auch Hyundai feiert mit dem i40 Verkaufserfolge. Renault bringt im nächsten Jahr den Nachfolger des Laguna. „Um nicht zwischen den Konkurrenten zerrieben zu werden, muss VW den Passat höher positionieren“, sagt Stefan Bratzel, der das Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach leitet.

Die größten Gewinner im deutschen Automarkt

Platz 10

Dacia - Plus 7,5 Prozent - 48.907 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die rumänische Billigtochter bleibt eine Erfolgsgeschichte für Renault und wächst in Europa weiterhin deutlich stärker als der Markt.

Quelle: Kraftfahrzeugbundesamt

Platz 9

Skoda - Plus 8,5 Prozent - 173.538 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Mittlerweile sind die Tschechen die erfolgreichste Importmarke in Deutschland. Neue Modelle wie der Fabia dürften den Absatz auch im kommenden Jahr ankurbeln.

Platz 8

Seat - Plus 11,7 Prozent - 91.192 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Das spanische Sorgenkind des VW-Konzerns fährt aus der Krise. Der neue Leon macht's möglich - und beschert ein sattes Absatzplus auf dem deutschen Markt.

Platz 7

Nissan - Plus 13,7 Prozent - 62.536 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Den Japanern ist zum Jahresende etwas die Puste ausgegangen. Insgesamt kann sich das Absatzplus im abgelaufenen Jahr aber sehen lassen. Neue Modelle wie der Pulsar sollen die Erfolgsgeschichte im kommenden Jahr wiederholen.

Platz 6

Mitsubishi - Plus 14,1 Prozent - 24.131 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die Japaner haben mit dem Outlander PHEV einen der ersten SUVs mit Plug-in-Hybrid im Angebot. Insgesamt überzeugt die Modellpalette die Deutschen offenbar.

Platz 5

Volvo - Plus 16 Prozent - 31.919 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die Schweden sind zurück. Mit Modellen wie dem SUV XC90 blasen die Skandinavier wieder zum Angriff. Besonders zum Jahresende legte der Absatz deutlich zu.

Platz 4

Mazda - Plus 16,7 Prozent - 52.491 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Kennen Sie noch die uncoolen Mazdas aus den 90ern? Die Autokäufer in Deutschland kennen sie nicht. Eine runderneuerte Modellpalette bringt Mazda unter den Gewinnern der Zulassungsstatistik weit nach vorne.

Platz 3

Porsche - Plus 17,1 Prozent - 24.365 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Der Sportwagenbauer aus Zuffenhausen setzt seine Erfolgsgeschichte ungebrochen fort. Besonders zum Jahresende legt Porsche deutlich zu. Dabei dürften Verkaufsschlager wie der Macan auch weiterhin für Absatz sorgen.

Platz 2

Land Rover - Plus 18,1 Prozent - 14.679 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die noblen Briten können mit dem Evoque auch modern und klein. Das zahlt sich bei den Verkäufen aus. In Deutschland verkauft Land Rover fast doppelt so viele Autos wie Konkurrent Jeep.

Platz 1

Jeep - Plus 48,8 Prozent - 10.268 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die SUV-Marke aus dem Hause Fiat/Chrysler wächst in Deutschland stärker als alle Konkurrenten. Das dürfte Fiat-Chef Marchionne freuen, für dessen Premiumstrategie die Marke eine Schlüsselrolle spielt. Besteller ist der Grand Cherokee.

Während sich die Oberklassehersteller BMW (mit Van und kommenden Dreizylindermotoren) und Mercedes-Benz (mit A- und B-Klasse) immer mehr im Kompaktsegment breit machen, dreht der Golf-Erfinder den Spieß um. Versuche in diese Richtung gab es schon mehrfach: Schon vor Jahren sollte der Passat mit Sechszylindermotor und sportlicher Coupé-Karosserie betuchte Kunden anlocken.

Der Hintergrund ist simpel und heißt Rendite. Mit Massenmodellen in der Kompakt- und Mittelklasse wird bei extrem hartem Wettbewerb bei weitem nicht so viel Wert geschöpft wie im Premiumsegment. Dort fällt es auch leichter, den Kunden teure Zusatzausstattung zu verkaufen.

Das rein digitale und verschieden konfigurierbare Cockpit verknüpft auf einem 12,3 Zoll großen Display virtuelle Rundinstrumente mit der Navigationsanzeige oder anderen Darstellungen. PR

Das rein digitale und verschieden konfigurierbare Cockpit verknüpft auf einem 12,3 Zoll großen Display virtuelle Rundinstrumente mit der Navigationsanzeige oder anderen Darstellungen.

Und VW nennt noch einen weiteren Grund für das Motto mehr Klasse in der Masse: Es liegt an den Chinesen. Neußer sagte, dass „wir in der neuen Generation versucht haben, den Passat in eine neue Welt zu heben. Der Passat ist das Fahrzeug in China. Er ist dort zum festen Bestandteil der Fahrzeug-Population geworden.“ Allein deshalb muss dieser Volkswagen-Typ stetig weiterentwickelt werden. China wird auch in Zukunft der wichtigste Markt für die Automobilhersteller sein. Und die Chinesen wollen ständig den neuesten Trends folgen, ganz besonders bei ihren Autos. 

Kommentare (7)

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Herr Joachim Buch

04.07.2014, 07:53 Uhr

Vom Volumen war schon der aktuelle Passat ein Riesenschiff, preislich schon ambitioniert, wenn nur ein Hauch Ausstattung drin ist. Mit dem ehemaligen Familientransporter hat der Passat schon lange nichts mehr zu tun. VW überläßt das Feld damit der Konkurrenz aus Korea sowie Opel und Ford. Wenn VW damit in China punkten kann, so ist die Entwicklung verständlich, denn da werden einfach deutlich mehr Autos verkauft. Aber für den deutschen Markt ist es meiner Ansicht nach die falsche Strategie - sie machen sich Konkurrenz im eigenen Haus, Und: VW verliert zunehmend das Image des VOLKSwagens, Das ist sehr gefährlich. Wenn ein Konzern mal den Ruf hat, vor allem teuer zu sein (und das ist VW ja wirklich) kriegt er den auch nicht mehr los. Dann sind die Leute aber schon bei der preiswerteren Konkurrenz. Wenn der Erstwagen mal von Hyundai ist, wird der Zweitwagen garantiert kein VW. Das wiederum schadet dann der Volumenklasse von Golf und Polo.

Herr Karl Lecker

04.07.2014, 08:19 Uhr

Da haben die Altherren im VW Konzern mal wieder etwas Barockes verabschiedet.
Da wundern mich die miesen US Verkaufszahlen nicht! Das projekt 2018 ist schon lange tot.
Der Konzern benötigt an der Spitze eine Runderneuerung.

Herr richard roehl

04.07.2014, 09:43 Uhr

Ein Artikel direkt aus der VW-Marketingabteilung diktiert. Na ja, auch das HB muss sehen, wo es bleibt

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