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13.04.2013

13:09 Uhr

Oldtimer als Anlage-Alternative

Fahrspaß mit Rendite

VonFrank G. Heide

Immer mehr Oldtimer tummeln sich auf den Straßen, das verlangsamt die Wertsteigerung des „Garagengoldes“. Doch langfristig schlagen Classic Cars viele andere Geldanlagen. Neue Kaufgelegenheiten locken jetzt nach Essen.

Ferrari 375MM Berlinetta: Gebote um fünf Millionen britische Pfund werden erwartet, wenn RM Auctions im Mai diesen Wagen anbietet, der schon von drei Weltmeistern gefahren wurde. Das 1953er Modell wurde von Alberto Ascari, Giuseppe Farina und Mike Hawthorn pilotiert. PR

Ferrari 375MM Berlinetta: Gebote um fünf Millionen britische Pfund werden erwartet, wenn RM Auctions im Mai diesen Wagen anbietet, der schon von drei Weltmeistern gefahren wurde. Das 1953er Modell wurde von Alberto Ascari, Giuseppe Farina und Mike Hawthorn pilotiert.

Düsseldorf/EssenDer Handel mit Oldtimern brummt. Ein Beleg findet sich derzeit in Essen: Bei der weltweit größten Oldtimermesse, der 25. Techno Classica (noch bis 14. April) ist die Nachfrage so groß wie nie zuvor, sagt Veranstalter Anton Leon Franssen. Zum kleinen Jubiläum präsentiert die Messe, die mittlerweile selbst ein Youngtimer ist, große Zahlen: Erwartet werden 180.000 Besucher an Ständen von 1.100 Aussteller und 220 gemeldeten Clubs auf 120.000 Quadratmetern Fläche in 20 Messehallen und dem angrenzenden Freigelände, darunter auch Restaurierer, Ersatzteil-Anbieter, Oldtimer-Renn- und Rallyeveranstalter, Literaturhändler, Modellauto-Spezialisten, Kunst-Galeristen und Auto-Mode-Boutiquen ihre Angebote.

Und in Essen wird nicht nur geguckt, sondern auch gekauft: 2.500 „alte Schätzchen“ gibt es, zwischen wenigen tausend und mehreren Millionen Euro. Sie sind, genau wie Immobilien, zu einer Geldanlage-Alternative geworden. Motto: Kaufen, in die Garage stellen, und zusehen, wie die das Blech von Tag zu Tag im Wert steigt. Wenns nur so einfach wäre. Bei dem schönen Hobby vergessen viele allzu schnell die laufenden Kosten für Restauration, Garage, Pflege und Versicherung. Und auch beim Einkauf sind einige Regeln zu beachten.

Mit etwa sechs Milliarden Euro beziffert Horst Brüning, Chef des Oldtimer-Weltverbandes FIVA (Fédération international des Vehicules anciens) den Umsatz der Oldtimer-Branche in Deutschland. Mehr als 385.000 dieser mindestens 30 Jahre alten Autos fahren aktuell in Deutschland, und die Zulassungszahlen ziehen seit Jahren deutlich an. Rund 30.000 Menschen arbeiten in der Branche, der die Reparaturaufträge nie ausgehen. Tendenz steigend.

Doch die seit Jahren wachsende Beliebtheit hat eine Kehrseite: 2012 ließ die Wertentwicklung zu wünschen übrig. Dies sei auch eine Folge der zunehmenden Zahl an Oldtimern auf deutschen Straßen, stellt anlässlich der Messe die Südwestbank fest, die die Wertentwicklung in einem eigenen Oldtimerindex misst, dem OTX.

Demnach legten Autoklassiker im vergangenen Jahr nur noch um 2,2 Prozent zu, 2011 waren es noch 19,2 Prozent. Manfred Mühlheim, Asset Manager bei der Südwestbank spricht angesichts der verhaltenen Entwicklung von einer Konsolidierung auf hohem Niveau, da der Bestand an Oldtimern deutlich zugenommen habe. „Vor dem Hintergrund des Anlagenotstandes erweisen sich Oldtimer aber langfristig nach wie vor als werthaltige Anlagealternative“, sagt der Experte.

Oldtimer und ihre Bewertung

Kein Oldie ohne Bewertung

Bei der Oldtimerbewertung wird der Wert des Fahrzeugs ermittelt werden, der auch als Grundlage für die Versicherungseinstufung benötigt wird. Sie ist auch Voraussetzung, um ein gültiges Kennzeichen zu erhalten. Für den Kauf und Verkauf historischer Fahrzeuge bietet das Untersuchungsergebnis neben der aktuellen Ankaufsuntersuchung die gebräuchlichste und aussagekräftigste Grundlage.

Während bei einer “normalen” Gebrauchtwagenbewertung in erster Linie Baujahr und Laufleistung von Bedeutung sind, ist bei Oldtimern das entscheidende Kriterium der Pflege- und Erhaltungszustand des Fahrzeugs. Die Fahrzeugbewertung erfolgt in Form von Noten von 1 bis 5, die zuletzt 2007 von Classic Data überarbeitet wurden.

Note 1

Makelloser Zustand. Keinerlei Mängel an Technik, Optik und Historie. Ein (dokumentiert!) originales Fahrzeug der absoluten Spitzenklasse. Oder ein komplett und perfekt restauriertes Spitzenfahrzeug im Zustand wie neu (oder besser). Sehr selten!

