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07.01.2005

08:08 Uhr

Nötige Preiserhöhungen schmälern Absatzchancen

Dollar-Schwäche trübt Laune der Europäer

Etwas entspannter als erwartet werden die Mienen der europäischen Automobilmanager auf der Detroit Motor Show sein, richtig gute Laune will aber nicht aufkommen. Grund ist der Dollar, der sich in den vergangenen Tagen zwar deutlich von seinen Tiefständen erholt hat, aber immer noch zu schwach ist, um das Geschäft in den USA wieder attraktiv zu machen

hof/hz FRANKFURT. „Der Dollar ist unsere größte Sorge“, hat VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder zuletzt eingeräumt. Auch bei Mercedes bringt der Dollar die Manager in die Bredouille. Ein Kurs um 1,30 Dollar je Euro sei nicht erwartet worden, räumte Daimler-Vorstand Thomas Weber jüngst ein.

Jeder Cent, den die US-Währung gegenüber dem Euro verliert, bedeutet für BMW, VW & Co. einige Millionen weniger in der Kasse. Wie stark der Einfluss der US-Währung auf das Ergebnis ist, haben die Analysten der CSFB errechnet: So führt ein zehnprozentiger Wertverfall des Dollars bei den deutschen Autobauern zu einer Minderung des operativen Ergebnisses von bis zu zwanzig Prozent – je nachdem, wie stark der Autohersteller in den USA engagiert und wie gut er abgesichert ist. Beispielsweise profitierte VW im Rekordjahr 2001 bei Kursen um die 0,90 Euro von einem Milliardengewinn aus dem US-Geschäft, für 2004 werden die Wolfsburger in Nordamerika wohl einen Verlust in dieser Größenordnung verbuchen.

Ein Euro-Kurs jenseits der 1,30 Dollar lässt die Margen im preisaggressiven US-Markt weiter bröckeln, glauben die Experten von CSFB. Denn je länger die Dollar-Schwäche anhält, desto teurer wird auch die Absicherung. Dabei sind die reinen Umrechnungsverluste nach Meinung von Analysten noch das kleinere Problem. Viel mehr Sorgen bereitet den Herstellern, dass die Dollar-Schwäche ihre Produkte teurer werden lässt. Denn um die Verluste zu begrenzen, muss die Konkurrenz aus Europa ihre Dollar-Preise erhöhen. Das kosten jedoch Marktanteile.

Auf rasche Hilfe vom Devisenmarkt dürfen die Hersteller dabei nicht bauen. Der deutsche Automobilverband VDA rechnet mit einem dauerhaft schwachen Dollar. „Es sieht so aus, als ob die USA Währungspolitik nach dem Motto machen: Unsere Währung – euer Problem“, kritisierte VDA-Präsident Bernd Gottschalk unlängst.

Neben Finanzinstrumenten wird für die Autobauer aus Europa deshalb vor allem das so genannte Natural Hedging immer dringlicher. Daimler hat bereits reagiert und erhöht die Produktion im US-Werk Tuscaloosa im Bundesstaat Alabama deutlich. Bisher baute Mercedes dort vor allem die geländegängige M-Klasse. In diesem Jahr wird der Konzern seine Kapazitäten dort mit der Fertigung der sechssitzigen R-Klasse, einer Mischung aus Van und Geländewagen, verdoppeln.

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