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20.05.2014

12:21 Uhr

Oldtimer-Fahrbericht

Der erschwingliche Barockengel

VonPatrick Broich
Quelle:Spotpress

Die BMW 501/502-Baureihe verkörpert 50er-Jahre-Schick pur. Der rund gezeichnete Oberklässler gehört heute zwar zu den teuren, nicht aber unerschwinglichen Oldtimern. Wer mit ihm fährt, wird zum Hingucker.

Die BMW 501/502-Baureihe, im Volksmund auch Barockengel genannt, verkörpert 50er-Schick pur. SP-X

Die BMW 501/502-Baureihe, im Volksmund auch Barockengel genannt, verkörpert 50er-Schick pur.

Groß und rund, satt in der Erscheinung – typisch 50er: Der landläufig als Barockengel bekannte BMW, der eigentlich auf die Typbezeichnungen 501 oder 502 hört, spiegelt den Zeitgeist seiner Epoche perfekt wider. Mit einer Mischung aus Bodenständigkeit und Showcar-Geist buhlt die Oberklasse um oldtimeraffine Kundschaft, besonders beliebt ist sie jedoch nicht. War sie auch damals nicht und riss BMW fast in den finanziellen Tod. Dabei sind die unkonventionellen BMW-Limousinen ein echter Geheimtipp.

Den Anfang machte 1952 der 501 mit zwei Liter großem Reihensechszylinder und 65 respektive 72 PS (53 kW). Bereits zwei Jahre später erhielt der 4,73 m lange Luxusliner acht Töpfe und 2,6 Liter Hubraum; zwar musste man noch immer mit bescheidenen 70 kW/95 PS auskommen, aber in puncto Prestige war und ist ein Achtzylinder eben unschlagbar.

Wer aus heutiger Sicht auf die Barockengel-Typologie blickt, muss sich mit allerhand Bezeichnungen und Leistungsklassen herumschlagen. Bis zu 118 kW/160 PS leistet die nicht mehr auf den Namen 502 hörende heckgetriebene Limousine als 3200 S.

Wir führten ein recht spätes Exemplar mit 2,6-Liter-V8 und 81 kW/110 PS aus. Car Classics Cologne in Kerpen bietet ein solches Auto für 36.000 Euro an. Der ausgefallen gestylte Bayer mit den großen, an der C-Säule angeschlagenen Portalen präsentiert sich für den Kurs sympathisch patiniert, aber technisch weitgehend fit.

Der Vergaser-V8 verschluckt sich dann und wann, beschleunigt die ausladend anmutende Fuhre aber hinreichend zügig. Auf eine Servolenkung muss man verzichten und beim Rangieren ordentlich am dünnen Lenkrad zerren.

Auf eine Servolenkung muss man verzichten und beim Rangieren ordentlich am dünnen Lenkrad zerren.  SP-X

Auf eine Servolenkung muss man verzichten und beim Rangieren ordentlich am dünnen Lenkrad zerren.

Dass die großen BMW als wahre Komfort-Oasen verstanden werden wollten, demonstriert bereits der leise und seidig laufende Motor. Er brabbelt gedämpft vor sich hin und kann von Kennern an der Klangfarbe als V8 erkannt werden. Der Hebel der Viergang-Lenkradschaltung rastet metallisch ein und erfordert keine sonderlich hohen Bedienkräfte, sondern etwas Feingefühl.

Dennoch dürfte sich die Box auch von unerfahrenen Interessenten bedienen lassen. Der rechts sitzende Blinkerhebel bedarf einiger Gewöhnung – ebenso das Sammelsurium nicht beschrifteter Schalter, auch das gehört eben zum Zeitgeist der jungen Bundesrepublik.

Die weichen Sitze haben zwar Charakter, bieten aber weder Kontur noch Seitenhalt. Bitte unbedingt festhalten, sonst landet man auf dem Schoß des Sitznachbarn – jedenfalls gilt das für den Fond mit der durchgehenden Bank. Hier kann man Dank großer Beinfreiheit auch als groß gewachsener Insasse eine längere Strecke zurücklegen.

Für den Fahrer bedeutet die lange Tour schon einen Tick mehr Arbeit, denn die Fahrwerke waren in den Fünfzigern zumindest gewöhnungsbedürftig aus der Perspektive moderner Autos mit aktueller Technik.

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