Die Anmerkung "oder besser" ist ein Hinweis auf die Möglichkeiten modernster Restaurierungsmethoden. Duch die heutigen technischen Möglichkeiten (Schweißarbeiten, computergestützte Messtechniken) sowie den veränderten Materialien (Lack, Oberflächenveredelung) und einen umfangreichen Korrosionsschutz kann ein komplett restauriertes Fahrzeug den Zustand der Erstauslieferung übertreffen. Für Originalitätsliebhaber ist dies aber nicht erstrebenswert.

Note 2

Entweder seltener, unrestaurierter Original-Zustand oder fachgerecht restauriert. Technisch und optisch mängelfrei, aber mit leichten (!) Gebrauchsspuren. Keine fehlenden oder zusätzlich montierten Teile. Ausnahme: Wenn es die StVZO verlangt.

Leider kommt es gerade bei der Note 2, immer wieder zu Missverständnissen, weil viele Anbieter - teils aus Berechnung und teils aus Unwissenheit - ihrem Wagen eine viel zu gute Note geben, die vermeintlich der Schulnote "gut" entsprechen soll. Klar ist unter Experten aber, dass der "Zustand 2" ein nahezu optimal erhaltenes Fahrzeug charakterisiert.

Note 3

Gebrauchter Zustand. Normale Spuren der Jahre. Kleinere Mängel, aber voll fahrbereit und verkehrssicher. Keine Durchrostungen. Kein Reparaturstau und keine sofortigen Arbeiten notwendig. Nicht schön, aber gebrauchsfähig.

Note 4

Verbrauchter Zustand, eventuell teilrestauriert. Nur bedingt fahrbereit. Sofortige Arbeiten notwendig zur erfolgreichen Abnahme gem. § 29 StVZO. Leichtere bis mittlere Durchrostungen. Fahrzeug komplett in den Baugruppen aber nicht zwingend unbeschädigt. Einige kleinere Teile können aber fehlen oder defekt sein. Aber: immer noch relativ leicht zu reparieren (bzw. restaurieren).

Note 5

Nicht fahrbereit Schlecht restauriert bzw. teil- oder komplett zerlegt. Größere Investitionen nötig, da umfangreiche Arbeiten in allen Baugruppen erforderlich, aber grundsätzlich noch restaurierbar. Fehlende Teile, d.h. das Fahrzeug ist nicht zwingend komplett.

Ergänzungen

Wie auch bei Schulnoten sind "+" und "-" gestattet und üblich. Alle Noten müssen durch Sachverständigen-Gutachten belegt sein, und diese sollten möglichst aktuell sein. Im Zweifelsfall lieber ein neues Gutachten beauftragen bei den bekannten Prüf-Organisationen wie TÜV, Dekra, oder Classic Data.

Die Frage, ob ein Fahrzeug durch einen schweren Defekt (nicht fahrbereit) gleich um mehrere Noten fallen kann, ist umstritten. Im Zweifelsfall ist es besser, die notwendigen Reparaturkosten zu ermitteln, um sie dann vom Kaufpreis abzuziehen. Zugrunde gelegt wird dann der Marktwert ohne den wertmindernden Schaden.

Restauration

Auf den Wert eines Fahrzeuges hat auch die Art der Restauration einen entscheidenden Einfluß. Je originalgetreuer, desto höher die Chance einer Wertsteigerung. Umfangreiche Recherchen stehen am Anfang, um eine
fachgerechte Wiederherstellung zu garantieren. Eine saubere Dokumentation macht die Arbeiten transparent, die richtige Philosophie (ob in “Concours-Qualität, Wiederherstellung der technischen Funktion oder Modifikationen, um die Sicherheit etwa bei historischen Rennen zu verbessern) beeinflusst die Wertsteigerung.

Originalität

Entscheidend für die Originalität ist das richtige Fahrgestell. Matching Numbers (gleiche Nummern bei Motor und Chassis) sind bei Rennfahrzeugen weniger wichtig für den Wert als bei Strassen- und Sportwagen, weil bei Rennen und Grand Prix Veranstaltungen der Verschleiß höher war und während einer Saison auch leistungsgesteigerte Aggregate eingesetzt wurden. Wichtig: Dokumentierte Historie und Wartungsunterlagen des Fahrzeugs müssen langjährig und glaubhaft belegt sein.

Prominenz

Der Wert jedes Fahrzeuges wird durch seine Einzigartigkeit und Geschichte jedes einzelnen Automobils geprägt. Das gilt insbesondere für historische Rennwagen, bei denen Teilnahme, Erfolg an bedeutenden Rennen und bekannte Fahrer zählen, die sie bei solchen Veranstaltungen gesteuert haben. Entscheidend bei Vorbesitzern oder prominenten Fahrern für die Wertentwicklung ist die Beziehung zum Fahrzeug im Kontext mit der Geschichte von Markt, Marke und Fahrzeug.

Der OTX, der die Wertentwicklung von 20 Modellen süddeutscher Hersteller seit 2005 abbildet, stieg seit 2005 um 107,1 Prozent, der Dax um 78,9 Prozent, der Euro Stoxx 50 Performance-Index wuchs 14,7 Prozent, der Rex-P für deutsche Staatsanleihen stieg in diesem Zeitraum um 45,7 Prozent.

Auch der Deutsche Oldtimer-Index des VDA zeigt eine verlangsamte Wertentwicklung 2012. Der seit 1999 auf Basis von 88 Fahrzeugen durch die Bochumer Classic Car Tax berechnete DOX legte im vergangenen Jahr um moderate 4,2 Prozent zu. Auffallend sei, so teilt der Verband mit, dass "vor allem Fahrzeuge aus früher Großserienfertigung", wie der VW Käfer, der Chevrolet Camaro und sogar der Renault 16, zuletzt "deutliche Wertsteigerungen erfahren haben."

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