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27.01.2012

09:41 Uhr

Nissans E-Auto „Tama“

Vor 65 Jahren aus der Not geboren

Quelle:mid

In Kürze führt Nissan den „Leaf“ am deutschen Markt ein. Es ist nicht das erste Elektroauto der Japaner: Bereits 1947 verkaufte der Konzern einen Stromer - der sich vor den heutigen E-Vehikeln kaum verstecken muss.

Der knuffige kleine Tama von 1947 ist das erste Elektromobil in der Nissan-Firmengeschichte. Nissan Presse

Der knuffige kleine Tama von 1947 ist das erste Elektromobil in der Nissan-Firmengeschichte.

DüsseldorfNissans Elektrofahrzeug "Leaf" steht in Deutschland kurz vor dem Marktstart. Das einzige E-Auto im Portfolio der Japaner? Zunächst ja. Das erste? Weit gefehlt! Der erste Stromer "Tama" gilt als Urahn des Leaf. Er hörte auf den unscheinbaren Namen "Tama" und war ein vollwertiger viersitziger Van. Daneben gab es noch zusätzlich eine Pickup-Variante.

Wir schreiben das Jahr 1945. Japan liegt nach dem Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche. Öl ist knapp, und damit auch Benzin, trotzdem bedarf es dringend automobiler Fortbewegung. So fördert die japanische Regierung die Entwicklung von Elektroautos. Das Ergebnis ist unter anderem der "Tama" des Herstellers Tokyo Electric Cars Company von 1947, einem der Vorläufer der Prince Motor Co. Ltd., die später mit Nissan fusionieren wird. Sein 36-Volt-Motor leistet 4,5 PS. Damit erreicht der kleine Nachkriegsstromer eine Geschwindigkeit von bis zu 35 km/h. Doch das Tempo des Alltags ist damals nicht so hoch wie heute im Land der aufgehenden Sonne.

Zahlen und Fakten zum E-Antrieb

Gewicht

Eine E-Maschine, also der Motor-Generator inklusive der Elektronik drum herum, wiegt nur etwa 50 bis 70 Kilogramm. Ein Verbrenner ist deutlich schwerer: Ein 4-Zylinder-Benziner wiegt ungefähr um die 220 Kilo, eine kleinere Dieselmaschine sogar knapp 300 Kilogramm. Der reine Vergleich der Antriebsformen ist jedoch nur die halbe Wahrheit: Entscheidend ist das Gesamtgewicht - dazu zählen auch die benötigte Batterie oder - beim Verbrenner - der mit Sprit gefüllte Tank.

Reichweite

Reichweite ist noch eines der größten Probleme bei E-Autos. Als Faustformel gilt, dass für eine ähnliche Streckenleistung wie mit einem spritfressenden Fahrzeug das 10- bis 20-Fache der Batterie benötigt wird. Bei 60 Litern Tankvolumen wären das rund 600 bis 1.200 Liter Batterievolumen - eine enorme Größe. Die Leistungssteigerung der Batterien ist daher eines der wichtigsten Themen beim E-Auto.

Wartung

Eine E-Maschine ist auf Lebensdauer wartungsfrei. Verbrenner nicht. Diesel mit großem Hubraum gelten als langlebig - Laufleistungen von mehreren Hunderttausend Kilometern sind nicht selten. Die für die E-Autos benötigten Batterien haben allerdings auch eine begrenzte Lebenserwartung. Sie werden mit der Zeit und dem Laden schwächer.

Ölwechsel

Ein E-Motor braucht keinen Ölwechsel, so wie es bei Verbrennern früher oder später der Fall ist. Die Lagerfette in den E-Antrieben sind auf eine lebenslange Funktionstüchtigkeit ausgelegt.

Getriebe

E-Autos kommen ohne Schaltgetriebe aus. Zulieferer wie ZF Friedrichshafen oder Getrag, die einen großen Teil ihrer Umsätze mit Getrieben erzielen, oder Hersteller wie Daimler, die ihre Getriebe selbst entwickeln und fertigen, werden sich umstellen müssen.

Der 3,03 Meter lange Winzling wurde - man höre und staune - vorwiegend als Taxi genutzt. Die Lehne der vorderen Sitzbank ließ sich nach vorn klappen, sodass Fahrgäste bequem die Fondsitzbank erreichen konnten. Auch die Reichweite erlaubt den Einsatz als Taxi. Nominell waren das mit einer Ladung der Bleibatterien immerhin 65 Kilometer, doch in Wirtschaftlichkeitstests schaffte der kleine Stromer gar 96,3 Kilometer. Damit muss er sich vor den heutigen E-Vehikeln kaum verstecken. Die Stromspeicher lagen links und rechts unter den nach vorn öffnenden Türen des Tama und konnten mit wenigen Handgriffen von außen entnommen werden. Die Schächte waren sogar mit Rollen ausgestattet, um möglichst schnell die leergefahrenen Akkus durch frisch geladene ersetzen zu können.

Der Tama wurde bis 1950 verkauft. Als sich die Ölimporte wieder stabilisiert hatten verloren die Autobauer das Interesse an den E-Mobilen und setzten auf Verbrennermotoren. Was hingegen wieder auferstehen sollte, ist das Design des kleinen Tama: Im Jahr 1998 legte Nissan ein kantiges Minivan auf, das - der Name als Programm - unter der Bezeichnung "Cube" auf den Markt kam.

Das Beispiel des Tama verdeutlicht, das Gute kommt immer irgendwann wieder. Doch wer glaubt, dass die Elektromobilität vor 65 Jahren noch etwas ganz Neues war, irrt abermals. Das erste Elektromobil fuhr der französische Ingenieur und Elektroingenieur Gustave Trouvé 1881 in Paris. Und damit fünf Jahre vor der offiziellen Erfindung des Autos durch Carl Benz 1886. Bereits im Jahr 1897 verfügte New York City über eine ganze Flotte an Elektro-Taxen und am 29. April 1899 durchbrach ein Elektroauto als erstes Landfahrzeug die magische Grenze von 100 km/h mit der Rekordgeschwindigkeit von 105,882 km/h.

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